Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1929)
- Article
- Bevölkerungsstatistik in Palästina
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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c) Die natürliche Zunahme durch den Überschuß der Gehurten über die Todesfälle ist bei den verschiedenen Gemeinschaften ungefähr die gleiche (20 bis 25 pro mille) und ist mehrmals höher als jene in westlichen Ländern. Für die nächste Zukunft ist darin keine Abnahme zu erwarten, besonders bei den Nichtjuden, da die eventuelle Abnahme der Geburtenziffer zweifellos Hand in Hand mit einer solchen der Todesfälle gehen wird. In bezug auf die natürliche Zunahme bei den Juden wird die Rate lediglich davon abhängen, ob die hohe Geburtenziffer bestehen bleiben wird, die ihrerseits in weitem Maße von der Einwanderungsbewegung abhängig ist; eine gewisse Abnahme der Sterberate bei ihnen ist auch möglich, jedoch nur in sehr geringem Ausmaß. d) Die Kindersterblichkeit (sowie die Sterblichkeit im vorschulpflichtigen Alter) ist die Hauptursache der hohen Sterblichkeit bei den Nichtjuden. Diese Rate übersteigt bei den Moslim alle aus anderen Ländern bekannten Ziffern. Es muß zwar die hohe Geburtenzahl diesbezüglich in Betracht gezogen werden, aber der Hauptfaktor ist in dem Mangel der elementarsten hygienischen Erziehung bei den Massen der arabischen Bevölkerung zu suchen. Die Rate der Kindersterblichkeit, bei den Juden 103 (pro 1000 Geburten), kann angesichts der hohen Geburtenrate (35 pro mille) nicht als zu hoch angesehen werden, jedoch ist kein Zweifel, daß sie auch weiter herabgedrückt werden kann durch Verbreitung hygienischer Kenntnisse unter den „alten" Teilen der jüdischen Bevölkerung und den orientalischen Juden, ebenso wie durch Bekämpfung der Sterblichkeit während der Sommermonate. Die Säuglings-, Kleinkinder- und Schwangerschaftsfürsorge in Erez Israel. Von Dr. Benno Grünfelder, Chefarzt der Kinderabteilungen der Hadassa Medical- Organisation in Palästina. Die Säuglings- und Kinderfürsorge in Palästina setzte in systematischer Beziehung erst nach der Balfour-Deklaration ein. Vor dem Weltkriege, unter der türkischen Oberhoheit des Landes, herrschte hier ein Wirrsal von karitativ beeinflußten Fürsoi gebestrebungen, deren Endziel und Zweck meist von Missionsgedanken beeinflußt wurde. Die zionistische Organisation hatte vor dem Kriege in Palästina noch keine Gelegenheit gefunden, in fürsorglicher Hinsicht sich neben den karitativen Organisationen zu entfalten. Andere jüdische Organisationen, wie Hadassa, die Vereinigung zionistischer Frauen in Amerika, Nathan Strauß, der Hilfsverein deutscher Juden, und der Verein jüdischer Ärzte und Naturforscher, hatten im Jahre 1912 bereits die ersten Anfänge einer systematischen Gesundheitsfürsorge für die Juden in Palästina ins Auge gefaßt. Neben der Trachombekämpfung, der Malariabekämpfung in Chedera und Jerusalem und der Tollwutverhütung sollte der Ausbau einer planmäßigen Säuglingsfürsorge in Jerusalem beginnen. In Europa zerstörte der einsetzende Krieg die begonnenen Vorarbeiten, aber die Hadassa-Frauenorganisation in Amerika und Nathan Strauß begannen durch Beisteuerung von Geld und Mitteln den Aufbau in karitativem Sinne. Die Kriegsjahre verhinderten zwar die Entwicklung dieser Fürsorgebestrehungen im Sinne einer aufklärenden Fürsorge, aber die Anfänge waren doch durch diese karitative Form geschaffen. Die mangelnde Sprach- und Schriftgemeinschaft der jüdischen Bevölkerung Palästinas vor dem Kriege erschwerte die Entwicklung der