Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Bericht aus Palästina
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 65 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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Knesseth Jisrael auszutreten: er aber gerade ist, durch die ihm gemachte Opposition seiner eigenen Kreise, inzwischen eines Besseren belehrt worden und ließ, wenigstens privat, über seine positive Stellung keinen Zweifel. Der (interne) Hauptkampf ging diesmal um die Seele von Raw Kuck, der viel stärker von wirklich religiösen als von politischen Motiven bewegt ist, aber jeder klaren Linie des Handelns ermangelt. Die Problematik der Moderne, die für diesen bedeutenden und einsamen Denker durchaus vorhanden ist, löst sich ihm manchmal in harmonisierendem Optimismus auf, während sie ihn ein anderes Mal ganz in die Abwehrstellung des Orthodoxen alten Schlages zurückdrängt. So läßt sich seine schwankende Haltung erklären, die natürlich von den Propagandisten der Separation weidlich ausgenützt und noch übertrieben wurde. Tatsache ist, daß schließlich nach langen Verhandlungen mit den Vertretern des „Jüdischen Nationalrates44 ein offizieller Aufruf der beiden Oberrabbiner erschien, der in ihrem Namen, wenn auch ohne ihre Unterschriften, und mit manchen Verklausulierungen den Eintritt in die Knesseth Jisrael als eine „heilige Pflicht44 bezeichnete, diese Pflicht aber weniger mit positivem, die Einheit des Volkes und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Kreise hervorhebenden Gründen belegte, als vielmehr mit dem negativen Argument: man könne nur durch Mitarbeit der Orthodoxie den sonst überwiegenden Einfluß der Unfrommen abwehren. Wie man hört, soll selbst dieser Aufruf nur durch erhebliche Zugeständnisse seitens des Waad Leumi zustande gekommen sein, zu denen auch der Verzicht auf das Frauenwahlrecht in den als besonders heilig geltenden Städten Jerusalem, Safed, Hebron und vielleicht auch Tiherias zählen soll. Zweifellos ist, daß die ganze Angelegenheit die autoritative Stellung des Oberrabbinats außerordentlich, auch in den religiösen Kreisen, geschwächt hat; und dies wieder wird selbst von einem Teil der weniger religiösen Kreise des Jischuw bedauert werden müssen, da die ganze Knesseth Jisrael infolge des englischen Einflusses ein stärker religiöses als nationales Gepräge trägt und so die paradoxe Lage entstanden ist, daß einer der Hauptträger dieser Gesamtorganisation des Jischuw, eben das Oberrabbinat, seine eigene Autorität und damit die des ganzen Organismus empfindlich geschwächt hat. Schulpolitik. Auch auf diesem Gebiete, das weniger als irgendein anderes dauernde Erschütterungen vertragen kann, scheinen sich leider gefährliche LJmwäl zuugen vorzubereiten. Die sehr heftigen Diskussionen zwischen den misrachistischeu und den nichtmisrachistischen Lehrern und Eltern spitzen sich immer mehr zu; außerdem hat der Direktor des Erziehungsdepartements der Zionistischen Exekutive Doktor ßerksou in einem, auch von der Presse wiedergegebenen Vortrag das Schulwesen des Misrachi, insbesondere seine Lehrerseminare, einer öffentlichen Kritik unterzogen, deren Berechtigung jedenfalls nicht durch eigene genaue Kenntnis der betreffenden Institute erworben worden ist. Es scheint manchmal so, als ob es einige Führer beider Seiten geradezu auf eine Trennung des religiösen Erziehungswerkes von dem der allgemeinen zionistischen Organisation abgesehen hätten, so daß sich gerade die erbittertsten Gegner, wie so häufig, den Ball zuspielen. Man müßte es aufs tiefste bedauern, wenn die Entwicklung dazu führte, daß auch der Rest von Zusammenhang, der heute noch durch den gemeinsamen Erziehungsrat und durch die gemeinsame organisatorische und zum Teil auch pädagogische Schulauf sieht mit dem Misrachi - Schulwesen besteht, in gleich radikaler Weise verlorenginge, wie dies für die Schulen der Arbeiterschaft bereits der Fall ist. Jedenfalls wird es gut sein, die zionistische Öffentlichkeit auch außerhalb Palästinas auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, damit sie sie durch erhöhte Wachsamkeit und Vorsicht vielleicht noch verhindere.