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Palästina · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem.
Date
1929-01-01
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
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zionistische Schulen verschiedenen Schultyps, sondern Schulen der Fraktionen*). Es ist ungefähr so, wie wenn in Deutschland die verschiedenen politischen Fraktionen statt im Parlament für ihre Schulforderungen zu kämpfen, ihre eigenen Schulen hätten: Schulen des Zentrums, Schulen der Sozialdemokratie usw. Unsere, religiöse Fraktion, statt für die Durchdringung des ganzen Schulwesens mit religiösem Geist, mit religiösen Lehrern, zu kämpfen, entzieht die religiösen Lehrer den allgemeinen Schulen. Daß in einzelnen Fällen der Misrachi-Schulinspektor bereit ist, religiöse Lehrer in allgemeine Schulen „abzugeben", beweist natürlich nichts; im Prinzip sind die religiösen Lehrer in ihren Schulen konzentriert und berauben sich dadurch ihres Einflusses, und unsere religiöse Fraktion ist desinteressiert an dem Schicksal der allgemeinen Schulen. E. M. Lipschütz, der Leiter des Lehrerseminars des Misrachi, hat in einer Konferenz über die Erziehungspolitik des Misrachi wichtige Worte gesagt: „Wir wollen das Lehrziel, welches die jüdische Schule in allen Generationen erreicht hat, mit neuen Mitteln erreichen, entsprechend den Anforderungen unserer Generation. Unsere achtklassige Volksschule erreicht die Kenntnis der Thora mit Raschi. Unsere Schule lehrt viel Talmud, ohne die allgemeinen Fächer zu vernachlässigen. In zehn Wochenstunden Talmud erreicht man durch moderne Mittel, was man in Chcder durch ganztägigen Talmudunterricht erzielt hat." Wir müssen aber fragen: Ist es dem Misrachi gleichgültig, daß Kinder* welche nicht in seinen Schulen lernen, als Ignoranten aufwachsen? Warum macht er sein Lehrziel zum Privileg einer Partei und kämpft nicht für die Vermehrung von Talmudlehrstunden in den allgemeinen Schulen? Und ebenso nach links: Die Arbeiterschaft hat zweifellos kein eigenes Schulprogramm, das sie zwingen würde, sich zu separieren. Sie hat gewisse pädagogische Forderungen, wie die Arbeitsschule, für die sie kämpfen — sollte. Tatsächlich aber kämpft sie nicht für die Durchsetzung ihrer pädagogischen Forderungen in den allgemeinen Schulen, sondern für ein Budget zur Erhaltung ihrer eigenen Schulen. Das Resultat ist natürlich ein bedauerliches Desinteressement der Arbeiterschaft an allgemeinen Schulfragen, und während z. B. in England die Arbeiterpartei ein äußerst wichtiger Faktor in der Beeinflussung der allgemeinen Schulpolitik des Landes wurde, schaltet sich die Arbeiterschaft bei uns selbst aus. Der Schulstreit in Sichron Jakob sollte Anlaß sein, das ganze Problem der Organisation unseres Schulwesens nochmals durchzudenken. Die Exekutive hat in diesem Falle eine Festigkeit gezeigt, die überaus anerkennenswert ist und die auch zu einem guten Ende geführt hat: Die Kolonie erhielt religiös eingestellte Lehrer, die Exekutive aber wich nicht vor dem angedrohten Terror zurück und setzte durch, daß der Boykott ihrer Schule aufgehoben wurde. Es wäre an der Zeit, daß alle diejenigen, welche um das Schicksal unseres Schulwesens besorgt sind, diesen Kampf für die Zentralisierung der Schulen weiterführen. Dies bedeutet nicht, daß ein Schultypus herrschend wird. Allgemeine, religiöse und Arbeitsschulen sollen bleiben (obzwar sich die Typen an sich gar nicht widersprechen). Aber nicht die Fraktionen, sondern die Exekutive soll sie leiten. Die Fraktionen sollen um ihr Schulprogramm in der Organisation kämpfen. Das wird der zionistischen Organisation Leben und Inhalt geben, die Schule in den Mittelpunkt des Interesses stellen. Die Vernünftigen in allen Lagern beginnen die Richtigkeit dieser Forderung einzusehen. Nur das Prestige der Parteien steht einer gesunden Reform unseres Schulwesens hindernd im Wege. *J Siehe darüber auch die Kritik von Dr. Menasche ben Ephraim, Nr. 8/10, Seite 383. ■— Die Red.

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