Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Die Rolle des Keren Kajemeth bei Entwicklung der Haifa-Bay
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 58 (sequence 29)
- Language
- German
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den Mangel an Voraussicht und die unzureichende Planung in unserer früheren Kolonisationspolitik. Während der vergangenen 40 bis 50 Jahre unseres Kolonisationswerkes in Palästina, und insbesondere während der letzten 10 Jahre, in denen es einen viel intensiveren Charakter angenommen hat als vorher^ gingen wir sozusagen täglich mit geschlossenen Augen an diesen Ländereien vorbei, ohne ihre unvergleichlichen Möglichkeiten zu sehen; wir standen untätig abseits, während Millionen von Hektolitern Wassers aus den dort vorhandenen zahlreichen Quellen und Flüssen ungenützt abliefen, indes in der Nähe zehntausende Dimam Landes wegen mangelnder Bewässerung brachlagen; wir waren blind gegenüber den glänzenden Möglichkeiten, welche diese Ebene für die industrielle Entwicklung des Landes bot, wir sahen in den Terrains nichts anderes als die sandigen, öden und verpestenden Sümpfe, die sie zu sein schienen. Aber plötzlich trat eine Änderung ein. Der verborgene Wert dieser Gegend wurde unseren Augen wie durch einen Zauber enthüllt, und heute sprechen wir von diesen Ländereien als dem „Schlüssel von Palästinas Zukunft", oder nennen sie „die goldene Eingangspforte zu dem mittleren Osten". Der Luftweg Haifa—Indien, die Damaskus-Mittelmeerbahn, die Ölröhrenlinie durch die Wüste — all das sind heute jedermann vertraute Begriffe geworden, und die Zukunft des Haifa-Akkotales wird in den glänzendsten Farben geschildert. Der Schreiber dieser Zeilen will durchaus nicht an der Wahrheit dieser optimistischen Prophezeiungen zweifeln, auch möchte er in keiner Weise die seit kurzem aufgeflammte Begeisterung dämpfen, er setzt im Gegenteil vollen Glauben in die gemachten Vorhersagen. Aber er fühlt, daß hier eine gewisse Gefahr liegt: daß wir nämlich, eingeschläfert durch den Chorus der Begeisterung des Volkes, vergessen, daß unsere Hoffnungen sich nicht erfüllen werden, wenn wir nicht mit klarem Urteil und Voraussicht an das vor uns liegende Problem herantreten werden, und wenn, während wir ein allzu großes Vertrauen in die Möglichkeiten dieser Gegend und den in ihr liegenden Wert setzen, die gegenwärtige Entwickelung von Haifa systematisch gegen unsere Interessen geplant und ausgeführt wird. Alle, welche mit der Geschichte der Erschließung neuer Gebiete in verschiedenen Ländern und dem schnellen Wachstum großer städtischer Zentren vertraut sind, wissen wohl, daß, trotzdem in den meisten Fällen der Fortschritt dem Vorhandensein „objektiver" günstiger Umstände zu verdanken war, nichtsdestoweniger oft äußere Faktoren und „subjektive" Gründe einen viel größeren Einfluß als jene auf ihn gehabt haben. Der Autor dieses Artikels hat in Amerika Gelegenheit gehabt,