Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die kooperative Bewegung unter den Juden in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Language
- German
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genossenschaftlichen Kooperativen und ihre Zweige in Haifa, Jerusalem und Tel-Aviv verkauft, gegenüber weniger als 0*5 Million vor drei Jahren. Der „Pardess" verkauft jährlich 360 000 Kisten Orangen, das sind zirka 35% der gegenwärtig exportfähigen jüdischen Ernte. Man schätzt, daß der Verkaufswert 1929'30 auf 0*5 Million Mark steigen wird. Die drei kooperativen Gesellschaften in Chedera, Benjamina und Nahalal verkaufen jährlich zirka 1000 t Getreide und Futter, die Tabakgenossenschaften haben über 600 t Tabak verkauft, fast alle 700 bis 800 t Mandeln, die von Juden produziert werden, wurden genossenschaftlich verkauft. Die Winzergenossenschaft verarbeitete 90% der jüdischen Weintrauben. Rundschau Politik« Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Im Monat November haben zwei Fragenkomplexe im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit Palästinas gestanden: die Arbeit der Untersuchungskommission und die Frage der Verhandlungen zwischen Juden und Arabern. Gegenüber diesen beiden Zentralpunkten fiel selbst die noch andauernde allgemeine Unsicherheit, die in den Attentaten auf Dr. T i c h o und Generalstaatsanwalt Bentwich gipfelte, weniger ins Gewicht. Ja, sogar der dreitägige arabische Streik in Jaffa, der als Protest ge^en die Verhaftung von Boykotterroristen durchgeführt wurde, aber nicht deren Entlassung erzwingen konnte, spielte in der allgemeinen Aufmerksamkeit nicht die gleiche Rolle. Ob dies objektiv berechtigt ist, mag dahinstehen: immerhin zeugen sowohl die dauernden Terrorakte als auch der immer noch aufrechterhaltene Boykott jüdischer Waren von einer einheitlichen Organisation, die offenbar vollkommen planmäßig alle Mittel in den Dienst ihrer Ziele stellt. Man kann manchmal auf den Gedanken kommen, daß die Araber Palästinas sich nicht nur in einer ähnlichen Situation fühlen wie die Iren bei ihrem Kampfe um Selbstverwaltung und deshalb zu ähnlichen Mitteln greifen, sondern daß sie ihren nationalen Aufstand — den die palästinensische Presse aus unerfindlichen Gründen niemals ohne ironisierende Anführungszeichen zitiert — ganz bewußt dem Gesicht des irischen Aufstandes anpaßt, um so den Engländern die gleichen Schlußfolgerungen nahezulegen. Wie dem auch sein mag, jedenfalls ist das Land von der Befriedung noch weit entfernt, und mag auch auf der jüdischen Insel Tel-Aviv die allgemeine Stimmung bereits gehobener sein, so spürt man doch in Jerusalem und an den anderen Orten, die in unmittelbarer Berührung auch mit der arabischen Wirklichkeit des Landes stehen, wie ernst die Krise andauert. Die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission machen den Eindruck, als seien die vier englischen Herren der Gerichtshof der Weltgeschichte, vor dem nun Juden und Araber, beide, wie auch die Landesregierung, bezeichnenderweise mit Hilfe englischer Anwälte, ihre historischen Ansprüche und Rechte zu verteidigen haben. Die künstliche Abgrenzung, die Macdonalds Regierung der Untersuchungskommission gesetzt hat: sie solle nur die unmittelbaren Ursachen der Unruhen, nicht aber die Grundlagen des Mandats selber nachprüfen, wird im Laufe der Verhandlungen immer wieder überschritten, wenn auch der eine oder der andere Anwalt