Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 511

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1928-11-01
Page
Seite 511 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379873-2387671--07919-2388016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

511 bestimmte darin aufgeworfene Streitfragen in einem dem Bericht entgegengesetzten Sinne bereits voi Gründung der Agency entschieden würden. Es handelte sich dabei vor allem um die Frage des Keren Kajemeth als Trägers der Bodenpolitik der Agency und weiter um die Frage der Siedlungsformen in den der Agency unterstellten Kolonien. Die Verhandlungen über diese Punkte wurden zunächst mit der amerikanischen Gruppe der Nichtzionisten, die unter Führung von Louis Marshall steht, eingeleitet; als Unterhändler fuhr das Mitglied der Palästina-Exekutive Harry Sacher nach Amerika, dem kurz darauf Dr. Weizmann folgte. Marshall berief für den 20. und 21. Oktober nach New York eine Konferenz der nichtzionistischen Palästinafreunde, die den Bericht der Survey Commission entgegennahm und die weiteren Schritte beraten sollte. Diese Konferenz trat auch programmgemäß zusammen. Etwa 350 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten waren erschienen. Von zionistischer Seite nahmen Dr. Weizmann, Sacher und die Führer des amerikanischen Zionismus teil, ferner Lord Melchett, der Präsident der Joint Survey Commission gewesen war. Sämtliche Reden dieser New Yorker Konferenz waren auf einen Ton stark positiver Stellungnahme zum Palästinawerk gestimmt. Es kam zum Ausdruck, daß die dort vertretenen Kreise auf Grund des Berichtes der Survey Commission nun an die praktische Arbeit des Palästina-Aufbaues herangehen wollen. Was die Differenzen zwischen dem Survey-Bericht und den Beschlüssen des zionistischen A. C. betrifft, so war der Wunsch ganz offenkundig, aus diesen Fragen keinen Kriegsfall zu machen. Schon in seiner Eröffnungsrede betonte Marshall, daß die Differenzen größtenteils auf Mißverständnissen beruhen, und die Konferenz faßte den Beschluß, es solle eine Siebenerkommission ernannt werden mit der ausdrücklichen Aufgabe, die bestehenden Differenzen beizulegen. Es schien auch eine sachliche Einigung nicht schwer zu -sein, da die wichtigsten zionistischen Forderungen als berechtigt erkannt wurden; über die formale Frage, daß diese Forderungen als ultimative Bedingungen gedacht waren, wurde, wie es scheint, nicht viel gesprochen, und es wird sich zeigen, ob dieser Punkt in der Folge noch Schwierigkeiten 'bereitet. Die wichtigsten Redner der Konferenz waren Louis Marshall, Felix Warburg, Lee K. Frankel, ferner von zionistischer Seite Dr. Weizmann und Lord Melchett. Es sprachen aber noch eine ganze Reihe nichtzionistischer Vertreter, die alle neben den Fragen des Palästina-Aufbaues vor allem den Gesichtspunkt hervorhoben, daß durch die Agency eine Einigung innerhalb des Judentums in einer entscheidend wichtigen Frage herbeigeführt ist. Es wurde sogar von mehreren Seiten angezweifelt, ob es künftig noch einen Sinn habe, eine begriffliche Unterscheidung zwischen »Zionisten« und »Nichtzionisten« zu machen. Die Beschlüsse der New Yorker Konferenz akzeptieren den Bericht der Survey Commission als Basis der zukünftigen Palästinaarbeit der Nichtzionisten, erklären aber ausdrücklich, daß auf Grund besonderer Verhältnisse auch Abänderungen der Empfehlungen des Berichtes möglich sind und daß die künftige Jewish Agency, falls sie ins Leben tritt, sich mit dem Gegenstand in einer Weise zu befassen hat, die der wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Entwicklung Palästinas am besten dient. Desgleichen wurde der schon früher aufgestellte Organisationsplan für die erweiterte Agency neuerlich bestätigt. (Siehe den Wortlaut der Beschlüsse, die unter »Nachrichten und Datenabgedruckt sind. — Die Red.] Kurz nach der New Yorker Konferenz wurde das Siöbenerkomitee, das die Verhandlungen mit den Zionisten führen soll, ernannt. Vorsitzender war Felix W a r b u r g, die übrigen Mitglieder Dr. Lee K. Frankel, Cyrus Adler, James Becker, David A. Brown, Herbert Lehmann und Prof. Julian Morgenstern. Das Komitee verhandelte mit einer zionistischen Kommission, der Dr. Weizmann, Lipsky, Rothenberg und Julius Simon angehörten. Das Resultat ist noch nicht genau bekannt, doch ist den wohl glaubwürdigen Meldungen der Presse zu enfnehmen, daß eine Einigung in der Form erzielt wurde, daß der Keren Kajemeth als Instrument der Bodenpolitik anerkannt wird und bezüglich der Frage der Kwuzah der ablehnende Standpunkt insofern gemildert wird, als die Frage nochmals in die Diskretion der Agency gestellt wird. Der Beschluß des XIV. Zionistenkongresses, die Erweite ung der Agency solle zunächst als ein Provisorium für drei Jahre erfolgen, wurde von der gemischten Kommission in die neue Form gebracht, es solle der Mandatarmacht mitgeteilt werden, daß im Falle des Auseinanderfallens der Agency der status quo ante, wonach die Zionistische Organisation Jewish Agency ist, wieder eintreten. Ein genauer Bericht über die Verhandlungen dieses gemischten Komitees wird wohl von Dr. Weizmann erst der A. C.-Sitzung, die am 20, Dezember in Berlin beginnt, vorgelegt werden. Je nachdem, ob das A. C. die Ergebnisse der amerikanischen Verhandlungen als im Sinne der Beschlüsse der letzten Juli-Sitzung befriedigend erklärt oder nicht, wird dann die weitere Entwicklung vor sich zu gehen haben. Obwohl die Mehrheitsverhältnisse innerhalb des A. C. recht schwierige sind, so kann man u. E. doch damit rechnen, daß das A. C. in diesem Stadium der Entwicklung die Verantwortung für ein Scheitern der Verhandlungen nicht auf sich nehmen wird,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.