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Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Schulhygiene und Heilpädagogik in Jerusalem
Date
1930-01-01
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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heilt. Er hat sich von der Mutter vernachlässigt gefühlt, sein jüngeres Schwesterchen beneidet. Ein achtjähriges Mädchen, persische Jüdin, leidet an Angstzuständen. Sie fürchtet fortwährend, daß ihr der Prophet Elia begegnen könnte. Es ist dies ein Fall, der für die Kindheitssituation im orientalischen Milieu besonders bezeichnend ist. Sie ist die Jüngste und außerdem das einzige Mädchen der Geschwisterreihe und wird dementsprechend nach asiatischer Sitte als vollkommen minderwertig behandelt. Intelligent und ehrgeizig, wie sie ist, verfällt sie unbewußt auf den Ausweg, in der Rolle einer Geisterseherin, also in einer Rolle, die auf die orientalische Mentalität ihrer Umgebung notwendig Eindruck machen muß, sich die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die man ihr bisher, weil sie „nur ein Mädchen" war, verweigert hat. In der Aussprache mit der Erziehungsberaterin tritt bald ihr leidenschaftliches Interesse für alles Geistige, besonders für Bücher zutage. Hier ist bereits der Weg der Heilung angedeutet. Man macht ihr allmählich klar, daß es verfehlt sei, um jeden Preis und auf Kosten ihrer eigenen Nerven die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und daß es langsamere, aber gesündere und nützlichere Wege gäbe, um die Anerkennung seiner Umgebung zu erringen. Die Erfolge der heilpädagogischen Beratungsstelle haben ihre Wirkung auf die Jerusalemer Bevölkerung nicht verfehlt. Der Zulauf ist ein außerordentlich großer. Je mehr sich der Kreis der behandelten Kinder erweitert, desto mehr werden auch Eltern und Lehrer von der zionistischen und menschlichen Notwendigkeit einer durchdachten und ermutigenden Erziehung überzeugt, die eine neue Generation aufrechter, zur Volksgemeinschaft fähiger Juden als den wichtigsten Zukunftsfaktor erkennt. Rundschau Politik« Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Juden und Araber. Das wesentlichste Charakteristikum des folgenden Berichtes wird es sein, daß er, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen, sich nicht ausschließlich mit der Araberfrage zu befassen braucht. Denn unterdessen ist das politische und wirtschaftliche Leben einigermaßen normaler geworden und andere Probleme drängen sich wieder mit in den Vordergrund. Diese an sich erfreuliche Tatsache enthält aber auch einen Gefahrenpunkt: daß die ganz einzigartige Wichtigkeit des arabischen Problems, ohne dessen befriedigende Lösung Palästina weder politisch noch wirtschaftlich, weder moralisch noch propagandistisch aufgebaut werden kann, wieder vergessen wird, wie es in den langen „Friedensjähren" ab 1921 vergessen worden war. Schon aus diesem publizistisch-pädagogischen Grunde müssen auch diesmal die Erörterungen über die weitere Entwicklung des Araberproblems allen anderen Punkten dem Räume und dem Range nach vorangehen. Das wichtigste Ereignis seit dem letzten Bericht war der Abschluß der Verhandlungen (nicht der Arbeiten) der Untersuchungskommission. Sie brachte, außer den im vorigen Bericht analysierten Tatsachen, noch folgende Ergebnisse: Aus der Rede des Vertreters der Jewish Agency, Harry Sacher, ließ sich die politische Linie erschließen, die einzuhalten die Zionistische Exekutive zurzeit für prinzipiell und

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