Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Das Malariaproblem in den jüdischen Siedlungen Palästinas
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 31 (sequence 10)
- Language
- German
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Benjamina ist als eine der stark bedrohten Kolonien bekannt. Im Jahre 1927 kamen dort auf 100 Kolonisten 35 und auf 100 Arbeiter 75 Malariaerkrankungen; über ein Drittel aller Fälle ereignete sich im Juli. Mitte Juli 1928 wurden aus dem malariafreien Schweya Waisenkinder nach Benjamina zur Jasminernte gebracht. Obwohl die Kinder täglich schon vor Sonnenuntergang in die Felder hinaus mußten, um die. Blumen zu pflücken, ist dies Unternehmen ohne üble Folgen abgelaufen. Im Jahre 1927 hätte man damit höchstwahrscheinlich in allerkürzester Zeit eine 100%ige Malariamorbidüät erzielt. Dieser ungeheure Umschwung in der Malariasituation wurde nicht durch irgendwelche Maßnahmen, durch Erweiterung oder Intensivierung der Malariaprophylaxe erzielt; er war die natürliche Folge der meteorologischen Verhältnisse im Winter 1927/288. Dem regenarmen Winter 1927/28 folgte ein niederschlagsreicherer Winter 1928/29. Es war daher gar nicht überraschend, daß im Juni dieses Jahres neuerlich eine stärkere Malariawelle einsetzte. Im Juni und Juli haben nach mir zugekommenen Nachrichten die jüdischen Ärzte den Regierungsbehörden rund 2000 neu erkrankte Personen namhaft gemacht. Diesmal wurde der im Jahre 1927 verschonte Süden stärker heimgesucht, während die am Jordan gelegenen Kolonien relativ günstig abgeschnitten haben. Vor allem waren die ganz jungen Arbeitersiedlungen auf dem Lande betroffen. Wieder zeigte sich, daß die Malaria ein schweres soziales Problem, in erster Linie ein Wohnungsproblem ist. Die Spitäler waren überfüllt, die Hospitalisierungsmöglichkeiten ungenügend und viele Patienten mußten unter den ungünstigsten Verhältnissen „zu Hause" bleiben, was für sie wie für ihre Umgebung mit gesundheitlicher Gefährdung verbunden war. Die Ereignisse der letzten Monate haben die Aufmerksamkeit vom Malariaproblem abgelenkt; die im Juli begonnene statistische Erfassung der Malaria auf dem Wege ärztlicher Berichte dürfte unterbrochen worden sein. Aber auch ohne vollständige Statistik wird das Jahr 1929 eine ernste Mahnung an die für die palästinensischen Arbeiter und Kolonisten wie für die Kolonisation im ganzen verantwortlichen Kreise sein, den Malariaschutz in Palästina nicht länger zu vernachlässigen und die Arbeitsmethoden zu modifizieren. Die jüdische Malariabekämpfung in Palästina war ein Fehlschlag, der nicht länger verheimlicht und gedeckt werden darf. Die Arbeiter-Krankenkasse (Kupath Cholim) in Palästina. Von Dr. Josef Majer, Tel-Aviv. L Die Arbeiterkrankenkasse (Kupath Cholim — K. Ch.) ist aus ganz kleinen Anfängen entstanden und hat in der Zeit der starken Immigration an Umfang erheblich zugenommen, so daß sie jetzt mit ihrem Jahresbudget von ungefähr 50.000 f, mit einem Personal von knapp 200 Angestellten (inkl. Ärzten und Schwestern), mit einem zentralen Spital im Emek Israel und mehreren Saisonkrankenhäusern in einigen größeren Kolonien, mit ihren Ambulatorien in den Städten, in denen alle Fächer vertreten sind, mit einem weitverzweigten Netz von ländlichen Ambulatorien (59 an Zahl), mit zwei prächtigen Erholungsheimen, dessen eines in Mozza schon fertig dasteht, und einem Zentralinstrumenten- und Medikamentenmagazin usw. zu einem wichtigen Faktor im Sanitätswesen Palästinas geworden ist. Wenn man aus der Geschichte des Sanitätswesens Palästinas der letzten sieben bis acht Jahre die K. Ch. streichen würde, so würde eine recht empfindliche Lücke zurückbleiben; es fehlten so manche wichtige Institute im Lande, es fehlte das eigenartige Gepräge, das die K. Ch. dem ganzen Sanitätswesen aufgedrückt hat, es fehlten namentlich die vielen Zehntausende — man kann schon von Hunderttausenden sprechen — von Pfunden, die die arbeitende Bevölkerung für Krankenhilfe aus eigenen Mitteln verausgabt hat, eine Summe, die sonst zu 95% der „Hadassah" und somit der zionisti-