Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 60 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Da das Buch schon 1927 abgeschlossen wurde, trifft natürlich die eine oder andere Einzelheit heute schon nicht mehr zu. Das mindert indes nicht seinen Wert, und es wäre zu wünschen, daß wenigstens einzelne Kapitel des interessanten Buches auch deutschen Lesern in einer Uber Setzung zugänglich gemacht würden. Den englisch lesenden Freunden des neuen Palästina sei jedoch das Buch selbst bestens empfohlen. Sicher wird es in Amerika, wenn es verstanden wird, es weiteren Kreisen bekannt zu machen, viel zum besseren Verständnis für unsere Probleme und unere Arbeit beitragen, wofür wir dem Verfasser nur sehr dankbar sein können. Dr. Hugo Schachtel, Breslau. Das Werdende Zeitalter. Eine Monatsschrift für Erneuerung der Erziehung. VIII. Jahrg. Februar 1929. Heft 2. (Selbstverlag, Kohlgraben bei Vacha, Rhön.) — Ein ganze Heft dieser deutschen Zeitschrift ist dem jüdischen Siedlungswerk in Palästina, insbesondere dem Erziehungswerk der zionistischen Pioniere, gewidmet; und es mag gleich zu Anfang gesagt sein: Wohl selten wird eine Sammlung von untereinander unabhängigen Artikeln einen so wunderbar geschlossenen, durchwegs erhebenden Eindruck hervorrufen wie die vorliegende. Die Ursache dieser einheitlichen Wirkung liegt darin, daß ein Leitmotiv klar und gewaltig durch alle Aufsätze klingt: Es ist das leidenschaftdurchglühte, tiefernste Streben dieser jüdischen Menschen, in ihrer nationalen Heimstätte in Palästina eine im tiefsten Sinne menschliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zu gestalten und zu verwirklichen, die brennende soziale Frage entsprechend ihrem Genius eigenartig, einzigartig zu lösen. Die Einzigartigkeit der spezifisch jüdischen Lösung eines allmenschlichen Problems hebt Buber in seinen einleitenden Worten („Die Frage nach Jerusalem") bereits hervor, indem er Jerusalem in Gegensatz setzt zu Moskau und Rom, jenen zwei „unfruchtbaren Kolossen", die — jeder auf seine Art — das Gemeinschaftsleben ihrer Völker neu gestaltet haben. Moskau, es repräsentiert „die ideologische Diktatur", „in Moskau wird die lebendige Idee durch das Prinzip ersetzt"; Rom dagegen ist „die antiideologische Diktatur". Buber fragt: „Gibt es zu diesen beiden ein Drittes, ein noch nicht Existentes, aber Werdendes — über jene hinaus Werdendes? Zu den beiden allhin wahrnehmbaren törnernen Gesichtern ein drittes, noch verborgenes, eines von Fleisch und Blut, mit heiterer Stirn, liebenden Augen und einem Mund, der singen kann, ein menschliches Antlitz?" Und Bubers Antwort auf die eigene Frage lautet: „Ich glaube an Jerusalem." Auch Elisabeth Rotten, die nichtjüdische Europäerin, glaubt an Jerusalem, sie begreift und verkündet, daß palästinensischer Sozialismus „nicht stillsteht mit der Erfüllung der Forderung nach gerechter Verteilung des Arbeitsertrages", daß ihm dies „nur Voraussetzung werden soll für ein wahrhaftes Leben der Menschen in lebendiger Gemeinschaft", in einer Gemeinschaft, die von Siegfried Lehmann („Das Kinder- und Jugenddorf Ben Schemen") und Milek Goldschein („Die Kindergemeinde Beth Alfa"), insoferne es sich um die Jugend handelt, in einfacher, sachlicher und doch so eindrucksvoller Weise geschildert wird. Zwei Gedanken sind es, die in fast allen Aufsätzen immer wieder dominierend hervortreten: Jener, daß die menschheitserlösende Bewegung in Palästina vor allem eine Erziehungsbewegung ist. „Der wesentliche Inhalt des Lebeus des einzelnen und des Kollektivs wurde ein unaufhörliches Bemühen um die Lösung des Problems Individuum und Gesellschaft4; nicht in Theorie, sondern es wurde zu einer Auseinandersetzung im praktischen Leben. So wurde die Arbeiterkollektivbewegung in sich selbst zu einer Erziehungsbewegung; denn an erste Stelle setzte sie die Erziehung des