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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arich Tartakower, Lodz.
Date
1928-08-01
Page
Seite 418 (sequence 2)
Language
German
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418 Bewegung, viel stärker als anderswo reagieren läßt, so waren es in der Hauptsache zwei Gründe, die dieses gewaltige Anschwellen des Interesses mit sich gebracht haben: Erstens einmal war für die Arbeiterschaft die Frage des Berichtes der Sachverständigen, wie auch der Bildung der Jewish Agency auf dessen Grundlage nicht nur eine zionistische Frage, sondern auch die Frage der Weiterführung ihres Werkes in Palästina. War ja der Bericht in seiner überwiegenden Mehrheit direkt gegen die Interessen der Arbeiterschaft gewendet und es mußte klar sein, daß eine Bildung der Jewish Agency auf dessen Grundlage das Ende der spezifischen jüdischen Arbeiterkolonisation oder zumindest deren weitgehendste Einschränkung mit sich bringen würde. Zweitens aber war das Interesse der Arbeiterschaft nicht nur um die Frage der Jewish Agency konzentriert. Fast ebenso wichtig war für sie die Entscheidung über die weitere Politik der zionistischen Exekutive in Palästina, sowie über das Budget für das nächste Jahr, die auf dieser Sitzung fallen sollte. Hatte man ja schon ein Jahr des »neuen Kurses« in Palästina hinter sich, ein Jahr von fast ununterbrochenen scharfen Reibungen zwischen der Arbeiterschaft und der Exekutive, die die Lage bereits einige Male unerträglich gemacht hatten und anderseits wußte man, daß die Exekutive entschlossen sei, ihre spezifische Politik weiter zu führen und den Budgetvoranschlag in diesem Geist ausgearbeitet habe, Es war also klar, daß diese Sitzung eine neuerliche Kräfteprobe und vielleicht auch eine Entscheidung mit sich bringen würde. So wird denn die fieberhafte Stimmung unter der Arbeiterschaft leicht verständlich. Was nun den Bericht der Sachverständigen betrifft, der wenige Wochen vor der A. C,-Tagung veröffentlicht worden ist, so war die ganze Arbeiterschaft (wie übrigens fast der ganze jüdische Jischuw im Land) in dessen scharfer Verurteilung und Ablehnung einig. Es gab wohl manche Nuancenunterschiede zwischen den zwei großen Parteien, insbesondere war Achdut-Haavoda geneigt, es bis auf eine Kabinettkrise ankommen zu lassen und eine weitere Unterstützung des Jewish-Agency-Gedankens unter ein Fragezeichen zu stellen, indes der Hapoel Hazair seine Entschlüsse vorsichtiger formulierte und bei aller Ablehnung des Berichtes den Boden der Jewish Agency- Politik keineswegs verließ. Doch waren diese Unterschiede von keiner entscheidenden Bedeutung und es war von aller Anfang an klar, daß sie einem engen Zusammenwirken auf der A. C.-Tagung keineswegs im Weg stehen würden. Aber auch in der Frage der Bekämpfung der Politik der palästinensischen zionistischen Exekutive gab es unter der Arbeiterschaft keine Meinungsverschiedenheiten. Wurde doch der Kampf die ganze Zeit nicht durch die oder jene Partei, sondern durch die Histadruth als solche geführt, die auch in einer Reihe von Enunziationen unmittelbar vor der A. C.-Tagung, besonders aber in einem Rundschreiben der Zentrale der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation ihre Stellung ganz klar formulierte. Auch in dieser Beziehung war also eine einheitliche Stellungnahme von vorneherein gesichert. Der Verlauf der Tagung selbst, der eine Reihe von Arbeiterführern, sei es als Mitglieder des A. C. oder als Gäste und Fachleute beiwohnte, wurde von Palästina aus mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt. Die täglichen spaltenlangen Telegramme im »Davar«, die langen Korrespondenzen, die bald darauf folgten, und die Zusammenfassungen, die bereits auf der Grundlage von Telegrammen versucht wurden, beweisen dies ganz klar. Die Ergebnisse wurden im allgemeinen mit einem großen Gefühl von Erleichterung aufgenommen. Man ist geneigt, in den allermeisten Beschlüssen des A. C., sowohl in der Agencyfrage, wie auch bezüglich des Budgets einen klaren und entscheidenden Sieg der Arbeiterschaft zu sehen. Insbesondere wurde der Beschluß über die unbedingte Freiheit der Siedlungsform, wie auch die ziemlich bedeutende Erhöhung des Postens für landwirtschaftliche Kolonisation im Budget fürs nächste Jahr mit großer Befriedigung begrüßt. Auch das vorläufige (vielleicht auch definitive) Ausscheiden der führenden Persönlichkeit der zionistischen Exekutive in Palästina, Herrn Sachers, um dessen Person während der Tagung lange und leidenschaftlich gekämpft worden ist, aus der unmittelbaren Leitung der Arbeit in Palästina wird als Ergebnis der Mißtrauenserklärung der Arbeiterschaft, sowie der sich um sie konzentrierenden Elemente auf der Tagung gedeutet und gewertet. Freilich sind nicht alle Beschlüsse des A. C. als solche bereits geeignet, den vermeintlichen oder wirklichen Gegensatz der Interessen in Palästina aus der Welt zu schaffen. Insbesondere dürfte die Durchführung der Beschlüsse bezüglich des Budgets, bei denen ja die Exekutive ihre Verwahrung unmittelbar erklärt hatte, noch zu manchen Zusammenstößen führen. So wird bereits jetzt um die Anerkennung der Subvention für das Bildungswesen der Arbeiterschaft scharf gekämpft und ähnliche Schwierigkeiten werden sich sicherlich bei der Durchführung der Beschlüsse bezüglich der Kolonisation und der Immigration ergeben, wenngleich die Exekutive im kommenden Jahr mehr geneigt sein dürfte, den Forderungen der Arbeiterschaft Rechnung zu tragen. jVgl. den Artikel von Dr. R. Weltsch in dieser Nummer. — Die Red.)

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