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Palästina · 1929-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1929) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1929)
Article
Die Unruhen in Palästina
Date
1929-10-01
Page
Seite 48 (sequence 6)
Language
German
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hinausgeschoben werden müsse, bis eine Annäherung und Versöhnung der beiden Völker stattgefunden hat. Die Untersuchungskommission. Zun* Vorsitzenden der britischen Untersuchungskommission wurde Sir Walter Shaw, früher Oberrichter der Straits Settlements, ernannt. Mitglieder sind: Sir Henry B. Betterson, R. Hopkin, Morris Henry Snell, Sekretär Mr. Llyod vom Kolonialamt. Entgegen anderen Meldungen wird vor der Kommission Rechtsvertretung und Kreuzverhör gestattet sein. Seitens der Exekutive sind Mr. Sacher und eine Reihe hervorragender Rechtsanwälte mit der Führung der juristischen Vertretung betraut worden. (Abgeschlossen am 5. Oktober.) Rundschau Politik» Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Noch für lange Zeit hinaus wird jeder politische Bericht aus Palästina immer wieder von den Unruhen auszugehen haben, deren Nahen sich bereits in der Woche vor Tischo be Aw ankündigte, die sich beinahe volle 14 Tage nach Tischo be Aw hinzogen und deren Nachwehen sich selbst heute noch, anfangs Oktober, in gelegentlichen Überfällen bemerkbar machen. Ein Bericht über die Einzelheiten kann und braucht hier nicht gegeben zu werden, da er ja von der Tages- und der jüdischen Presse mit allmählich zunehmender Objektivität geliefert worden ist und auch in diesem Heft eine kurze Zusammenstellung enthalten ist. Deshalb beschränken wir uns im folgenden auf einige politische Bewertungen und auf einige Ausblicke in die nähere und weitere Zukunft. Die erste Frage ist die nach den Ursachen und nach den unmittelbaren Anlässen der Unruhen. Wir haben in den letzten Wochen die verschiedensten Meinungen darüber gehört, die hier wiedergegeben seien, weil sie selbst Tatsachen jüdischer Politik sind und daher in diesem Bericht registriert werden müssen. Es gibt gleichsam eine minimalistische und eine maximalistische Auffassung: die erste, zum Teil von Revisionisten vertreten, die sich leider auch Sokolow in seiner Züricher Rede zu eigen gemacht hat, sieht nur „Überfälle von Räubern und Mördern'4 und leugnet jeden politischen oder gar nationalen Hintergrund. Die maximalistische Auffassung, im wesentlichen von den Kreisen des „Brith Schalom" vertreten, hält die Bewegung für Vor- und Ausläufer eines arabisch-nationalistischen Aufstandes, dessen aktueller Herd zurzeit Palästina ist, der aber seine Wellen, natürlich in sehr abgeschwächter Form, in alle arabischen Nachbarländer schlägt und von ihnen auch zum mindesten moralische Unterstützung bekommt. Zwischen diesen beiden extremen Meinungen gibt es mancherlei Vermittlungen, z. B. solche, die das religiöse Moment stark betonen, das leider in der Angelegenheit der Klagemauer und in den Verleumdungen über angebliche jüdische Absichten auf die Omarmoschee einen nur allzu leicht entflammbaren Zündstoff fand; andere wieder heben die verzweifelte wirtschaftliche Lage vieler arabischer Kreise hervor, insbesondere solcher, die in den rapid zurückgehenden Städten Hebron und Safed, bekanntlich Brennpunkte der Unruhen, oder in deren dörflicher Umgebung wohnen. Die Last der veralteten landwirtschaftlichen Steuern, das Fehlen einer agrarischen Kreditbank, die dauernd steigende Verschuldung der Fellachen, all dies zusammen hat den arabischen Kleinbauern und Hirten zum Desperado gemacht, der nichts zu verlieren hat und sich von seinen

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