Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 492 (sequence 2)
- Language
- German
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492 Landwirtschaft und Gärtnerei sind in ihren Grundprinzipien sehr verschieden und können sich bestenfalls ergänzen, aber nicht gegenseitig ersetzen. Die beste Parallele bietet vielleicht in der Stadt der Unterschied zwischen Handwerkstatt und Fabrik. Genau wie in der Industrie ist die Landwirtschaft die Erzeugerin von Massengütern,^ die sehr billig produziert werden müssen, was durch Anwendung mechanischer Betriebsmethoden möglich ist. Die billige Erzeugung ist das Kriterium der Landwirtschaft und auf sie müssen alle Anstrengungen eines lebenskräftigen, in sich gesunden Ackerbaues gerichtet sein. Alle anderen Erwägungen, wie besondere Qualität, Frühzeitigkeit etc, der Erzeugnisse, müssen dieser einen Forderung untergeordnet werden. Im Gegensatz dazu ist es die Aufgabe des Gartenbaues, die Landwirtschaft zu ergänzen. Das geschieht durch die Erzeugung von bestimmten Produkten — Blumen, besonders schöne oder seltene Gemüse etc. — deren Produktion auf mechanischem Wege nicht lohnt oder nicht möglich ist und für die im allgemeinen die Nachfrage sehr gering ist; ferner durch Erzeugung hochwertiger landwirtschaftlicher Kulturen — Kartoffeln, Gemüse, Früchte — außerhalb der Saison, was nur durch besondere, kostspielige Hilfsmittel inöglich ist. Genau wie im Handwerk geschieht der Gartenbau meist in kleinen Betrieben; er arbeitet mit hohen Investitionen und geht, im Gegensatz zur Landwirtschaft, von der individuellen Behandlung jeder einzelnen Pflanze aus, was nur durch dauernde menschliche Ueberwachung und Bearbeitung ausführbar ist. Darum ist leicht-zu verstehen, daß jeder Versuch, mit gärtnerischen Methoden Kulturen zu produzieren, deren Erzeugung durch billige, mechanische Massenproduktion möglich ist, aussichtslos und verlustbringend sein muß. Nur zwei Ausnahmen möchten wir von dieser Regel zulassen. Die eine entsteht, wenn die Fläche, die zum Anlj>$.u. hochwertiger Kulturen — Kartoffeln, Gemüse oder Früchte — sich Eignet, so klein ist, daß sie von dem Besitzer ohne fremde Hilfe intensiv bearbeitet werden kann. Diesem ist eine Existenz aber nur dann möglich, wenn er seine Produkte, unter Ausschaltung des Zwischenhandels, an das Publikum direkt verkauft und dadurch höhere Preise erzielt. Eine andere Möglichkeit, die heute allerdings nur bei der Orange besteht, ist, daß die Preise nicht in Palästina selbst, sondern unter günstigen Bedingungen auf ausländischen Märkten festgesetzt werden. Im ersten Falle wird die Möglichkeit durch die Größe der Fläche begrenzt, die ungefähr bei 5—7 Dunam liegt. Ist die Fläche 10 Dunam groß, so müßte bei Gärtnerischen Methoden schon fremde Hilfe zugezogen werden, was die Rentabilität solcher Wirtschaft sehr fraglich macht. Auch im Orangenbau ist es schon bei 10 Dtmam viel rentabler, die Bäume in großen Abständen zu pflanzen und landwirtschaftlich zu bearbeiten. In den folgenden Untersuchungen sollen nun nur Probleme der bewässerten Landwirtschaft berührt werden. Betriebswirtschaftliche Fragen nach dem Verhältnis von Landwirtschaft und Gartenbau überhaupt, die von verschiedenen Fachleuten aufgeworfen wurden, sollen an späterer Stelle untersucht werden. Rationelle Bewässerung: Wir waren weiter oben zu dem Ergebnis gekommen, daß billige Massenerzeugung die Hauptforderung ist, die an die Landwirtschaft gestellt werden muß. Eine Bewässerungsanlage stellt nun schon a priori eine riesige Verteuerung der Produktion dar. Die Anlage muß verzinst und amortisiert werden und der Boden hat etwa die vierfache Rente aufzubringen. Diese Verteuerung kann nur durch eine entsprechende Erhöhung der Produktion aufgehoben werden, wodurch