Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 71 (sequence 2)
- Language
- German
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Rates, von der Bildung einer Gesellschaft zum Kauf fellachischen Bodens unter Sonderbedingungen, mit der Sicherung, das Land den Kleinbauern eventuell wieder zurück zu erstatten, von der Unterbringung größerer Aktienpakete der „Ägyptischen Bank in Palästina" (31.000 £ von 100.000 £ nominalem Kapital). Selbst die christlichen Araber, die sonst allen Aktionen des moslemitischen Rates mit besonderer Skepsis und Kritik gegenüberstehen, sind dieses Mal einverstanden und haben sogar in einem ihrer Organe den Vorschlag gemacht, zwecks Ankauf des Bodens in der ganzen christlichen Welt Sammlungen zu veranstalten: ein christlicher Keren Kajemeth! Man braucht den praktischen Umfang all dieser Bestrebungen noch nicht zu überschätzen, wird aber zweifellos mit Bedauern feststellen müssen, daß unsere, etwas laute Propaganda zur „Erlösung des Bodens" nun ihr natürliches Echo gefunden hat, daß sich zum mindesten in den Preisen unliebsam bemerkbar machen wird. Im Zusammenhang mit diesen Tendenzen muß auch der Zionismus- oder sogar judenfeindlichen Bestrebungen in Palästinas Nachbarländern gedacht werden. Die ziemlich weitgehend französich oder arabisch assimilierten syrischen Juden scheinen neuerdings unter einer gewissen antisemitischen Propaganda zu leiden zu haben, die mit dem jüdischen Palästinawerk argumentiert. Und auch im transjordanischen Parlament gab es neulich, allerdings bei Obstruktion der regierungstreuen Mehrheit, einen scharfen Protest der nationalistischen Minorität gegen die Förderung der Werke Ruthenbergs und Nowomeyskis seitens der Regierung. Für dies letzte Unternehmen, die Ausbeutung des Toten Meeres, dürfte freilich der eben abgeschlossene deutsch-englische Ghemietrust, in dem bekanntlich Lord Melchett führend ist, sowie, in geringem Maße, das deutsch-chilenische Handelsabkommen ausschlaggebender sein, als diese doch ziemlich akademischen Proteste, zu denen man wohl auch die neuesten französischen Vorstellungen beim Völkerbund, die das Tote-Meer-Werk für Syrien reklamieren wollen, rechnen darf. Weit ernster zu nehmen sind die Bestrebungen, die zur Zeit im Gange sind, um die Araber Palästinas und seiner Nachbarländer, wenigstens durch einige charakteristische Vertreter, der „Liga gegen koloniale Unterdrückung" anzugliedern, die nun, nach ihrem ersten Brüsseler Kongreß, dessen großer Eindruck noch unvergessen sein wird, eine zweite internationale Zusammenkunft, diesmal in Berlin, vorbereitet. Die dort vertretenen Araber würden vor allem auf die Tatsache hinweisen können, daß in Palästina noch ein rein „kolonisatorisches" System herrscht, das heißt, daß die Bevölkerung des Landes in keiner Form an der Bestimmung über ihre Geschicke beteiligt ist. Bei den Verhandlungen vor der Genfer Mandatskommission des Völkerbundes, an der Sir John Chancello r, der palästinensische Oberkommissär, persönlich das Land vertrat, wurde auch die Frage einer repräsentativen Verfassung gestellt; der Oberkommissär scheint sie, nach den mir bisher vorliegenden Meldungen, dahin beantwortet zu haben, daß an eine parlamentarische Verfassung, das heißt also an Ministerverantwortlichkeit, Abberufungsrecht des Parlamentes usw. in Palästina wegen seiner internationalen und interkonfessionellen Verpflichtungen nicht gedacht werden könne, daß aber Mittel und Wege gesucht werden sollen, um die Forderungen der arabischen Bevölkerung auf Teilnahme an der Regierungsgewalt und nach ihrer Kontrolle auf irgendeinem zweckentsprechenden Wege zu erfüllen. Diese vorsichtigen Worte lassen, bei gleichfalls vorsichtiger Ausdeutung, den Willen erkennen, allmählich, nach dem Vorgang sämtlicher arabischer Nachbarstaaten Palästinas, eine Art beratenden Parlamentes zu schaffen, das vielleicht nach einigen Jahren der Erprobung in eine verfassungsgebende Versammlung übergehen