Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379880-2389789--09616-2389977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jüdische Sache und entwickelt weiterhin die englische Araberpolitik sowie die Folgen des Aufkommens des Bolschewismus wie des Kemal-Regimes in der Türkei für die britische Orientpolitik. Auch die Entwicklung der Verhältnisse in Palästina wird mit Objektivität und Sympathie dargestellt. Nach Castiglioni beweist die politische Entwicklung, daß die Politik Palästinas definitiv nach einer Richtung entschieden ist, welche die Absichten der Balfour-Erklärung kennzeichnen. Diese Änderung des englischen Programms und das Abrücken Englands von seiner eine Zeitlang zu erkennen gewesenen arabischen Politik beweise auch die Ersetzung Sir Herbert Samuels durch den Marschall Plumer, des Politikers durch den Soldaten, ebenso wie General Ghancellor der Politik fernstehe. Castiglioni bespricht in Worten voller Anerkennung die Entwicklung des Landes, die dank den Bemühungen der jüdischen Einwanderer erfolge, ein Element, dem er höchstes Lob zollt. Der Erfolg des palästinensischen Unternehmens hängt seiner Meinung nach nicht bloß von objektiven, politischen und materiellen Faktoren ab, sondern in erster Linie von der Lebenskraft jenes ethnischen Gefühls, das die neue jüdische Bevölkerung Palästinas beseelt und das man fälschlich als ausschließlich religiöses bezeichnet hat. Wenn die nächste Generation Palästinas aus Landwirten und aufbauenden Elementen, aus Menschen bestehen werde, die der nationalen Idee anhängen, so könne der Erfolg nicht ausbleiben, wenn er auch langsamer zu erreichen sein werde, als die Optimisten gehofft haben. Die englische Politik ziele nun definitiv auf die Errichtung eines starken ethnischen jüdischen Zentrums in Palästina, womit es sich die Sympathien sehr einflußreicher Kreise in Politik und Finanz in Europa und Amerika sichere und sich ohne irgendwie beträchtliche Kosten einen Stützpunkt gegen die verschiedenen arabischen Strömungen errichte. Die interessanteste Tatsache sei, daß, während Frankreich in Syrien Millionen geopfert habe, um nur Haß zu ernten, England eine Regierungsbilanz für Palästina mit starken Überschüssen darbiete und mit weiser Politik nicht nur die Juden, sondern auch die Araber fördere, welche die rapide Besserung der sanitären Bedingungen, die Schaffung neuer Verkehrswege, die Austrocknung der Sümpfe, die Vervielfachung des Verkehrs in den Häfen sehen. Der Weg zur Lösung des politischen Palästinaproblems sei als ein definitiver zu betrachten, wenn dem Zionismus zwei unumgänglich nötige Faktoren nicht fehlen werden: die weitere — und größere — finanzielle Hilfe vom Auslande und — ein idealer Faktor, der aber ebenso wichtig sei in seinem praktischen Werte — der ungeminderte Geist der Hingabe und des Enthusiasmus der Einwanderer. Wer das Land kennengelernt habe, wisse, daß das Palästinaproblem nicht durch die Weisheit eines oder mehrerer europäischer Kabinette gelöst werden könne. Dieser Landstrich sei die Verbindungstür zwischen drei Welten und Zivilisationen, hier konzentriere sich seit zwei Jahrtausenden der Ansturm des Westens gegen Asien, und wie einst die Seemächte die großen Expeditionen unter ihren Schutz genommen haben, so wende heute die herrschende Handels- und Seemacht, England, alle ihre Kraft auf, um ihre Macht in jener so umstrittenen und für den internationalen Handel so wichtigen Gegend zu schützen. Das politische Problem Palästinas werde durch Engländer und Juden gelöst werden, die mit verschiedenen Absichten einem Ziele zustreben: an der Küste des Mittelmeeres eine national und ökonomisch genügend starke Macht zu errichten, um jede Bedrohung durch die Araber abzuwehren. Nur durch Erhaltung aller Kontakte mit dem Westen würden die Juden Palästinas die ihnen von der Geschichte anvertraute Aufgabe erfüllen können.