Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Article
- Eine jüdische Kinderrepublik in Palästina
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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in Ben Schemen darauf bedacht, in gewissen Grenzen auch Kinder aus mehr oder weniger normalen Familienverhältnissen aufzunehmen, um durch sie eine Atmosphäre gesunder Entwicklung zu schaffen. Aus der Erkenntnis heraus, daß Kinder im Alter von drei bis acht Jahren besonders schwer all das Positive entbehren, das eine Familienerziehung bietet, leben diese Kinder in Ben Schemen in zwei Familien von 16 bis 17 Kindern. Jede Familie hat ihre eigene abgeschlossene Wohnung mit eigenen Eß- und Schlafzimmern usw., und diese Abgeschlossenheit schafft den Kleinen innerhalb des großen Anstaltsbetriebe& die Ruhe, häusliche Stille und Ordnung, die gerade die jungen Kinder zu ihrer Reifung nötig haben. Die Kleinheit und Umgrenztheit des Familienheims ermöglicht ihnen auch einen regen Anteil an seinem wirtschaftlichen Leben, sie beteiligen sich bei der Säuberung der Zimmer, an den Küchenarbeiten, bei der Pflege der Jüngsten. Trotz dieser Abgeschlossenheit im Hause nehmen die Kinder doch am Leben der Umgebung teil. Es ist selbstverständlich, daß die Tage, an denen sie gemeinsam mit den Großen arbeiten dürfen, Festtage für sie sind. Wenn sie z. B. Ziegel zum Bau tragen dürfen (jedes Kind trägt einen Ziegelstein, und das sieht wie ein lustiger Ameisenhaufen aus) oder die Aufgabe bekommen, auf Blechtrommeln ohrenbetäubenden Lärm zu vollführen, um die Vögel von einem frischgesäten Feld fernzuhalten, so sind das unerhört wichtige und beglückende Funktionen- So nimmt das Kind ganz selbstverständlich an dem Bauernleben der Umwelt teil, empfindet den jährlichen Rhythmus im Pflügen, Säen und Ernten, den Ablauf der Jahreszeiten. Leben und Spiel, Arbeiten und Lernen ist ihm noch eine Einheit, noch ist ihm das Leben nicht in Fächer auseinandergeschnitten. Mit all den Eigenschaften, die wir an. Bauernkindern kennen, tritt er dann mit neun Jahren in die „Kindergemeinschaft44 ein. Diese umfaßt Kinder im Alter von neun bis vierzehn Jahren, die in Gruppen zu 25 eingeteilt sind. Auch hier hat jede Gruppe ihr eigenes Haus, das unter der Obhut einer Hausmutter und eines Erziehers steht. Eine kleine Landwirtschaft, die eine Kopie en miniature der großen* ist, sorgt für die Befriedigung der allgemeinen Sehnsucht nach landwirtschaftlicher Arbeit. Bei den Saisonarbeiten helfen die Kinder, genau wie die der deutschen Bauern, in der großen Wirtschaft tüchtig mit,, und zur Zeit der Maisernte bleibt kein Kind zu Hause. Das ist die Zeit der Romantik. Man sitzt abends gruppenweise auf den auf 4 m hohen Pfählen erbauten Wächterhütten, röstet frische Maiskolben und singt. Die höchste Instanz in dieser Gemeinschaft ist die Schulgemeinde, das heißt die Versammlung, die alle Kinder bis zu 14 Jahren und alle