Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Zum Problem der Steuerbelastung in Palästina
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 4)
- Language
- German
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saminensetzt. Erst unter diesem Gesichtspunkt ist eine richtige Würdigung des Steuerdruckes auch in Palästina möglich. Wir sehen nun, daß trotz einer unvergleichlich reicheren Kapitalausstattung, trotz des weiten Abstandes in der gesamtstaatlichen, der wirtschaftlichen und zivilisatorischen Entwicklung, der Höhe des durchschnittlichen Einkommens und Vermögens die Belastungsquote pro Kopf der Bevölkerung in verschiedenen europäischen Ländern nicht höher, ja teilweise sogar niedriger ist als in Palästina. Wenn wir die Quote der Staatsausgaben in Palästina pro Kopf der Bevölkerung im Durchschnitt der letzten Jahre mit etwa 50 sh (12.50 $) ansetzen, so entspricht diese Ziffer etwa den Quoten, die für das letzte Vorkriegsjahr in Italien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und den Vereinigten Staaten galten und wird wesentlich nur von Deutschland, England und Frankreich übertroffen. Kritik an der Besteuerung gehört zu den anerkannten, wenn auch nicht verbrieften Grundrechten des Staatsbürgers. Auch in Palästina ist oft ausführliche Kritik an der Finanzgesetzgebung geübt worden. Auf Einzelheiten der Kritik soll hier, wo das Problem der Steuerbelastung nur in großen Zügen umrissen wird, nicht eingegangen werden. Vielleicht könnte man sich aber trotz der Ablehnung der rückständigen Steuermethoden mit dem palästinensischen Finanzsystem mehr befreunden, wenn nicht das Mißverhältnis zwischen der Einnahmen- und Ausgabenseite, deutlicher, die Verwendung der Steuermittel, sosehr irritieren würde. Wenn die Steuerbelastung in der Türkei (nach Tschiloff) vor dem Kriege pro Kopf 16 Franken betrug, so pflegte man dafür vielleicht nicht mehr zu erwarten, als die türkische Administration normalerweise bot. Wenn heute in Palästina das Vierfache dieser Quote auf den Kopf der Bevölkerung entfällt, so sollte das bedeuten, daß dem trotz Geldentwertung um ein Vielfaches gestiegenen Steuerdruck eine entsprechend gestiegene Leistung der Regierung für das Land gegenübersteht. Ohne die administrativen Verdienste der Regierung zu unterschätzen, darf aber behauptet werden, daß ihr noch ein weites Tätigkeitsfeld offen ist, auf dem viele der von ihr begangenen Unterlassungssünden gutgemacht werden müssen. Im Rahmen dieses Aufsatzes soll nicht weiter auf die Gründe für dieses Mißverhältnis eingegangen werden. Die Regierung wird sich aber im Laufe der nächsten Zeit nicht vor der Erkenntnis verschließen können, daß entweder eine Herabsetzung der Steuerlast bei gleichzeitiger gerechterer Verteilung der Steuerleistungen erfolgen oder aber eine Intensivierung der positiven Regierungsbemühungen insbesondere zur kulturellen und wirtschaftlichen Förderung des Landes eintreten muß. Einige Bemerkungen zur Frage der Psychotechnik im Dienste des Aufbaues. Von Prof. Dr. Arnold Kutzinski, Nervenarzt, Königsberg. Im Anschluß an die beachtenswerten Erörterungen Prof. S u t e r s über dieses Thema (in Nr. 7/9, 1929, dieser Zeitschrift) möchte ich zunächst einmal darauf hinweisen, daß ich bereits vor mehreren Jahren in einem Aufsatz der „Jüdischen Rundschau" kurz auf die Bedeutung der Psychotechnik für das Aufbauwerk aufmerksam gemacht habe. Über ihr Wesen und über das, was sie dem Lande leisten kann, gibt S u t e r s Darstellung einen guten Überblick. Immerhin sind die Fragen der Psychotechnik und ihrer Verwendung so komplexer Natur, daß es gestattet sei, noch auf einige einzelne Momente hinzuweisen. Die Psychotechnik hat einmal die Berufseignung des Individuums