Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 52 (sequence 3)
- Language
- German
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„Nun, nachdem ich vor drei Monaten das Land verlassen habe und diese Zeilen schreibe, packt mich die Sorge, unsere Freunde dort unten werden — wenn sie sie lesen — eine gewisse Enttäuschung empfinden. Sie werden sich fragen, ob, nach reiflicher Überlegung, die Begeisterung erkaltet ist, die ihr starker Glaube mir eingeflößt hatte. Sie werden mir vielleicht einen Vorwurf machen, den ich selbst häufig anderen gemacht habe: Den Einfluß des moralischen Faktors zu unterschätzen, den materiellen Realitäten aber zu viel Bedeutung beizumessen, nur das Wahrscheinliche vorauszusehen und nicht genügend mit dem Unvorhergesehenen zu rechnen." So schreibt Vandervelde auf einer der letzten Seiten seines Buches. Wer immer aber dieses liest, wird sagen müssen: Nein, diese Befürchtung des Autors ist unbegründet, auf jeder Seite dieses Palästina-Buches fühlt man Vanderveldes starken Idealismus, seine verständnisvolle und positive Einstellung zu den zionistischen Problemen, zu den großen und kleinen Fragen des Aufbaues der jüdischen Heimstätte. Dr. Manka Spiegel, Graz. Boden und Siedlung in Palästina von Dr. A. Granovsky. Jüdischer Verlag, Berlin S 206. — Der Verfasser reiht seinen früheren Arbeiten („Probleme der Bodenpolitik", „Bodenbesteuerung in Palästina"') eine neue über die Bodenprobleme an. Das Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen, die in dieser Zeitschrift und an anderen Orten erschienen sind. Aus der reichen Fülle des gebotenen Materials kann hier nur einiges angeführt werden. In einem Aufsatz über „Nationales und privates Eigentum an Boden" untersucht G., ob die Behauptung, daß der Privatbesitz an Boden stimulierend auf die Siedler wirkte, richtig sei. An Hand der Tatsachen in Palästina konstatiert G., daß „das private Eigentum an Boden die Siedler in keiner Weise stärker, widerstandsfähiger oder glücklicher gemacht hat" (S. 19). Im Gegenteil: „Der Gedanke der Ansiedlung auf nationalem Boden setzt sich in der Praxis der Kolonisation allmählich durch" (S. 20). Er untersucht die Picawirtschaften — ein Gebiet, das von unserer Seite fast nicht erforscht ist — und konstatiert, daß es mit der Schuldenrückzahlung bei diesen Kolonien sehr schlecht bestellt ist. Der höheren Belastung der Siedler, die auch den Boden rückzuzahlen haben, gegenüber den Pächtern von KKL.- Boden, steht kaum eine geringere Vertragsbindung (Verbot des Verkaufs und der Verwendung nichtjüdischer Arbeiter, solange nicht voll abgezahlt ist) gegenüber. Die Birkungen des privaten Bodenbesitzes bei den Chowewe-Zion-Kolonien zeigen sich besonders kraß in dem starken Besitzwechsel bei diesen, was die These, daß der Siedler auf Privatboden mit der Scholle mehr verwächst als ein Erbpächter, widerlegt. In Ber Tobia haben z. B. 17 Wirtschaften 28mal ihre Besitzer gewechselt (S. 31). Nicht privater oder nationaler Bodenbesitz entscheiden über das Prosperieren der Kolonien, sondern die Bodenqualität, die Beschaffenheit des Menschenmaterials, der Standort der Siedlung usw. In einer Tabelle (S. 39) zeigt der Verfasser, daß das Pachtsystem in allen Ländern der Welt stark verbreitet ist und in vielen sogar mehr als die Hälfte der Gesamtbetriebe umfaßt (in Großbritannien sogar 87.8%). Selbst im klassischen Lande des Privatkapitals, Amerika, machen sie 36.8% aus. — Über die Vorteile des Erbpachtsystems in Palästina sagt G. folgendes: Es ermöglicht wenig bemittelten und unbemittelten Siedlern, in den Besitz einer Parzelle zu kommen, sichert den Bestand seiner Wirtschaft, ihren nationalen Charakter sowie die jüdische Arbeit, ermöglicht eine gerechte Verteilung des Wertzuwachses und bekämpft Bodenspekulation und Bodenwucher (S. 53). In einem Artikel über „Das Kreditproblem bei der Pacht" zeigt G. an einer Reihe von Beispielen aus vielen Ländern, daß die Beleihung von Erbpacht-