Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Die Versorgung der Juden Palästinas mit Spitälern und Polikliniken
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 17)
- Language
- German
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32 — mit Zustimmung Londons —- eine sehr abfällige Kritik der Hadassah- und Kupat Cholim-Tätigkeit beifügte. Auch die Experten der amerikanischen Joint Survey Commission, Prof- Rosenau und Dr. Wilensky, haben auf Grund eines Vergleiches mit den gewiß nicht billigen amerikanischen Spitälern gefunden, daß jeder Zweig der Hadassah verbilligungs- oder reformbedürftig ist. Eine medizinisch-sachverständige, die Landesverhältnisse und Bedürfnisse berücksichtigende Leitung könnte einen sehr namhaften Bruchteil des Hadassah-Budgets — auch ohne Einschränkung des Wirkungskreises — ersparen und könnten diese Summen sowohl zum notwendigen Ausbau der Spitäler wie zum dringenden Aufbau gewisser Fürsorgezweige verwendet und anderen kolonisatorischen Zwecken zugeführt werden. Ueberdies ist jedoch wesentliche Einschränkung der ambulatori sehen Tätigkeit zugunsten der Krankenkasse notwendig, wodurch weitere Summen erspart werden können. Die Krankenkasse hat bis zum Jahre 1926 (sieh« vorletzte Tabelle) ihr Budget von Jahr zu Jahr vergrößert, wobei die Ausgaben pro Mitglied gesunken sind. Pro Mitglied gab die Kasse aus: im Jahre 1922 4 Pfund 86 Piaster, im Jahre 1923 4 Pfund 27, im Jahre 1924 4 Pfund 3. im Tahre 1925 3 Pfund 75 und im Jahre 1926 3 Pfund 95. In diesen Beträgen sind die Kosten der unentgeltlich von der Hadassah erhaltenen medizinischen Hilfe nicht eingerechnet. Diese machten z. B. im Jahre 1926 rund 1 Pfund 35 Piaster pro Mitglied aus. Die finanzielle Gebarimg der Kasse führte anfangs 1927 zu einer eingehenden Untersuchung und in weiterer Folge zu Reformen in Verwaltung, Administration und der medizinischen Tätigkeit, die sich in einer wesentlichen Verbilligung des Betriebes auswirkten. Das jetzt zu Ende gehende Budgetjahr 1927/28 wird um rund 10,000 Pfund weniger kosten als das Jahr 1925/26, wobei noch namhafte Summen zur Deckung von mit dem laufenden Betriebsjahre nicht zusammenhängenden Ausgaben (Schulden) verwendet werden konnten. Das Optimum an Oekonomie, an Rationalität wie Güte des medizinischen und administrativen Betriebes ist noch lange nicht erreicht. Mit Geduld und Energie können jedoch die jetzigen Fehler, Reste der Kinderkrankheiten, für die zum großen Teil auch die Zionistische Exekutive verantwortlich ist, überwunden werden. Die Krisenjahre, die Palästina und die Kasse durchmachten, zeigten, daß die Kupat Cholim trotz zahlreicher Fehler, der Weg ist, auf dem die Zionistische Organisation ihre medizinische Tätigkeit ausbauen sollte. An ein Fallenlassen der Kasse — mit welchem Gedanken maßgebende Faktoren in Hinblick auf die Hadassah-Bestrebungen immer wiedekokettierten — ist nicht zu denken- Stärkung der Tendenzen zur Selbstversorgung und Selbstverwaltung, planvolle und systematische Einschränkung jener Formen medizinischer Tätigkeit, die das Land in Abhängigkeit von außen halten, rein fachmännische Gesichtspunkte in der Tätigkeit, für die praktische Befriedigung der wirklichen Bedürfnisse, aber nicht propagandistische Zwecke maßgebend sein dürfen, Oekonomie in jedem Zweige der ambulatorischen wie Spitalsarbeit, Heranziehung der Regierung, dies müssen fortan die Richtlinien sein für die jüdische Medizinalpolitik in Palästina.