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Palästina · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 513

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Zukunft des palästinensischen Orangenexports
Date
1928-11-01
Page
Seite 513 (sequence 2)
Language
German
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513 Zufällig ist solche Handlungsweise richtig gewesen, denn es besteht nach wie vor keine Gefahr für noch größere Anlagen von Orangerien. Es besteht aber die Gefahr, daß eine Tat, die durch Zufall aufgebaut ist, in das andere Extrem umschlägt. Deshalb ist es am Platze, über die Zukunft des palästinensischen Orangenmarktes zu sprechen und nicht alles dem Zufall zu überlassen. Wie solche «Handlungen bis jetzt vollkommen zufällig und unberechtigt waren, zeigt mir schon der Fall mit den Zitronen. Vor zwei Jahren, als die (Nachfrage für •die Jaffa-Orange plötzlich eingesetzt hat, und die Preise dementsprechend beeinflußt wurden, haben die meisten Orangeriebesitzer ihre Zitronenbäume einfach ausgehauen, mit der (Motivierung, daß Zitronen keine Preise bringen. In der Tat brachten die Zitronen keinen Erlös, da der Hauptabnehmer, ich möchte sagen, beinahe der einzige Abnehmer für Zitronen, Rußland war. Seitdem Rußland für palästinensische Produkte geschlossen ist, hat es sich am meisten bei den Zitronenpreisen bemerkbar gemacht, da Italien mit seinen riesigen Zitronenquantitäten sich beinahe ein Monopol für den Absatz von Zitronen durch die billige Produktion und Fracht geschaffen hat. In Italien waren seit zwei Sommern, vergangenem und diesem, die Regen ausgeblieben, was zur Folge hatte, daß die Zitronen im Wachstum sehr zurückgeblieben sind, und die Herbstzitrone, die zur selben Zeit, als die neue Ernte der hiesigen reift, ausblieb. Nur aus vereinzelten Stellen1 Italiens konnte man kleinere Quantitäten von diesen Zitronen senden. Das hat selbstverständlich auf den Markt eingewirkt, ■und waren die Zitronenpreise im Herbst vergangenen Jahres bis auf sh 35/— per Kiste und in diesem Jahre sogar bis zu sh 65/— per Kiste gestiegen. Schon hatte hier die Stimmung für Zitronen eingesetzt. Dieselben Leute, die für die Vernichtung der Zitronenbäume hier eintraten, sind plötzlich begeisterte Zitronenanbauer geworden. Verschiedene Orangeriebesitzer, die jetzt neue Anpflanzungen von Orangen vornehmen, kamen zu mir mit der Anfrage, wieviel Prozent Zitronen ich ihnen anzubauen raten würde, und soweit mir bekannt ist, haben schon viele Neupflanzer Zitronen dieses Jahr angebaut. Die ganze Hausse hielt nur 6 Wochen an. Vor mir liegen Kataloge, aus denen zu ersehen ist, daß die Tripoli-Zitrone, die die gleiche Qualität der hiesigen besitzt, bereits zu sh 7/— bis sh 9/— verkauft würde, da aus Italien die Herbstzitronen (prima fiore) inzwischen schon in größeren Mengen angekommen1 sind. Höchstwahrscheinlich werden die Witterungsverhältnisse in Italien schon nächstes Jahr bessere sein, das heißt, daß im Sommer genügend Regenfälle sein werden, dann wird die ganze Kalkulation dieser Anpflanzer zusammenfallen. (Man kann nicht durch zufällige Ereignisse irgend ein System aufbauen, und es ist charakteristisch für die hiesigen Pflanzer, daß sie sich darüber keine Rechenschaft ablegen, was ein Zufall oder eine logische Erscheinung ist. Genau so wie die neue Begeisterung für Zitronen unberechtigt ist, genau so unberechtigt ist die Angst für das Quantum der neuangebauten Orangerien. (Bis vor kurzem war die ganze Ernte der Palästina-Orangen, bis auf kleinere Quantitäten der minderen Ware, die man nach Aegypten und Rumänien exportierte, auf den Export nach England beschränkt. Seit kurzer Zeit hat sich der deutsche Markt aufgeschlossen. Zugleich mit ihm im kleineren Maßstabe der dänische Markt. Dies ist auch kein Zufall! Auf dem englischen Markt herrschten von jeher spanische Orangen unter dem Namen „Denia Orange", obgleich meistens Valencia und ßurianafrucht dahinkam, denn Denia ist eine sehr kleine Provinz, die ein ganz minimales Quantum Orangen hat, das man eigentlich in einem einzigen großen Dampfer verladen könnte. Der Name hat insoferne die Bedeutung, weil die erste Frucht nach England tatsächlich aus Denia kam, und da der Engländer ein sehr konservativer Händler ist, verlangt er nach wie vor die Denia-Orange. Es ist ähnlich so, wie wir es mit dem Namen Jaffa- Orange in Europa haben. Obgleich nicht alle Orangen, die nach Europa kommen, aus Jaffa sind, wird sich für dieselben nie ein anderes Wort einbürgern. Es ist tatsächlich, daß in Denia seinerzeit die besten Orangen waren. Dort gab es aber keine Blutorangen. Der englische Konsument wurde durch diese Frucht erzöget* und bis heute ist die Blutorange in England in ganz beschränktem Maße verkäuflich. Deshalb hat die italienische Orange nie eine Rolle auf dem englischen Markt gespielt, denn zwei Drittel der italienischen Orangenproduktion sind Blutorangen. England hat so schnell die palästinensische Orange aufgenommen, weil sie den Vorzug hat, bereits im Dezember süße Frucht zu liefern, wohingegen in Spanien die ersten süßen Orangen erst im Jänner verladen werden. Bis dahin ist die spanische Orange trotz des guten Aussehens sauer. Zweitens ist die palästinensische Orange keine Blutorange und drittens hat sie ein genau so starkes Aroma, wie die sizilianische und wie es die spanische nicht hat.

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