Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Soziale Frauenarbeit in Palästina
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 21 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379882-2390310--09855-2390489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die „Moazath-ha-Poalath" nicht im gleichen Sinne wie die anderen genannten eine Frauenorganisation ist, sondern einen Teil der Arbeiterorganisation bildet und als solcher speziell die Interessen ihrer weiblichen Mitglieder vertritt. Durch ihre Sonderexistenz hat sie aber die Möglichkeit, einen starken erzieherischen Einfluß auf die arbeitenden Frauen des Landes auszuüben. Es mag vielleicht scheinen, als ob das rein organisatorische Moment bei den Frauenvereinen eine allzu große Rolle spielt. Es ist richtig, daß — gerade weil die Gewöhnung der Frauen an eine Einordnung ihrer Teilaufgaben in eine Gesamtaufgabe besonders schwierig war — auf diesen Teil der Arbeit besonderer Nachdruck gelegt werden mußte, doch ist auch ihr praktischer und propagandistischer Wert nicht zu unterschätzen. Die Mittel, welche die drei Vereine, Hadassah, Wizo und Histadruth Naschim Ibrioth, aufbringen, betragen annähernd 200.000 £ pro Jahr, und die Aufbringung dieser Summe ist allenthalben mit einer starken zionistischen Propaganda verknüpft. Angewandt werden diese Mittel für die Unterhaltung von Instituten, die sämtlich unerläßlich notwendig sind für das im Aufbau begriffene Land. Dazu werden von der palästinensischen Frauenorganisation und darüber hinaus durch den Bund der Frauenvereine (abgesehen von der Arbeiterinnenorganisation) etwa 3000 Frauen des Landes zur Teilnahme am öffentlichen Leben, zum Verständnis sozialer Fragen und der Mitarbeit bei ihrer Lösung, ferner auch zum Gebrauche der hebräischen Sprache erzogen. Die Früchte dieser Erziehung zeigen sich unter anderem jetzt in der Zeit der Fürsorge für die Opfer der palästinensischen Unruhen: Von den ersten Tagen der Unruhen ab, als man noch durch einen Kugelregen hindurchpassierte, sobald man sein Haus verließ, haben die Mitglieder der palästinensischen Frauenorganisation die Fürsorge für die Flüchtlinge und speziell die Kinder der Flüchtlinge übernommen und wären — wenn man es von Seiten der Zionistischen Organisation und des Vaad Leumi besser verstanden hätte, sie heranzuziehen — bereit gewesen, auch auf anderen Gebieten wichtige soziale Hilfe zu leisten. Noch immer stößt die Frauenarbeit in Palästina auf viel Unverständnis und Gleichgültigkeit, aber doch beginnt sie langsam sich durchzusetzen, und man darf darauf hoffen, daß sie in nicht allzu ferner Zeit von der Zionistischen Organisation und der Knesseth Israel als ein notwendiger Teil des Aufbaues anerkannt und dem System der aufbauenden Arbeit eingeordnet werden wird.