Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 518 (sequence 4)
- Language
- German
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518 geschlossen. So müssen denn alle Arbeitsmöglichkeiten in den jüdischen Wirtschaften in Dorf und Stadt erobert werden. Im Zusammenhang damit ist die Frage der jüdischen Fflückarbeit in den Kolonien sehr aktuell geworden. In den Kolonien sind gegenwärtig zirka 6000 jüdische Arbeiter konzentriert und diese Zahl könnte noch bedeutend vergrößert werden, wenn es gelingen sollte, die Erscheinung der arabischen Saisonarbeit zu verdrängen. Doch sind gerade auf diesem Gebiete besonders große Schwierigkeiten zu überwinden. Die traurigen Ereignisse in Petach-Tikwah im vorigen Jahr scheinen, was die Kolonisten betrifft, ohne tiefere Spuren vorbeigegangen zu sein. Die Pflücksaison hat bereits begonnen und doch ist die Zahl der dabei beschäftigten jüdischen Arbeiter eine minimale, selbst in denjenigen Orangengärten, deren Ernte nicht an die arabischen Händler verkauft worden ist, wo also die Pflückarbeit durch die Kolonisten in eigener Regie durchgeführt wird. Es wird also eines erneuten Ansturms der jüdischen öffentlichen Meinung im Lande bedürfen, um die Kolonisten an ihre Pflichten in dieser Beziehung zu erinnern. Andererseits sind zur Unterbringung von Arbeitern in den Kolonien, insbesondere aber zur Unterbringung der aus den Städten in die Kolonien hinüberziehenden Arbeitslosen ziemlich bedeutende Geldmittel notwendig, die gegenwärtig kaum zu erschwingen sind. Ein Vorschlag des Jaffaer Arbeiterrats, einen Teil der Schuld der Stadtgemeinde von Tel-Aviv an die Zionistische Exekutive im Betrag von 5000 Pfund zur Unterbringung von 300 Arbeitslosen aus Tel-Aviv in Petach-Tikwah zu verwenden, wobei das Budget der Exekutive nicht in Anspruch genommen würde, wurde von der Zionistischen Exekutive nach anfänglichem Zögern doch abschlägig beschieden. Es wird also der Schwierigkeiten in dieser Beziehung noch, ^enug geben. Auch das Problem der Arbeit in den Städten gestaltet sich vorläufig sehr schwer. Es unterliegt keinem Zweifel, daß im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Wiederauflebung auch die Baubewegung in den Städten steigen wird. Vorläufig ist indes die Lage auf dem Baumarkt noch immer sehr schwer. Die Kader der qualifizierten Bauarbeiter, die noch vor wenigen Jahren einen bedeutenden Teil der palästinensischen Arbeiter ausmachten (Ende 1926 über 1500 bloß in den drei Städten Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa), sind heute ganz bedeutend zusammengeschmolzen (ein Teil der Arbeiter ging zu anderer Arbeit über, ein Teil wanderte aus dem Lande aus), aber auch die übrig gebliebenen kämpfen schwer um ihre Existenz. Auf dem privaten Arbeitsmarkt, der der Kontrolle der Arbeitsämter der Histadruth fast ganz entzogen ist und wo die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Arbeitergruppen oft genugscharfe Formen annimmt, ist die (Lage eine besonders schwere. Die Löhne sind in den letzten Jahren bedeutend gesunken, der achtstündige Arbeitstag gehört dort nunmehr zur Vergangenheit. Es wird also auf diesem Gebiet einer großen Anstrengung bedürfen, um in die verwahrlosten Arbeits- und Lohnbedingungen mehr Ordnung hereinzubringen. In diesen zwei Richtungen.' Eroberung von neuen Arbeitsgebieten in der jüdischen Wirtschaft im Lande und Besserung der oft unerträglich gewordenen Arbeitsbedingungen werden die Bemühungen der Arbeitsämter der Histadruth in den nächsten Monaten gerichtet sein müssen. Nachrichten und Daten. (Abgeschlossen am 25. November.Ji Politik. Die Fragen des Mandates vor dem Plenum des Völkerbundes. (Vorbemerkung der Redaktion. Infolge verschiedener Anfragen an die Redaktion, teilen wir mit, daß wir die Angelegenheiten des Palästina-Mandates, wie z. B. die Verhandlungen vor dem Völkerbund darüber, stets unter dem Titel „Jewish Agency" bringen. Dagegen reihen wir die Fragen der allgemeinen Völkerbundverfassung, so auch jene über Mandate überhaupt, unter ,.Politik" ein.) Auf der Plenarversammlung des Völkerbundes vom 18. September erstattete der Vertreter Portugals, Graf de Penha Garcia, den Bericht der sechsten Kommission, der von der Vollversammlung einstimmig zur Kenntnis genommen* wurde. In dem Bericht heißt es: Die sechste Kommission hat die [Berichte und Protokolle betreffs der Ausführung der Bestimmungen von Art. 22 des Völkerbundvertrages in den Mandatsgebieten während der Zeit seit der letzten Tagung der Völkerbundsversammlung geprüft. Sie hat die Arbeiten des Rates, der permanenten Mandatskommission und der Mandatssektion des Sekretariates vollauf gewürdigt und die Unparteilichkeit und den Bonsens, die bei diesen Arbeiten) zu Tage traten, zu schätzen gewußt. Es ist in der Tat der Einsicht der Mandatskommission und der Klugheit des Rates gelungen, viele Schwierigkeiten zu überwinden, die die vollkommen neue Anwendung des Regimes der Mandate