Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 50

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Einige Bemerkungen zur Frage der Psychotechnik im Dienste des Aufbaues
Date
1930-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379883-2379885-2390601--10106-2390793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

festzustellen. Sie hat zu fragen, in welchem Grade besitzt das Individuum genügendes. Wissen, genügende Fertigkeiten und Kenntnisse, um den Anforderungen, die ein bestimmter Beruf stellt, zu entsprechen. Schon hier muß man differenzieren zwischen dem Wissen und Können, das erworben ist, und dem, was die eigentliche angeborene Fähigkeit für einen Beruf ausmacht. Es ist aber weiterhin nicht nur wichtig, die Anforderung der Berufe und die Eignung des Menschen für einen bestimmten Beruf festzustellen, sondern ebenso wichtig ist es, die Neigung des Individuums zu analysieren. Man muß die im Individuum vorhandenen Wünsche und Hoffnungen sowie die Motive der Berufswahl untersuchen. Alle jene seelischen, im Unbewußten und Triebhaften ruhenden Kräfte, welche die Möglichkeit erfolgreicher Berufsausübung häufig, stärker günstig, bezw. ungünstig beeinflussen als das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Begabungen, müssen in ihrer Wirkungsweise erfaßt und bestimmt werden. In Ergänzung der S u t e r sehen Ausführungen schien es mir bei der Art des Materials der palästinensischen Einwanderung notwendig, gerade auf diesen bedeutsamen Faktor hinzuweisen. Wir haben zu fragen, gibt die seelische Struktur des Einwanderers, die Intensität seines Erlebens eine Gewähr dafür, daß er das, was ihm an Eignung fehlt, durch Konstanz und Stetigkeit der Neigung zu ersetzen vermag?' Hier, glaube ich, kann eine verfeinerte und vertiefte Analyse der Gesamtpersönlichkeit dessen, der sich als Pionier betätigen will, die Untersuchung ihrer Charakter- und' Temperamenteigenschaf ten, ihrer Triebstrukturen und ähnliches wertvolle Arbeit leisten. Auf ein anderes, praktisch wichtiges Problem soll weiterhin kurz hingewiesen werden. Es handelt sich um die Monotonie der Arbeit. Ein Problem, das zum Teil mit dem, was ich oben angedeutet habe, eng zusammenhängt. Die fortschreitende Arbeitsteilung und Mechanisierung führt zu einer Monotonisierung vieler Berufstätigkeiten. Es erhebt sich nun die schwierige Frage, ob der jüdische Zuwanderer bei seiner Mentalität diese Monotonie verträgt, ob er die Gleichmäßigkeit und enge Beschränkung auf eine kleine, einförmige Einzelarbeit aushalten kann oder ob er darunter so leidet, daß er daran zugrunde geht. Die bisherigen Untersuchungen über Monotonie der Arbeit haben uns gezeigt, daß man verschiedene Typen unterscheiden muß. Es gibt solche, die sie ohne seelische Beeinträchtigung ertragen, und andere, bei denen die monotone Arbeit zur Abstumpfung und Verkümmerung, vielleicht sogar zur Zerrüttung führt. Gerade diese Frage, das heißt also die psychotechnische Feststellung der Typen, die zu mehr oder weniger monotoner Arbeit neigen, verlangt die genaueste Differenzierung, sie ist ein praktisches Gebot für die Palästinaarbeit. Sie kann, wie mir scheint, viel seelische Unrast, Unruhe und Unzufriedenheit verhüten. Sie kann die Ausstrahlung und Übertragung dieser Unrast auf andere, z. B. politische und kulturelle, Gebiete eindämmen, vielleicht sogar unmöglich machen. Endlich möchte ich noch kurz die wirtschaftliche Frage einer psychotechnischen Organisation berühren. S u t e r hat schon betont, daß ihre Kosten nicht unbeträchtlich sind. Man muß hier noch hinzufügen, daß eine derartige Einrichtung nur dann Wert hat, wenn sie sich nicht damit begnügt, die einzelnen Fähigkeiten des Individuums zu prüfen, sondern wenn bestimmte Arbeitsproben zur Anwendung kommen, die die einzelnen Funktionen in ihrer Gesamtleistung erfassen. Durch eine derartige Prüfung kommt man der Berufsarbeit sehr viel näher. Sie hat aber den Nachteil, daß sie erheblich beträchtlichere Geldmittel erfordert. Welche Stellung man aber auch, zu der Frage, ob die Psychotechnik beim Aufbau Verwendung finden soll, nehmen möge, wenn man ihre Notwendigkeit bejaht, dann ist es erforderlich, sie methodisch und technisch einwandfrei aufzubauen, um nicht ähnliche Pfuscherarbeit zu leisten,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.