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Palästina · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 516

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz.
Date
1928-11-01
Page
Seite 516 (sequence 2)
Language
German
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516 die unbedingte Vorherrschaft hat und sich die Klassengegensätze oft scharf zuspitzen, der vielleicht zu große und seinen Aufgaben trotzdem nicht immer ganz gewachsene Apparat der Histadruth, die (insbesondere psychologisch wichtigen) Nachklänge der schweren Krise der letzten Jahre und der auch jetzt noch sehr schwere Kampf um Arbeit, haben eine innere Gärung in der Histadruth hervorgerufen, deren Folgen für die Arbeiterbewegung verhängnisvoll werden können, wenn nicht mancher negativen Erscheinung rasch und entschieden vorgebeugt wird. So ist denn ein erneutes Eingreifen des Hapoel Hazair notwendig geworden. Doch sind die Meinungen in der Partei sehr geteilt. Es fehlt nämlich nicht an entschiedenen Gegnern des gegenwärtigen Kurses der Histadruth, die insbesondere eine Gefährdung der nationalen Ideologie der Arbeiterschaft befürchten. Dieser Gegensatz der Anschauungen trifft also mit den inneren Kämpfen um die Parteiideologie zusammen, wo sich ein Teil der Bewegung noch immer einem Klassencharakter derselben entschieden widersetzt und ihren allgemeinen Volkscharakter scharf unterstreicht. Die Parteiberatung sollte nunmehr die ideologischen und taktischen Richtlinien der Partei von neuem festsetzen. Sie hat dieses Ziel im großen und ganzen erreicht. Die tiefe (allerdings wegen der Kürze der Zeit nicht sehr gründliche) Aussprache, die nunmehr erfolgen konnte, zeigte klar, daß die Anhänger des »alten Kurses« in der Partei nunmehr in der Minorität geblieben sind und so mancher alte Veteran der durch den Gang der Ereignisse wohl unvermeidlich gewordenen pntwicklung der Bewegung gefolgt ist, die durch fast die ganze »junge Generation« der dritten Alijah ganz entschieden bejaht wird. So wurde denn auch trotz vieler gegenteiligen Meinungsäußerungen und trotz manchen Vorbehalts schließlich durch die Mehrheit der Teilnehmer die bedingungslose Anhänglichkeit an die Histadruth (Allgemeine Arbeiterorganisation) und die Fortsetzung der Bemühungen um Gesundung und Stärkung ihrer Grundlagen proklamiert. In diesem Sinne bedeutet diese Parteiberatung des Hapoel Hazair wohl tatsächlich einen Wendepunkt in der Geschichte der Partei und wird das ihrige dazu beitragen, die Einigungsbestrebungen im Lager der Arbeiterschaft, die bisher an zahlreichen, zumeist äußerlichen Hindernissen gescheitert sind, zu stärken und den durch die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft ersehnten ^Erfolg zustandebringen. 2. Der Wahlkampf in Tel-Aviv. Die letzten Ereignisse im politischen Leben von Tel-Aviv haben eine weit über die lokalen Grenzen der Stadt hinausgehende Bedeutung erlangt und konzentrieren gegenwärtig um sich im stärksten Maße die Aufmerksamkeit des ganzen Jischuw. Es spielt sich ein ausgesprochener Klassenkampf zwischen der Arbeiterschaft einerseits und den nunmehr (wenigstens momentan) geeinigten verschiedenen rechten Gruppierungen in der Stadt afo. Der Kampf selbst ist allerdings keine neue Erscheinung. Der gegenwärtige Stadtrat von Tel-Aviv, dessen Mandat nunmehr zu Ende geht und der selbst nach einem äußerst scharfen Zusammenprall von Klasseninteressen nach Ausscheiden der extremen rechten Elemente gewählt worden ist, hat die an seine Wahl geknüpften Hoffnungen keineswegs erfüllt, artete vielmehr immer mehr in eine Tribüne von wenig erbauenden Kämpfen zwischen den Arbeitervertretern einerseits und dem bürgerlichen Block andererseits aus, deren Kräfte im Stadtrat fast gleich waren. (Siehe auch Rubrik »Nachrichten und Daten«. — Die Red.) Die Aufoktroyierung eines neuen Gemeindestatuts durch die Landesregierung, das die Zahl der Mitglieder des Stadtrats bedeutend herabsetzte (bisher 41, nunmehr höchstens 15) und darüber hinaus sowohl das aktive als auch das passive Wahlrecht an einen Steuerzensus knüpfte und dadurch die Zahl der Wähler ziemlich bedeutend herabsetzte (bei den letzten Wahlen zirka 14.000, jetzt trotz aller Bemühungen nicht viel mehr als 12.000), wurde daher trotz der offenkundigen Vergewaltigung der Autonomie der Stadt von der Bevölkerung mit. geteilten Gefühlen aufgenommen. Die durch die Arbeiterschaft inaugurierte scharfe Protestbewegung machten die extrem rechten Elemente in der Stadt gar nicht und die übrigen nur zögernd mit. Dieselbe Erscheinung wiederholte sich, als der Gouverneur von Jaffa die Liste der vom Stadtrat gewählten Mitglieder der Wahlkommission eigenmächtig änderte und zwei Mitglieder (einen Vertreter der Arbeiterschaft und einen Revisionisten) einfach strich. Den vorangehenden Beschluß des Stadtrats, daß in einem derartigen Falle alle gewählten Mitglieder der Kommission ihre Mandate niederzulegen haben, führte außer der Vertreterin der Histadruth kein einziges Mitglied der Kommission aus und lediglich dem entschiedenen Vorgehen der Vertreter der Arbeiterschaft ist es zu verdanken, daß der Gouverneur schließlich seinen eigenen Beschluß annullierte und die Kommission in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung bestätigte. Indessen nahm die Kommission, in der die Arbeitervertreter nur eine Minderheit (4 von 10) ausmachen, ihre Tätigkeit auf, erklärte ihre Beratungen für geheim, setzte die Zahl der Mitglieder des Stadtrais auf 12 (also noch weniger, als es die Regierung verlangt) herab und ging in ihrer ausgesprochenen Gegnerschaft zu den Arbeitern so weit, daß

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