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Palästina · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · p. Seite 51

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-12-01
Page
Seite 51 (sequence 2)
Language
German
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schließlich die zionistischen Kolonien, wo er voll Staunen die in so kurzer Zeit geschaffenen "Werte sieht. Überall, in den Fabriken und in den Plantagen, fällt ihm die große Freiheit des Benehmens der Arbeiter in ihren Beziehungen zum Unternehmer auf, und er erkennt, daß zwischen ihnen ganz andere Beziehungen bestehen als zwischen Kapitalisten und Proletariern anderwärts. Er, der Sozialist, wird begreiflicherweise von der schöpferischen Tat der Chaluzim, die ihr Leben in Palästina auf neuen, menschlichen Grundlagen aufgebaut haben, besonders ergriffen. Viele Seiten sind interessanten Gesprächen mit Arbeitern und Arbeiterführern gewidmet, die^ Fragen der Rentabilität der Betriebe, der Kwuzah oder des Moschaw, und viele andere werden erörtert. Das Problem der arabisch-jüdischen Beziehungen nimmt einen breiten Raum ein. Obwohl Vandervelde die großen Schwierigkeiten erkennt, geschaffen durch nationale Feindseligkeit sowie durch komplizierte wirtschaftliche Gegensätze zwischen den Juden und Teilen des arabischen Volkes (hervorgerufen oder verschärft durch die große Verschiedenheit der Zivilisationsstufe der beiden Völker), glaubt er als Marxist, daß in der Zukunft, mit einer Entwicklung der Volkswirtschaft, die wirtschaftliche Interessengemeinschaft der beiden Völker stärker sein werde, als die nationalen Gegensätze. Der Eintritt von 200 arabischen Eisenhahnarbeitern in die palästinensische Gewerkschaft, dessen Wichtigkeit Vandervelde keineswegs überschätzt, ist immerhin in dieser Beziehung von symptomatischer Bedeutung. Die Wiedergeburt der hebräischen Sprache hat Vandervelde — wie manch anderes „Wunder" in Erez Israel — stark berührt. „Es ist erstaunlich" — so sagt er — „aber anderseits muß man zugeben, daß es natürlich ist." Diese Worte und das Gefühl, das ihnen zugrunde liegt, sind bedeutungsvoll und geben zu denken. Es ist klar: Wie viele paradoxe, scheinbar nicht realisierbare Theorien und Forderungen hat der Zionismus aufgestellt! Ein Sprungbrett ins Künstliche, Unnatürliche schien er manchen. Durch hingebende Arbeit, durch Schweiß und Blut der Pioniere wurde in Palästina eine Wirklichkeit geschaffen, der, mag sie zum Teil auch ungemein neuartig sein, doch der Charakter des Organischen, Natürlichen anhaftet. Eine Reihe interessanter Fragen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, werden von Vandervelde erörtert. Schließlich kommt er auf die Leistungen des Mandatars zu sprechen. Worin bestehen sie? Erstens, so sagt Vandervelde, hat die Regierung Schulen geschaffen — allerdings nur für die Araber, nicht für die Juden, letztere mußten das (mit einem geringen Beitrag der Regierung) für ihre Kinder selbst besorgen. Zweitens hat die Regierung Straßen gebaut — allerdings hat sie dabei anscheinend nur die Ortschaften der Eingeborenen berücksichtigt. Den Juden, die eine Kolonie gründen, überläßt man die Mühe, die Zufahrtswege selbst zu bauen, und im allgemeinen ist es charakteristisch für die palästinensische Regierung, aus jüdischen Leistungen den Vorteil und die Konsequenz zu ziehen, die eigenen Leistungen auf ein Minimum zu reduzieren." Bleibt der dritte Posten: öffentliche Sicherheit. „Hier", so meint Vandervelde, „sind die Erfolge zweifellos. Die Juden brauchen nicht mehr, wie im Jahre 1920, zu fürchten, daß sie in ihrem Land angegriffen werden." Die Ereignisse haben uns eines anderen belehrt. Ein kurzer Bericht von Frau Dr. Vandervelde über die sanitären und Wohlfahrtsinstitutionen im jüdischen Palästina beschließt das Buch. Auch hier wird die Frage aufgeworfen: Was hat die Regierung auf diesem Gebiete geleistet? Und die Antwort ist abermals: Sie hat aus der großen jüdischen Aktivität die Konsequenz gezogen, selbst passiv zu bleiben.

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