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Palästina · 1929-06-01 · Heft 6 (Juni 1929) · p. Seite 32

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 6 (Juni 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem.
Date
1929-06-01
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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die katholisch-religiösen Energien für eine imperialistische Orientpolitik einzuspannen. Die immer wieder auftauchenden Gerüchte über Italiens Bereitschaft, das Palästina- Mandat zu übernehmen, entbehren gewiß insofern jeder unmittelbaren realen Bedeutung, weil es an Englands entsprechender Bereitschaft fehlt, das Mandat abzugeben — aber sie weisen doch in Richtung eines politischen Willens, der sich in Ägypten und Abessinien schon recht unmittelbar betätigt und Palästina zweifellos in seine Zukunftskombinationen irgendwie einbezogen hat. Mussolini hat in seiner großen Kammerrede vor der Ratifikation des Abkommens mit dem Vatikan auch davon gesprochen, daß die katholische Religion zwar in Jerusalem entstanden, aber erst in Rom zur geistigen Weltmacht geworden sei; wäre sie auf Palästina beschränkt geblieben, so möchte nicht mehr als eine der zahlreichen orientalischen Sekten aus ihr geworden sein. Welchen politischen Sinn hatte dieser merkwürdige Exkurs? Nicht vielleicht den, die Aufmerksamkeit einer Welt von einem Punkte abzulenken, der stärker als je zum Brennpunkt der internationalen Politik wird? Die zweite politische Anekdote, die uns erzählt wurde, kam ebenso drahtlos durch die Lüfte zu uns wie die erwähnten Telegramme, aber doch in sichtbarerer Form: der Zeppelin. Auch Deutschland versucht nunmehr, wenigstens moralisch und wirtschaftlich, da wieder Fuß zu fassen, wo es vor dem Krieg — Berlin-Bagdad! — imperialistische Politik gemacht hat, und der Zeppelin ist ein sehr geeignetes Mittel für dergleichen moralische Eroberungen. Die Engländer haben ihn denn auch mit deutlichem Mißbehagen kommen gesehen und seine Fahrt zunächst ganz zu verhindern gesucht — wie der Papst die des Erzbischofs von Ganterbury — und nicht minder dementiert! und sie haben bis zuletzt gewisse Beschränkungen, vor allem hinsichtlich des Überfliegens Ägyptens und des Suezkanals, aufrechterhalten. Die dafür angegebenen militärischen Gründe mögen weit weniger ausschlaggebend gewesen sein als die lieber verschwiegenen politischen: der zu jeder Art von Opposition geneigte Araber, der in Ägypten heute ostentativ französisch antwortet, wenn man ihn englisch anredet, kann ebenso gut neues Gefallen an Deutschland finden, insbesondere, wenn man ihm auf so phantastisch-hochmoderne Weise entgegenkommt wie mit diesem Gruße aus der Luft. Und auch die Juden, die ja, zum mindesten kulturell, noch viele Sympathien für Deutschland hegen, konnten einen besonderen Höflichkeitsakt des Luftschiffes buchen, der immerhin für die zionismusfreundliche Politik der heutigen deutschen Regierung nicht unsymptomatisch sein dürfte: der Zeppelin erschien gerade am Purimfeste über Tel-Aviv und hätte zu diesem Tage eigens Konfetti mitgebracht, das er abwarf. Zusammen mit S t r e s em a n n s Anwaltschaft für die Minderheiten im Völkerbund, die zwar von der Notlage der deutschen Minderheiten ausgeht, deren Argumentation aber für alle Minoritäten zutrifft und von der jüdischen besonders dankbar empfunden wird, könnten diese Vorgänge den hier sehr starken Eindruck des deutschen Radau- Antisemitismus und seiner Schändungen jiklischer Gräber teilweise in den Hintergrund rücken. Es gehört überhaupt zu den Entwicklungssymptomen Palästinas, daß man nun allmählich anfängt, sich nicht nur von der Diaspora finanziell und in bezug auf die Menschenreserven abhängig zu fühlen, sondern auch eine gewisse politische Verantwortung für die Geschicke der jüdischen Massen im Ausland zu empfinden und zu betätigen. Als ein erstes Zeichen dieser Stimmung mag gelten, daß die palästinensische Presse sowie eine eigens zu diesem Zweck nach Tel-Aviv einberufene Konferenz ihre Stimme mit großer Eindringlichkeit gegen die sowjetrussischen Zionistenverfolgungen sowie gegen die Moskauer Unterdrückung der hebräischen Sprache und

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