Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Die Versorgung der Juden Palästinas mit Spitälern und Polikliniken
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 16)
- Language
- German
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31 Wir sehen somit, daß das Budget der Hadassah schon einmal namhafte Kürzungen erfahren hat, ohne daß der Umfang der praktischen Arbeit gelitten hätte. Des weiteren zeigen die beiden letzten Tabellen, daß das Budget der Hadassah nicht nach der Größe und den Bedürfnissen der Bevölkerung, nicht nach dem Kreise der zu Versorgenden und deren finanzieller Tragfähigkeit, sondern nach anderen Momenten sich richtet. Es richtet sich nach den Summen, die in Amerika (Zionistische Landesorganisation, Zionistische Frauenorganisation Hadassah, Joint Distribution Com, etc.) aufzutreiben bezw. aus zionistischem Zentralfonds (Keren Hajessod) zu erhalten sind; es richtet sich nach der jeweiligen Machtstellung der Hadassah innerhalb der zionistischen Organisation. Nur ein kleiner Bruchteil des Hadassah-Budgets stammt aus den Taschen der die medizinisch« Hilfe Beanspruchenden, bezw. deren Vertretungen (Gemeinden, Vereine). Vor der oben erwähnten Hadassah-Krise (im Jahre 1923) brachte die Hadassah in steigender Linie bis 14.400 Pfund (im Jahre 1922) von Patienten und Ortsverwaltungen auf. Im Jahre 1926 waren es trotz der inzwischen stark angewachsenen Bevölkerung nur 19.400 Pfund, womit einstweilen das Maximum erreicht war, denn diese Summe zeigt seither fallende Tendenz. Bezüglich der Geldaufbringung im Lande ist die Hadassah dem viel kleineren Unternehmen, der Kupat Cholim, nicht gewachsen. Obwohl es in Palästina keine Versicherungspflicht gibt, bringt die Krankenkasse rund zwei Drittel ihrer finanziellen Ausgaben, und wenn wir die unentgeltlichen Zuwendungen der Hadassah mitrechnen (etwa 35.000 Krankentage in den Hadassah-Spitälern) etwa 50% der Gesamtkosten durch Beiträge der Versicherten bezw. der Arbeitgeber auf. Die seit jeher beträchtliche, seit dem Jahre 1927 vollständige Unabhängigkeit der Hadassah von Palästina bezw. den Landesfaktoren, wirkt sich jedoch nicht nur in einer geringen Beteiligung des Landes an den Ausgaben aus, was vom Standpunkt der Erziehung des Volkes zur Selbstsorge und Selbstverwaltung jedenfalls bedauerlich ist. Die zweite, nachteilige Folge ist, daß es in Palästina an verantwortlicher Stelle keine Stelle gibt, die die medizinischen Gelder nach der Dringlichkeit der Aufgabe verteilt. Die Abhängigkeit von New York statt von der Zionistischen Exekutive in Jerusalem hat auch nicht zu Oekonomie in der Verausgabung des Geldes und zur Rationalisierung des Betriebes erzogen oder geführt. Die Hadassah-Betriebe leiden unter deren Mangel noch viel mehr als die anderen palästinensischen Unternehmungen. Sie sind die teuersten im Lande1), ohne daß der Preisunterschied in der Qualität geleisteter Arbeit ein auch nur halbwegs entsprechendes Aequivalent finden oder durch diese beansprucht werden würde. Ja trotz Verteuerung der Hadassah-Arbeit in den letzten Jahren hat das Niveau der medizinischen Tätigkeit der Hadassah viel eingebüßt und trotz der hohen Gehälter klingt der gleichwertige Ersatz ausgeschiedener Kräfte nicht; von Gewinnung hochqualifizierter Kräfte aus Europa ist nicht mehr zu sprechen. So kam es, daß die Hadassah stets Gegenstand heftiger, zum Teil auch gehässiger Kritik in Palästina ist, daß z. B. die Regierung im Sommer 1927 auf eine Eingabe der Zionistischen Exekutive um Beteiligung an den medizinischen Ausgaben der zionistischen Institutionen ihrem negativen Bescheid M Näheres s. S. Peller „Das Budget etc____" in bebr. Vierteljahresschrift „Briuth Haas»'*. Bd. L, H. 3. Jerusalem 1926.