Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1929)
- Article
- Haifa und seine ökonomische Bedeutung
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
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Auch die Lehrerschaft des Technikums, die von ihrem Beruf die idealste Auffassung hat, ist, da sie sich nur aus Akademikern zusammensetzt, gar nicht in der Lage, technischen Mittelschulunterricht zu geben, wenn sie ihr Bestes geben will. So ergab es sich geradezu zwangsläufig, daß der Unterricht ein akademischer wurde, und obgleich der Charakter der Anstalt von der Zionistischen Organisation als Hochschule noch nicht amtlich festgelegt worden ist, entsprechen Lehrplan und Leistungen denen einer europäischen Hochschule. Nur dieses Programm bewegt die jungen Leute aus Osteuropa und Palästina, das Technikum in Haifa zu besuchen. Ein Zurückschrauben der Anstalt auf ein niedrigeres Niveau würde den Niedergang und Untergang der Anstalt bedeuten. Die Aufnahmebedingungen für das Technikum sind so verschärft worden, wie sie von einer Hochschule verlangt werden müssen und entsprechen den Bedingungen, die zur Zulassung an eine englische Universität erforderlich sind, das heißt Reifezeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums. Das Technikum in Haifa hat zurzeit zwei Abteihmge'n: Architektur und Bauingenieurwesen. Es fehlen noch die Abteilungen für Maschinenbau und Elektrotechnik. Es fehlt noch besonders ein Laboratorium für Baumaterialienprüfung. Erst das Vorhandensein dieses Laboratoriums würde das Technikum zum wahren Zentrum des technischen Lebens in Palästina machen. Eine ständige Ausstellung der Arbeiten der Studenten zeigt dem Publikum den Standard der Anstalt. Es ist als großer Erfolg der jungen Hochschule zu buchen, daß die Regierung ihr großes Interesse am Technikum dadurch bewiesen hat, daß sie die Aufgaben für die Diplomarbeiten prüfte und zur mündlichen Prüfung zwei höhere technische Beamte als Kommissare abordnete, die nicht nur den Gcsamtverlauf der Prüfung überwachten, sondern auch vielfach persönlich in die Prüfung eingriffen. Man kann überzeugt sein, daß das Technikum durch die Verleihung des Diploms für die Zukunft eine noch größere Anziehungskraft für die jüdische Jugend, die sich technischen Berufen hingeben will, erhalten hat, und es wird nicht mehr nötig sein, daß die Jugend Palästinas zum technischen Studium ins Ausland fährt. Man hört noch mancherlei Zweifel, ob unser kleines Land imstande sein wird, den Diplomingenieuren und Architekten des Technikums Arbeit und Verdienstmöglichkeiten zu geben. Andere sagen, es kämen so viele fertige Architekten und Ingenieure ins Land, daß sie allein für die Bedürfnisse des Landes genügten, ja sogar nicht einmal alle Arbeit gefunden hätten. Das ist für die Zeit wirtschaftlicher Depression zweifellos richtig. Aber die Entwicklung Palästinas, die wir von Tag zu Tag sich entfalten sehen, muß und wird diese Verhältnisse allmählich