Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
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wieder in ihren früheren Status gemäß Artikel 4 des Mandates eintreten soll. Der definitive Text der Verfassung, wie er in der zuständigen Kommission der konstituierenden Versammlung festgesetzt wurde, ist bisher nicht veröffentlicht worden. Die Tagung gestaltete sich überaus eindrucksvoll, insbesondere die Eröffnungssitzung mit Ansprachen von Weizmann, Herbert Samuel, Marshall, Einstein, Lord Melchett, Leon Blum, Oskar Wassermann, Felix Warburg, Schalom Asch, Ussischkin und Sokolow, als auch die Schlußsitzung, in welcher die Unterzeichnung des Agency-Paktes einerseits von der Exekutive, anderseits von den Vertretern der nichtzionistischen Judenheit aus 17 Ländern vorgenommen wurde. Die Tagung wählte ein aus zwanzig Nichtzionisten und zwanzig Zionisten bestehendes Administrativkomitee. (Die Funktionäre sind unter Rubrik „Nachrichten und Daten" aufgezählt.) Eine Exekutive wurde nicht gewählt, vielmehr fungiert die auf dem Zionistenkongreß gewählte dreizehngliedrige Exekutive zunächst auch als Exekutive der Agency, bis die für das nächste Frühjahr in Aussicht genommene Sitzung des Administrativkomitees eine Neuwahl durchführt. Die erste Tagung des Council hat sich auch mit dem sachlichen Arbeitsprogramm der Agency beschäftigt. Es wurde betont, daß der Erwerb großer Bodenstrecken als Bodenreserve notwendig sei und daß eine großzügige Kolonisation eingeleitet werden muß, deren Finanzinstrument der Keren Hajessod ist. Ferner wurde insbesondere in den Referaten der amerikanischen nichtzionistischen Mitglieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine nach geschäftlichen Prinzipien arbeitende Gesellschaft zu gründen, die beim Ausbau industrieller und anderer wirtschaftlicher Unternehmungen helfen soll. Bei einer Ansiedlung von jährlich 1000 Familien würde ein Kapital von etwa 700.000 £ erforderlich sein. Das Jahresbudget der Agency wurde mit 750.000 £ in Aussicht genommen. Die Beschlüsse des Zionistenkongresses über Kolonisation und andere Fragen hat der Council der Agency zur Kenntnis genommen und sie dem Administrativkomitee zur weiteren Verhandlung überwiesen. Die Tage von Zürich haben in der ganzen Judenheit einen außerordentlichen Widerhall gefunden. Leider konnte die von der Agency in Aussicht genommene systematische Arbeit nicht aufgenommen werden, da unmittelbar nach Schluß der Züricher Tagung die Unruhen in Palästina ausbrachen, die zunächst die ordentliche Arbeit unterbrachen und außerordentliche Maßnahmen erforderten. Die neugegründete Agency erwies sich in dieser Stunde der Bedrohung der jüdischen Position in Palästina als ein gewaltiger Rückhalt. Wer gemeint hatte, daß die neugewonnenen Freunde des Palästinawerkes sich durch die äußeren Attacken und die dadurch entstandenen Schwierigkeiten würden von der Sache abbringen lassen, mußte seinen Irrtum erkennen. In allen Ländern standen die nichtzionistischen Palästinafreunde Schulter an Schulter mit den Zionisten und betonten einmütig die Entschlossenheit, von dem Palästinawerk nicht abzulassen. Auch die erforderlichen politischen Schritte wurden unter Mitwirkung der nichtzionistischen Agency-Mitglieder unternommen. So z. B. erschien am 11. Oktober in New York eine Abordnung der Jewish Agency unter Führung von Felix Warburg beim englischen Ministerpräsidenten MacDonald. Auch in den einzelnen Ländern beteiligten sich Nichtzionisten an den politischen Schritten und an den öffentlichen Kundgebungen. Eine nach London einberufene Sitzung des Administrativkomitees der Agency konnte freilich von nichtzionistischer Seite aus äußeren Gründen nur schwach beschickt werden, so daß an ihr außer den Mitgliedern des zionistischen A.-C. im wesentlichen nur die englischen nichtzionistischen Mitglieder des Administrativkomitees teilnahmen. Diese Sitzung hat im Namen der Jewish Agency eine Reihe von Forderungen formuliert, die der englischen Regierung