Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Die Unruhen in Palästina
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 46 (sequence 4)
- Language
- German
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Wanderung und die Annullierung der Ruthenberg-Konzession forderte. Die Juden werden in allen Proklamationen beschuldigt, ihre „Angriffe" und „Provokationen" auf das religiöse Gebiet verlegt zu haben. Die arabische Presse hetzt unaufhörlich und verlangt die Abschaffung der Balfour-Deklaration. Es gibt aber unter den Arabern auch Stimmen, welche den Großmufti anklagen. Die Zahl der bei der Abwehr der Angriffe gefallenen und verwundeten Araber kann nicht genau angegeben werden, da die Araber diese am Rückzug mitgenommen haben. Sie wird auf einige hundert geschätzt. Offiziell werden 91 Tote (darunter 4 Christen) und 132 Verwundete gemeldet. Die Verhaftungen. Viele hunderte Araber und eine Anzahl von Juden sind verhaftet und zum Teil schon abgeurteilt worden. Boykottbewegung. Sowohl unter den Juden als unter den Arabern ist eine solche zu verzeichnen. Doch ist kein Zweifel, daß der Boykott in Kürze zusammenbrechen wird. Jedenfalls schädigt er besonders die jüdische Geschäftswelt schwer. Die Reaktion der jüdischen Welt. Diese manifestierte sich in besonders großartigem Maße nicht nur durch Protestversammlungen, Schritte bei den Regierungen (England1) und Amerika), sondern auch in einer großen Hilfsaktion. Bis 1. Oktober waren bereits 500.000 £ gesammelt. Das Zentralhilfskomitee der Jewish Agency in London gab die Parole aus: „Hilfe durch Aufbau." Ein beträchtlicher Teil der gesammelten Gelder wird für konstruktive Zwecke verwendet werden. Die Jewish Agency. Die Funktionäre waren natürlich in fieberhafter Tätigkeit sowohl in Jerusalem als auch in London und Genf. Die Exekutive trat am 28. September in London zusammen. Die Einberufung einer Sitzung des A. C. und des Administrative Council wurde beschlossen. Diese Sitzungen fanden vom 6. bis 10. September in London statt. Die Resolutionen verlangen außer Wiederherstellung der Ordnung materielle Hilfe und Schadenersatz, Einstellung jüdischer Freiwilliger als Sonderpolizisten, eine Erhöhung der Zahl der Einwandererzertifikate, aktive Mitarbeit der Regierung, ferner wurde neuerlich erklärt, daß die Juden die Unverletzlichkeit der heiligen Stätten der Moslim vorbehaltlos anerkennen. Eine Abordnung des Councils wurde am 12. September von Lord Passfield empfangen, der wegen der Aufrechterhaltung der Ruhe Versicherungen gab. Die Zukunft Palästinas, sagte er, hänge davon ab, daß beide Völker nebeneinander in Frieden und Freundschaft leben. Die Tagung erließ einen Aufruf an das jüdische Volk, worin Nachdruck darauf gelegt wird, daß die Antwort auf die Ereignisse in erhöhter Aktivität in der Aufbauarbeit bestehen müsse. In Jerusalem sprachen die Vertreter der Agency und des Waad Leumi am 2. September beim Oberkommissär vor und forderten Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit im Lande, materielle Entschädigung, Bestrafung der Schuldigen. Das Begehren auf Legalisierung des jüdischen Selbstschutzes lehnte Chancellor ab. Während der Unruhen hatten für die abwesende Exekutive die Herren Hoofien und Horowitz an ihrer Stelle interveniert. Die Erklärungen der Regierung. Nach der Audienz, die Weizmann bei Lord Passfield am 28. August hatte, gab die JTA. einen Bericht, daß die Erklärungen des Staatssekretärs für den Augenblick zwar befriedigend, aber nicht weit- *) Audienz des Marquis of Reading bei Macdonald am 25. August, Prof. Weizmanns beim Kolonialminister (28. August), beim Kriegsminister (31. August), beim Premierminister und Außenminister (15. September), bei ersterem allein auch am 23. September.