Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 512 (sequence 3)
- Language
- German
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512 zumal der Verlauf der New Yorker Konferenz gezeigt hat, daß auf Seite der amerikanischen Nichtzionisten ein wirklicher Wille zur aktiven Mitarbeit vorhanden ist Die Beteiligung der Nichtzionisten am Palästina-Budget wurde zwar noch nicht erörtert, doch haben als direkte Folge der New Yorker Konferenz die bedeutendsten Nichtzionisten sich der Palästina-Kampagne der amerikanischen Zionisten zur Verfügung gestellt, und Felix Warburg hielt eine bemerkenswert warme Ansprache an die Konferenz des United Palestine Appeal in Boston, Das A. C. wird zweifellos diese Mitarbeit umsomehr willkommen heißen müssen, als die Situation der amerikanischen Palästinasammlungen gegenwärtig keine besonders günstige ist. Wenn sonach das A. C. den amerikanischen Beschlüssen gegenüber eine entgegenkommende Haltung einnimmt, dann entsteht sofort die Aufgabe, die Vorarbeiten für die erweiterte Agency in größerem Umfang in Angriff zu nehmen. Denn bisher wurde im wesentlichen mit Amerika verhandelt, und es wird sich vielleicht zeigen, daß in anderen Ländern die Dinge verwickelter liegen, da die Frage, in welcher Weise dort Vertretungen des nichtzionistischen Judentums für Palästina Zustandekommen sollen, noch ziemlich ungeklärt ist. Relativ leicht zu lösen ist die Frage in solchen Ländern, die umfassende repräsentative jüdische Organisationen haben, falls diese Organisationen die Funktion, Vertreter in die Agency zu entsenden, übernehmen wollen. Eine solche Möglichkeit besteht z. B. in England, wo der Board of Deputies, vielleicht unter Hinzuziehung der Anglo Jewish Association, als repräsentativ angesehen werden kann. In manchen anderen Ländern sind die palästinafreundlichen nichtzionistischen Elemente um den neutralen Keren Hajessod gruppiert. Es wird aber auch Länder geben, wo ein neuer Weg gesucht werden muß, um eine derartige Vertretung, die ein Novum im jüdischen Leben bildet, zustande zu bringen. Es ist anzunehmen, daß das A. . C, sich hauptsächlich mit dieser Frage wird befassen müssen. Es sei noch erwähnt, daß in der letzten Zeit die Diskussion über Aufgaben und Wesen der Jewish Agency als solcher wieder erwacht ist. Von gewissem Interesse ist hierbei die Aeußerung Lord Melchetts (in einem Interview der amerikanischen Zeitung »Der Tog«), wonach die Agency sich überhaupt nurmit politischen Dingen befassen und keine wirtschaftlichen Verantwortungen übernehmen soll. Lord Melchett meint, daß die wirtschaftliche Entwicklung des Landes durch Privatinitiative erfolgen müßte und daß all die ökonomischen Unternehmungen, die die Zionistische Organisation als Jewish Agency bisher gemacht hat, fehlerhaft sein mußten und außerdem relativ bedeutungslos sind für das, was für die Entwicklung des* Landes noch außerdem geschehen muß. Lord Melchett hat einiges Erstaunen hervorgerufen durch die Aeußerung, er halte die Erweiterung der Agency überhaupt für unwichtig, weil eben die Agency als solche gar nicht entscheidend große Dinge machen könne. Er hat diese Aeußerung später kategorisch dementiert und sich bei der New Yorker Konferenz entschieden für die Erweiterung der Agency ausgesprochen, aber trotzdem wird man nicht verkennen dürfen, daß jene ihm in den Mund gelegte Ansicht vorhanden ist. Den entgegengesetzten Standpunkt vertreten bekanntlich die Revisionisten, die der erweiterten Agency nur wirtschaftliche Kompetenzen geben und die Politik ausschließlich der Zionistischen Organisation vorbehalten wollen. Auch die staatsrechtliche Stellung der Jewish Agency gegenüber der Mandatarmacht und dem Völkerbund bedarf noch einer Klärung. Diese Frage wurde jüngst in dankenswerter Weise von M. Grossmann in der New Yorker Zeitschrift »The New Palestine« erörtert. Wenn die Jewish Agency erweitert wird, wäre nach dessen Ansicht der Moment gekommen, diese wichtige Frage vor dem internationalen Forum erneut aufzuwerfen. Die Zionistische Organisation als Jewish Agency ist in der abgelaufenen Periode vor der Mandatskommission des Völkerbundes insbesondere wegen der Störung des jüdischen Gottesdienstes vor der Klatfemauer am letzten Versöhnungstag mit einer Petition vorstellig geworden. (Siehe »Nachrichten und Daten«.) WirlSChaft Von J. Benari, Tel-Aviv. Die Zukunft des palästinensischen Orangenexports. Es wird in der letzten Zeit oft die Frage aufgeworfen, ob die massenhafte Anpflanzung von Orangen berechtigt ist. Allein die plötzliche Stellung der Frage beweist schon, wie autodidaktisch die Einstellung der „Wirtschaftler" in Palästina ist. Die ganzen Anpflanzungen von Orangerien m Palästina sind nicht aus der Erkenntnis heraus gemacht worden, daß solches eine gesunde Basis hat, sondern nur aus der Stimmung heraus, genüu so wie man in Tel-Aviv seinerzeit bei der großen Alijah die Häuser baute. Man hat bemerkt, daß die Preise für Orangen hoch sind, und nun kam die Parole: Orangerien anzulegen.