Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Die Steuerlast auf den Konsum in Palästina
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 7)
- Language
- German
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haben, durch einen kühnen Eingriff die gewaltigen Unterschiede in der Lebenshaltung der verschiedenen Bevölkerungsschichten in der Richtung des Ausgleichs zu beeinflussen. Es ist wohl ein Gemeinplatz, daß die indirekten Steuern die ärmeren Schichten bedrücken, für den Vermögenden aber am günstigsten sind. Die Finanzpolitik der Regierung ist durch die Tatsache gekennzeichnet, daß der prozentuale Anteil der Zolleinnahmen an Gesamteinnahmen der Regierung ungewöhnlich groß ist. Er beträgt 38.7%, also das Mehrfache dessen, was in europäischen Ländern üblich ist (England 13%, Deutschland 8%). Es bedarf hier keiner Auseinandersetzung des Unterschiedes zwischen proportionaler und progressiver Steuer. Die Belastung im Lande ist aber nicht einmal proportional. Bei einem Budget von £ 30.— monatlich wird der geleistete Betrag keinesfalls £ 1.90 betragen (6.3%), da der für die notwendigsten Bedarfsgegenstände (die am schwersten verzollt sind) verausgabte Teil des Einkommens relativ fallen wird. Die Verbrauchssteuer der palästinensischen Regierung fällt relativ bei steigendem Einkommen. Es ist aber klar, daß zu gleicher Zeit bei steigendem Einkommen nicht nur der absolute Betrag, sondern auch der Prozentsatz der für die Regierungssteuer entbehrlichen Mittel steigt. Selbstverständlich läßt sich aber die Progressivsteuer nicht durch Verbrauchssteuern verwirklichen. Zweifellos hat aber diese Politik der Belastung der nicht vermögenden und wenig leistungsfähigen Schichten der Bevölkerung eine allgemeine Bedeutung für die Entwicklung des Landes, die weit über die Interessen dieser Schichten selbst hinausgeht. Durch diese Politik wird: a) die Kaufkraft der Bevölkerung geschwächt und der innere Markt für die Industrie verkleinert; b) der Reallohn der Arbeiterschaft bei gleichbleibenden Nominallöhnen gedrückt; c) die Verwurzelung größerer Arbeitermassen im Lande erschwert. Eine solche Politik kann der Kolonialtendenz im Lande gegenüber der Kolonisationstendenz ein großes und künstliches Übergewicht verleihen. Der erste Bericht des Währuiigskomitees. Von S. Hoofien, leitender Direktor der Anglo Palestine Cy, Jaffa. Das Währungskomitee (Palestine Currency Board) hat soeben mit etwas reichlicher Verspätung seinen ersten Bericht erstattet. Man darf wohl hoffen, daß die künftigen Berichte rechtzeitiger erscheinen werden.