Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Die Arbeiter-Krankenkasse (Kupath Cholim) in Palästina
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 32 (sequence 2)
- Language
- German
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sehen Organisation zur Last gefallen wäre. Es würde vor allem ein lebendiges Beispiel des sehnlichsten Wunsches nach Selbsthilfe fehlen, nach Befreiung von 100%iger Hilfe von außen, die noch immer des Charakters der Philanthropie nicht entbehrt, eines "Wunsches, der in der K. Ch. schon heute zu 71% realisiert ist. Die Aufgaben, die die K. Ch. als treue Begleiterin des jüdischen Arbeiters in allen Lagen, auf der Chaussee und in der Fabrik, in den Kolonien und im Pardeß, in der Kwuzah und im Moschaw vor, während und nach seiner Krankheit erfüllte, können weder gemessen, noch gewogen, noch in Zahlen ausgedrückt werden. Die kritischen Jahre der Auswanderung und der Arbeitslosigkeit haben auf die K. Ch. sehr ungünstig gewirkt: nicht nur, daß sie in ihrer normalen Entwicklung gehemmt wurde, es mußte vielmehr so manche eroberte Position aufgegeben und in vieler Hinsicht die an das Kassenmitglied geleistete Hilfe reduziert werden. Aber diese Krise dient uns auch, wie allen ernst zu nehmenden Institutionen im Lande, als wichtige Lehre; es wurde nicht nur viel Selbstkritik geübt, sondern auch manche Fehler wurden rechtzeitig erkannt und vermieden, und jetzt, nach Überwindung dieser äußerst schwierigen Periode, ist die K. Ch. gefestigter denn je und befindet sich schon in aufsteigender Linie. Ihre Existenzberechtigung ist erwiesen, wenn es je an Beweisen dafür bedurft hätte, und ihre Ziele sind klarer vor gezeichnet als je zuvor. Es soll nun im folgenden versucht werden, die Ziele und Wege der K. Ch. zu skizzieren. Die K. Ch. hat den Prinzipien der Selbsthilfe und der gegenseitigen Hilfe ihre Existenz zu verdanken. Ohne diese Prinzipien ist ja die Entstehung und Fortentwicklung einer freiwilligen Krankenkasse gar nicht denkbar. Noch dazu zu einer Zeit, da das Land von philanthropischer medizinischer Hilfe geradezu überströmt wurde, ist die Fortentwicklung einer freiwilligen Krankenkasse ohne dieses Prinzip gar nicht möglich. Hier liegt der tiefste Gegensatz zwischen der K. Ch. und der „Hadassah". Es ist ja klar, daß, solange medizinische Hilfe geradezu auf den Gassen dargeboten wird, wie es früher geschehen ist — wohlgemerkt, hier wird nur von medizinischer Hilfe gesprochen und nicht von der Arbeit auf prophylaktischem Gebiete, wo diese Arbeitsmethode ganz natürlich und sogar erforderlich ist — jede freiwillige Krankenkasse einen schweren Stand haben muß. Nun, dieses System mußte wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, da doch die Bedürfnisse des Landes an medizinischer Hilfe mit wachsender Zunahme der Bevölkerung von Jahr zu Jahr steigen müssen. Es müßte dann, wenn keine Änderung des Systems eingetreten wäre, nach zehn Jahren das ganze Budget der zionistischen Organisation für medizinische Zwecke verausgabt werden, abgesehen von der demoralisierenden Wirkung, die ein solches System auf die ganze Bevölkerung inklusive der Kassenmitglieder ausüben muß. Die „Hadassah" als medizinalpolitisches Instrument in den Händen der zionistischen Exekutive, wie sie es sein sollte, müßte also danach trachten, ihr Budget langsam auf Regierung, K. Ch. und übrige Bevölkerung abzuwälzen, um mit dem auf diese Weise freigewordenen Gelde weitere Gebiete aufzuschließen, namentlich in prophylaktischer Hinsicht, sowie zur Hebung des medizinischen Niveaus im Lande usw., so daß sie mit konstant bleibendem Budget dennoch von Jahr zu Jahr mehr leisten und in der autoritativen Führung des ganzen Medizinalwesens in Jischuw bleiben könnte. Wir wollen uns hier mit der Politik der ..Hadassah" und ihrer Rolle im Lande nicht beschäftigen, wollen lediglich das Verhältnis zur K. Ch. berühren. Wir wollen zu diesem Zwecke ein konkretes Beispiel wählen: Wie bekannt, soll das Krankenhaus der „Hadassah" in Haifa aus finanziellen Gründen geschlossen werden und es bestehen diesbezügliche Verhandlungen zwischen