Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1929-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1929) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1929)
Article
Die Psychotechnik im Dienste der Aufbauarbeit Palästinas
Date
1929-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379874-2379880-2389723--09386-2389874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

derten. Beide Teile, Land und Leute, haben ihre Eigenart. Für das Gelingen des von hohen Wünschen und Erwartungen getragenen Werkes ist die bestmögliche Zuordnung von Mensch- und Landeseigenart Voraussetzung. Je besser die zugewanderten Kolonisatoren für diese Aufgabe ausgerüstet sind, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Da die Menschen von Natur aus körperlich und geistig mit ungleichen Gaben ausgestattet sind, ist der eine dank seiner physischen Disposition zu schwerer und vielleicht auch andauernd schwerer körperlicher Arbeit befähigt, während ein anderer von Geburt an physisch kärglicher ausgerüstet ist. Was für andere als kraftvolle Betätigung einen Genuß bedeutet, ist für ihn eine Quelle erdrückender Strapazen. Das nämliche Bild zeigt sich auf dem Gebiet der geistigen Fähigkeiten. Zwischen den Extremen der Schwach- und Hochbegabten schuf die Natur alle die uns aus dem Leben wohlvertrauten Zwischenstufen der mehr oder minder ausgesprochenen Befähigung, im allgemeinen und im speziellen des menschlichen Könnens. Gewiß kann eine systematische Erziehung und Ausbildung manches beitragen, um den Wirkungsgrad des Individuums zu steigern. Das ist allbekannt. Aber auch das Können des Menschen hat seine Grenzen. Keiner kann ohne Gefahr über die Grenzen hinaus, die ihm gesteckt sind. Darum heißt es sich bescheiden und 1. mit Sorgfalt diejenigen Fähigkeiten erkennen, über die jeder seiner Individualität gemäß verfügt; 2. sie nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel entwickeln und bilden. Dies sind die beiden ersten Hauptaufgaben der rationellen Fruchtbarmachung der menschlichen Kräfte. Es sind Aufgaben, die in allen Verhältnissen und für alle Menschen gelten, welche für Lebensaufgaben bestmöglich vorbereitet werden sollen. Die Verhältnisse, in die ein Mensch hineinwachsen soll, zwingen aber zu einem Weiteren, nämlich zum Studium der Lebensanforderungen, vom Milieu aus beurteilt. Gerade die palästinensische Kolonisation zeigt uns diese Notwendigkeit besonders deutlich. Wenn für den fernen Abendländer noch ein Zweifel darüber bestehen sollte, daß das Heilige Land sich durch ganz besondere Eigenarten von allen andern Kulturländern unterscheidet und daß vor allem die gute Durchführung der großeingeleiteten Kolonisationsarbeit ganz besondere Anforderungen stellt, so verfliegen diese Zweifel restlos angesichts der Tatsachen. Sokolow, Wilbushewich und andere haben mit großer Klarheit auf alle die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich im Laufe der letzten Jahre herausstellten. Palästina ist heute noch das Land, dessen Erde der intensiveren und extensiveren landwirtschaftlichen Kolonisation bedarf, mit allen Begleiterscheinungen der Melioration, des Weg- und Straßenbaues, des Tief-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.