Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Zukunft des palästinensischen Orangenexports
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 515 (sequence 4)
- Language
- German
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515 die Tschechoslowakei Ersatz dafür finden, und hat deshalb Versuche mit spanischen Orangen gemacht. Es werden jetzt schon ziemliche Quantitäten spanischer Orangen eingeführt, die aber nicht ganz dem Geschmack der Bevölkerung entsprechen, da die Feinheit, die die italienische Orange hat, der spanischen fehlt. Deshalb, wenn auch nicht in großen Quantitäten, hat die Tschechoslowakei schon palästinensische Orangen eingeführt. Leider waren es nicht die besten 'Sortierungen, die nach der Tschechoslowakei gegangen sind. Vielmehr hat die Tschechoslowakei in Frage der Sortierung und Qualität der palästinensischen Orange eine große Enttäuschung erlebt. Das liegt aber nicht an der Orange, sondern an der Behandlung derselben, das heißt, an der Sortierung und Verpackung. Das ist ein Kapitel für sich, über das es sich auszusprechen lohnt und behalte ich mir vor, darüber an anderer Stelle zu sprechen. Dieses alles ebnet den Weg für die Jaffa-Orange und wenn die Jaffa-Orange an Stelle der italienischen für die weiterliegenden Länder eintreten soll, so ist das zehnfache Quantum von dem, was wir heute haben, nicht groß genug, um selbst die heutigen Preise wesentlich zu beeinflussen. Es ist nicht richtig, wenn man die Behauptung aufstellt, daß die Rentabilität des Orangenbaues mit der Aufnahmefähigkeit des englischen Marktes steht und fällt. Wir sehen vielmehr, daß außer England auch andere Länder für palästinensische Orangen aufgeschlossen werden können, und es ist Aufgabe der hiesigen Exporteure, noch weitere Märkte zu suchen. Zwei so bedeutende (Märkte wie Polen und Oesterreich, haben bis heute so gut wie gar keine palästinensischen Orangen eingeführt. In Polen bestehen heute noch Schwierigkeiten äußerer Art: die Einfuhrerlaubnisse werden infolge bestehender Handelsverträge nur für italienische Orangen erteilt. Dieser Zustand wird aber nicht immer dauern. Oesterreich hat bis heute hauptsächlich italienische Orangen per Waggon importiert. Es besteht aber jetzt schon die Möglichkeit, infolge des neuen Abkommens mit Italien auf Transitwege via Triest nach Oesterreich palästinensische Orangen zu placieren. Allerdings im Anfange nicht in großen Men\gen. Es ist noch zu erwähnen, daß auch Rußland bis jetzt für palästinensische Orangen geschlössen ist, wogegen vor dem Kriege Rußland die Hauptmenge der palästinensischen Orangen aufgenommen hat. Wenin man dies alles in Betracht zieht, so glaube ich, daß keine Befürchtung besteht, daß die Produktion der Jaffa-Orangen zu groß wird, selbst bei der Annahme, daß sämtliche 230.000 Dunam, die nach Ansicht der Sachverständigen in Palästina mit Orangen bebaut werden könnten, tatsächlich voll bepflanzt werden sollten. Arbeiterbewegung. Von Dr. A. Tartakower, Lodz. 1. Die innere Entwicklung des Hapoel Hazair. Die Parteiberatung des Hapoel Hazair, die am 4. Oktober d. J. in Tel-Aviv zusammentrat, stellt ein bedeutsames Ereignis nicht nur in der Geschichte der Partei als solchen, sondern auch in der inneren Entwicklung der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina überhaupt vor. Die Partei Hapoel Hazair, eine der eigenartigsten Erscheinungen im Leben des neuen Jischuw, die aus einer radikalen nationalen Einstellung des überwiegenden Teiles der zweiten Alijah in den Jahren 1905—06 erwachsen war und eine Bewegung des zur Arbeit strebenden Volkes darstellen sollte, hat im Laufe ihrer nunmehr fast 25 jährigen Geschichte, insbesondere aber in den letzten paar Jahren eine innere Entwicklung durchgemacht, die sie immer mehr zu einer Arbeiterpartei im engeren Sinne des Wortes umbildete. Doch lebt in der Partei, die vor dem Weltkrieg den nicht nur ideologisch, sondern auch zahlenmäßig stärksten Faktor in der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande darstellte, heute aber, was die Zahl ihrer Mitglieder und Anhänger betrifft, nur eine (allerdings noch immer ziemlich starke) Minorität ausmacht, die alte große Tradition der nationalen Verantwortlichkeit noch ungeschwächt fort und offenbart sich in allen schweren Momenten in der Geschichte der Arbeiterbewegung im Lande. An einer aktiven Anteilnahme an der Leitung der Agenden der Histadruth durch die ausgesprochene Tendenz zur Alleinherrschaft der heute stärksten Partei im Lande, der Achdut-Haavode, gehindert, hat der Hapoel Hazair im Laufe der letzten Jahre die Rolle des (wohl einzigen) verantwortungsvollen Kritikers in der Bewegung gespielt und manche durch den stürmischen Gang der Ereignisse innerhalb der Arbeiterbewegung drohende Entgleisung verhindert. Auch jelzt hat die Partei innerhalb der Histadruth eine wichtige Mission zu erfüllen. Eine Reihe von Momenten verschiedenster Art: Der immer deutlicher werdende Gegensatz zwischen dem Ausgangspunkt der Ideologie der Histadruth, Aufbau einer sozialistischen Gemeinschaft im Lande und der tatsächlichen Entwicklung der Dinge insbesondere in der Stadt, wo das private Kapital