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Palästina · 1929-04-01 · Heft 4-5 (April 1929) · p. Seite 66

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 4-5 (April 1929)
Article
Britische Nationalitätenpolitik in den Kolonien
Date
1929-04-01
Page
Seite 66 (sequence 1)
Language
German
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Britische Nationalitätenpolitik in den Kolonien. Die Lösung der Frage der Volksvertretung in Palästina, die wohl bald, wenigstens provisorisch, erfolgen wird, hängt in ihrer Art in weitem Maße von den staatspolitischen Ansichten der maßgebenden englischen Staatsmänner ab. Infolgedessen ist es von "Wichtigkeit, die neueste Entwicklung dieser Ansichten zu studieren, eine Entwicklung, welche die englischen Staatsmänner von dem Glauben abzubringen scheint, daß überall und unter allen Umständen die Übertragung des englischen Parlamentarismus auf Länder verschiedenster Bevölkerungszusammensetzung und Kulturstufe das wichtigste Mittel sei, um dem Volke einen Anteil an der Regierung zu geben und die Interessen aller Teile zu schützen. Ein Beweis für diese Wandlung der Ansichten ist der soeben erschienene Bericht der britischen Ostafrikakommission*) und seine Aufnahme in der englischen Öffentlichkeit. Diese Kommission hatte unter anderem zu untersuchen, „welche Form der Konstitution passend ist für solche Territorien, in welchen Gemeinschaften nicht eingeborener Einwanderer ständig als Siedler vorhanden sind" (S. 7). Speziell galt dies für Kenya, dem nordöstlichen Teil von Britisch-Ostafrika. Hier gibt es rund 12.500 Europäer (von denen nur zirka 2200 Landwirtschaft treiben), 10.500 Araber, 26.800 Indier und 3800 andere Einwanderer, zusammen 53.700 gegenüber 21/2 Millionen Eingeborener, das sind also rund 2% der Bevölkerung. In Kenya entsteht auch, wie der Bericht sagt, das Problem des „armen Weißen", „das überall zu finden ist, wo zwei Rassen mit sehr verschiedenem Standard of life nebeneinander wohnen und in wirtschaftlichen Wettbewerb treten" (S. 24). Auf der Regierung ruhe, sagt der Bericht, eine dreifache Verantwortlichkeit, und zwar a) für die Entwicklung der einheimischen Bevölkerung, b) für die der Hilfsquellen des Landes, c) für die Gemeinschaften der Emigranten, „deren Initiative, Kenntnisse und materielle Mittel nötig sind zur Erfüllung der beiden ersten Aufgaben" (S. 36). Hier, wie in später zu zitierenden Stellen, zeigt sich eine sehr weitgehende Parallele mit Palästina, wenn auch natürlich eine vollständige wegen des besonderen Charakters des Palästinamandates nirgends in der Welt gegeben ist. Die Kommission ist der Ansicht, daß die Regierung eine zweifache Politik (Dual Policy) treiben müsse, das heißt, sie muß „die eingeborenen und die nichteingeborenen Gemeinschaften einer sich gegenseitig ergänzenden Entwicklung zuführen". (The complementary development of native and non-native communities.) Die Einzelheiten einer solchen Politik werden im Bericht nach allen Richtungen hin erörtert: Landzuweisung, Steuern usw., wobei es interessant ist, daß bei aller Anerkennung der unbedingten Pflicht der Regierung, die Ansprüche der Eingeborenen auf Land zu befriedigen, der Bericht zu folgenden Konklusionen kommt (S. 55): a) Das Verhältnis, in dem „fremde" Ansiedlung etabliert wird, sollte sorgsam reguliert werden, so daß nicht untunliche Störungen im wirtschaftlichen Bereiche erfolgen; b) die Qualität der Siedler soll auf einer hohen Stufe gehalten werden. — Den einmal zugelassenen Siedlern soll von der Regierung alle Hilfe geleistet werden, die zu gewähren in ihrer Macht steht. „Soweit als möglich sollen die Ansiedlungszonen und die Eingeboren e n z o n e n in zusammenhängenden Blocks von ge- *) Report of the Gommission on Closer Union of the Dependencies in Eastern and Central Africa, London 1929.

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