Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 106 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Vorgänge der letzten Jahre, die Annäherung Rußlands an die kemalistische Türkei, die nationalistische Bewegung in Indien und Ägypten, könnten die britische projüdische Palästinapolitik nur bestärken. Schließlich weist Castiglioni darauf hin, welches Interesse an Palästina auch die anderen Mittelmeermächte haben, für welche es die Verbindungstür mit dem Orient bedeute und noch mehr bedeuten würde, wenn, was nahe bevorstehend scheine, große Automobilstraßen Jerusalem mit Persien und dem übrigen Asien verbinden werden. Daraus ergebe sich das große Interesse Italiens an Palästina. Italien sei die natürliche Verbindungsbrücke zwischen Palästina und dem Westen, während die Balkanstaaten und Frankreich hierfür nicht in Betracht kämen. Der Hafen von Triest 6ei stets Vorkämpfer der italienischen Expansion im Orient gewesen, er biete die schnellste und beste Verbindung mit den jüdischen Zentren Mitteleuropas, und die gesamte italienische Produktion könnte schließlich ihre natürlichen Absatzmärkte im Orient finden. Castiglioni weist auf die Politik Italiens hin, die ausländischen Studenten die Hochschulen eröffnet und so zu einer größeren Verbreitung der italienischen Kultur im Orient beigetragen habe, ferner auf das große Werk der sanitären Missionen Italiens im Orient, welches Italiens Namen populär gemacht habe. Der Weg Italiens sei durch die Politik der italienischen Renaissancerepubliken vorgezeichnet, welche Zivilisation nach Kleinasien getragen und Handelsbeziehungen dahin eröffnet haben. Das Problem Palästinas zu begreifen, sei ein notwendiges Postulat für den Expansionsdrang Italiens, und es würde genügen, auf die große Wärme zu verweisen, mit welcher von Staatsmännern, Volkswirten und Wissenschaftlern die Gründung des italienischen Pro-Palästina-Komitees aufgenommen worden sei. Diesem sei eine sehr wichtige Aufgabe anvertraut, weil Natur und Geschichte Handel und Industrie Italiens auf das Mittelmeer verweisen. Das Entstehen einer neuen politischen Formation und daher neuer ökonomischer Möglichkeiten an den umstrittensten und wichtigsten Punkten dieser Küsten sei für das politisch-ökonomische Italien von heute ein wichtiger Vorgang, aber es wird vielleicht in zwanzig Jahren ein Faktum von vitaler Bedeutung sein, welches jene Kreise ins Kalkül ziehen müßten, die das Problem der kommerziellen und kulturellen Expansion Italiens im Orient verfolgen. Prof. Arthur Freud, Wien. Das Kolonisationsproblem. Von Dr. E. S o s k i n, Paris 1929, 19 Seiten. Diese Broschüre enthält das Referat, das der Autor auf der revisionistischen Weltkonferenz in Wien, Dezember 1928, gehalten hat. Dr. Soskin hat, wie bekannt, das Verdienst, seit jeher darauf hingewiesen zu haben, daß Palästina ein Land ist, in dem die Bedingungen für intensive Kulturen, Obst, Frühgemüse, Früchte, gegeben sind. Er verlangt, daß die zionistische Kolonisation sich auf diese und nicht auf die gemischte Kultur stützen soll. Diese Kontroversen sind zur Genüge bekannt und auch in den Spalten dieser Zeitschrift geführt worden. Dr. Soskin gibt in seinem Referat keine neuen Gesichtspunkte, ist aber in seinen Ausfällen so ungerecht, daß es wundernehmen muß, daß er diese Angriffe, die, gesprochen auf einem Parteitag, vielleicht nicht Anstoß erregen mußten, in der gedruckten Broschüre nicht ausgemerzt hat. Unter anderem läßt er durchblicken, daß die Krise in Palästina durch Abwanderung gelöst worden sei, während ihm doch bekannt sein muß, daß 7000 bis 8000 Arbeitslose nicht zuletzt durch die Bemühungen der von ihm geschmähten zionistischen Exekutive Arbeit gefunden haben. Über die agronomischen Fachleute des Landes spottet er, doch wäre es wohl richtiger, dies erst dann zu tun, wenn Dr. Soskin in der praktischen Kolonisation einmal bessere Erfolge als diese aufweisen können wird.