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Palästina · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Article
Die Arbeitsbedingungen der jüdischen städtischen Arbeiter Palästinas
Date
1930-01-01
Page
Seite 32 (sequence 15)
Language
German
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Auf die Frage nach der Zahl der Zimmer pro Familie erhielten wir 8795 Antworten, die sich folgendermaßen verteilen: 1928 der Befragten (zumeist Unverheiratete) wohnen in weniger als einem Zimmer (992 in V2, 589 in V3, 347 in 1U Zimmer); in Wohnungen von einem Zimmer wohnen 4746, in zwei Zimmern 1291, in drei Zimmern 589, in vier Zimmern 41, in mehr als vier Zimmern 9. Mit anderen Worten: 81,5% der städtischen Gesamtarbeiter wohnen in einem Zimmer und weniger. Diese Zahlen geben nur die Wohnungsinhaber an; sie sagen nichts aus über die Zahl der im Durchschnitt in einem Zimmer Wohnenden. Ihre Zahl, die Zahl der Dichtigkeit der Besetzung der Wohnungen, ist natürlich viel größer; allein sie konnte von uns diesmal nicht eingehend untersucht werden. Aber auch die angegebenen Zahlen zeigen uns aufs klarste, wie groß der Dichtigkeitskoeffizient der Wohnungen in Palästina zweifellos ist, was auch die unten angegebenen Zahlen über die Besetzung der Einzimmerwohnungen mit Familien beweisen. Diese Dichtigkeit der Besetzung ist ohne Beispiel in anderen Ländern. In England z. B. wohnen 27 bis 29% der Unverheirateten in einem Zimmer, in Frankreich 43,6% (in den großen Städten 59,8%), in Palästina 95,5%! Dasselbe Bild bei den Familien. In einem Zimmer wohnen in England 5,8% aller Familien mit zwei Angehörigen, in Frankreich 18,1%. In Palästina ist der Prozentsatz aller Familien (das heißt mit zwei und mehr Angehörigen), die in einem Zimmer wohnen — 67 bis 68%, das heißt, die Situation ist in Palästina ungefähr viermal so schlecht wie in Frankreich. Die Gründe für diese außergewöhnliche Dichtigkeit der Besetzung sind in der Niedrigkeit des Reallohnes (siehe darüber den Aufsatz von Dr. Walter Preuss in der Zeitschrift „Palästina", Wien, Nr. 1, vom Jahre 1929) zu suchen, der die Arbeiter zu äußerster Einschränkung, vor allem in seinen Wohnungsausgaben, zwingt. Die anscheinende Ähnlichkeit des Prozentsatzes der Wohnungsausgaben vom Lohn in Palästina und in anderen Ländern ist also eine nur scheinbare, da sie durch eine außergewöhnliche Dichtigkeit in der Besetzung erkauft wird. Obwohl unsere Angaben hier nur in allgemeinen Strichen gegeben werden konnten, so zeigt das Gesamtbild doch klar genug die Schwere der Situation, zumal die Folgen dieser Erscheinung auch auf die Qualität der Ernährung und auf die Höhe der Krankheitsziffern einwirken, die bekanntlich in direkter Beziehung zu den Wohnungsverhältnissen steht. In Zusammenhang mit dieser Situation bestehen unter den Arbeitern starke Strömungen, Arbeiterwohnviertel in der Nähe der Städte zu bauen. In dieser Hinsicht kann die aktive und positive Beihilfe des „Jüdischen Nationalfonds", des Fonds, der die Aufgabe hat, Böden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben, bei der Bereitstellung passender Bodenflächen für diesen Zweck verzeichnet werden. In der Nähe von Tel-Aviv existieren heute bereits zwei derartige Viertel (eines auf den Namen des verstorbenen Führers der jüdischen Arbeiterbewegung, Ber Borochow); für ein drittes Wohnviertel ist der Boden bereits erworben (in der Nähe des Borochow- Viertels), und über den Erwerb einer weiteren Bodenfläche für ein viertes Viertel sind Verhandlungen im Gange. Auch bei Haifa wurden Bodenfläclien an verschiedenen Stellen für fünf Arbeitersiedlungsgruppen, darunter für ein Viertel der Eisenbahn- und der Elektrizitätsarbeiter, erworben. Ein kleines Viertel existiert bei Jerusalem und über den Ankauf einer größeren Fläche zur Ansiedlung von 500 Familieneinheiten sind Verhandlungen im Gange. Auch in Tiberias hat eine Gruppe Arbeiter eine gewisse Bodenfläche zu diesem Zweck erworben.

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