Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem.
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
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ständen, so daß man jetzt darangeht, dort ein Heim für solche Dorfkinder einzurichten.) Ein hindernder Umstand ist der noch immer erhebliche Lehrermangel und der Mangel an geeigneten Schulgebäuden. Die Regierung hat z. B. nach dem Schulexamen der Kandidatinnen für das Lehramt auch diejenigen Schülerinnen, welche die Prüfung nicht bestanden haben, als Lehrerinnen anstellen müssen. Interessant ist, daß die Dorfschulen ihre Schulgebäude selbst stellen müssen, während die Regierung die Lehrer und die Schulmittel beisteuert. Hingegen nimmt in den städtischen Schulen die Regierung die Miete der Häuser — sie besitzt nur wenige eigene Schulgebäude — auf ihr Budget, so daß die direkten kulturellen Lasten der Städter ungleich geringer sind als die der Dorfbewohner. Auch dieses ist wohl zweifellos ein Hemmschuh für die Liquidierung des Analphabetismus. Trotzdem in Palästina kein Schulzwang eingeführt ist, besteht bei Christen und Juden tatsächlich die allgemeine Schulpflicht. In den größeren Städten gilt dies auch von den Moslems für die Knaben und auch der Prozentsatz der Mädchen, welche nicht die Schule besuchen, ist bei den städtischen Moslems relativ gering. Allerdings ist damit noch nicht gesagt, daß der Schulbesuch so geregelt ist wie in Europa. Nach den ersten drei Schuljahren fällt der Schulbesuch sehr schnell ab. Das sechste Schuljahr hat in den städtischen Regierungsschulen nur ungefähr ein Drittel der im ersten Schuljahr eingetretenen Schüler, in den jüdischen Schulen noch fast zwei Drittel. Der Bericht befaßt sich diesmal weniger mit den erzieherischen Resultaten der jüdischen Schulen — die nicht Regierungsschulen sind — als mit ihrer Verwaltungspraxis. Es wird darüber Beschwerde geführt, daß trotz des Regierungsbeitrages von 20.000 £ die Zionistische Exekutive ihren Verpflichtungen gegenüber der Regierung nicht nachgekommen ist. Die Ursache hiervon sieht die Regierung in der „konservativen Tendenz der Lehrer", die sich jeder Reform entgegensetzten, welche die von der Regierung gewünschten Ersparungsmaßnahmen verwirklichen sollten. Doch rühmt der Bericht die jüdischen Lehrer, weil sie trotz der großen Rückstände bei der Auszahlung der Gehälter ihre Arbeit weitergeführt haben. Im ganzen faßt die Regierung ihren Bericht über das zionistische Schulsystem folgendermaßen zusammen: „Die Autorität der Leitung des zionistischen Schulwesens gegenüber dem Zionistenkongreß, dem Erziehungsausschuß und gegenüber der Lehrerorganisation ist nicht genügend stark und dies bedeutet ein ständiges Hindernis in bezug auf Sparsamkeit und Wirkungsfähigkeit. Durch die persönliche Energie von Miß Szold und der Zionistischen Exekutive, wurden zwar einige Verbesserungen durchgeführt, aber das System bleibt radikal verfehlt." (Vergl. den Artikel von Dr. M. b. Ephraim. — Die Red.) Eine besondere Stellung in der Regierungsarbeit nehmen die Prüfungen ein. Die Regierung führt zwei Reifeprüfungen durch, von denen eine ungefähr dem deutschen Einjährigen entspricht und eine dem Abitur. Diese Prüfungen ermöglichen ohne weiteres den Besuch bestimmter höherer Lehranstalten, respektive Universitäten in England und wohl auch im übrigen Ausland, während die Anerkennung des Reifezeugnisses der jüdischen Mittelschulen im Ausland auf Schwierigkeiten stößt. Die Regierung bedauert in ihrem Berichte, daß die jüdischen Schulen ihre Schüler von den Regierungsprüfungen fernhielten, mit der einzigen Ausnahme der Tachkemonirealschule in Tel-Aviv, die von allen Schulen, die sich an den Prüfungen beteiligten, am besten abschloß. 72% ihrer Schüler bestanden die Prüfung. Hingegen haben die externen Schüler wenig Aussicht, bei den Prüfungen zu bestehen. Bemerkenswert ist auch die sogenannte Intermediate Examination for the Palestine Arts and Science Diploma. Dies ist eine Prüfung, welche Universitätsprüfungen