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Palästina · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-06-01
Page
Seite 59 (sequence 2)
Language
German
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nicht auf eine subjektive Würdigung, sondern auf ein objektives Verständnis für das Leben daselbst..." Und das ist es auch, was das Buch wirklich bringt. Es geht in seiner Einleitung von der Entwicklung des jüdischen Lebens und der Probleme des Judentums und der Judenheit in den Diaspora aus, in der alten und in der neuen Welt, von den Enttäuschungen der großen Hoffnungen nach Beendigung des Weltkrieges, von den Kräften, die im Judentum von altersher fortwirken, von der Bedeutung der Assimilation und der Notwendigkeit des Zionismus für die Regeneration des Judentums. Es schildert uns dann die Gegensätze zwischen altem und neuem Palästina, um in den weiteren Kapiteln klare Bilder der verschiedenen Gebiete jüdischen Lebens und Schaffens im Lande zu geben. Alte Siedlung und neue werden gegenübergestellt, der alte und der neue Jischuw, alt und jung, Stadt und Land, Landwirtschaft, Handel und Industrie. Erziehung und kulturelles Leben werden dargestellt, Entwicklung der Literatur im Lande, das Verhältnis von Juden und Arabern, das Leben und die Einrichtungen der jüdischen Arbeiterschaft, das religiöse Leben, Stellung und Wirken der jüdischen Frau, um schließlich noch einmal das gesamte zionistische Problem und die Möglichkeiten der Zukunft zu erörtern. Als Anhang ist eine Darstellung der Entwicklung von Tel-Aviv gegeben. In jedem Kapitel findet man eine Reihe interessanter guter Beobachtungen. So versteht der Verfasser sehr gut die Unterschiede zwischen den Menschen des alten und neuen Jischuw, den Gesetzen ihres Handelns nachzugehen und darzustellen. Sehr gut beobachtet ist der Einfluß des modernen Lebens auf die junge Generation des Chalukkah-Judentums. Gut gegenübergestellt sind Vor- und Nachteile städtischer Siedlung, insbesondere ihre Bedeutungslosigkeit für die körperliche Regeneration, anderseits aber die großen, günstigen Erziehungsmöglichkeiten. Wertvoll sind die Darstellungen der einzelnen Zweige der Industrie und ihre Zukunftsmöglichkeiten, über die Gründe der ungenügenden Förderung und der Hindernise für ihre Entwicklung. Die Schäden und Gefahren der Chalukkah werden geschildert. Scharf wendet sich der Autor gegen die Agudah, die er eine „jesuitische Organisation" nennt, den von ihr nach Palästina getragenen Gedanken des Separatismus verurteilt er aufs schärfste. Er macht aber auch kein Hehl aus dem, was er bei dem modernen Erziehungswerk tadelnswert oder an Mängeln findet. So beklagt er sehr den mangelnden Respekt der Schüler (der aber vielleicht eine allgemeine Zeiterscheinung ist) und weist auf den sehr empfindlichen Mangel an hebräischer Lektüre hin. Gegenüber der Neigung der alten privaten Kolonisten, ihre Kinder der LandwirtscLaft zu entziehen, glaubt ei bei den modernen Arbeiterkolonisten eine gegenteilige Tendenz konstatieren zu können, die allerdings bei der Jugend dieser erst nur in der Theorie besteht. Auch der Tanz entgeht nicht der aufmerksamen Beobachtung des Autors, der sich über den spontan-primitiven Tanz der Palästinenser gegenüber den aus Europa und Amerika importierten Kunsttänzen freut. Die Horrah ist ihm ein Symbol des Gruppenbewußtseins. Von guter Beobachtung zeugt auch das Kapitel über das Verhältnis von Arabern und Juden zueinander, das die Gefährlichkeit eines gewissen Journalismus, die psychologischen Gründe gewisser Erscheinungen und Feindseligkeiten, Schuld der Verwaltung und dergleichen behandelt. Von besonderem Interesse sind auch seine Ausführungen über das religiöse Leben, über den Prozeß der normalen Fortentwicklung der Religion im Leben des Landes im Gegensatz zu den künstlichen Reformversuchen in der Diaspora. Schließlich ist auch die Frage der Notwendigkeit einer schnellen Entwicklung des Landes und die dazu erforderliche Geldaufbringung Gegenstand der Erörterung.

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