Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 416

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Landwirtschaft. Von Dr. Karl Schwager, Tel-Aviv.
Date
1928-08-01
Page
Seite 416 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379872-2387005--07471-2387435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

416 daß es sich erübrigt, nochmals auf die Bedeutung dieses Produktionszweiges hinzuweisen. Es könnte höchstens gerechtfertigt erscheinen, in Erinnerung an die Dithyramben und ausschweifenden Zukunftsillusionen, die eine aussichtsreiche Sache für Palästina immer wieder in der zionistischen Welt hervorgerufen hat, zu bemerken, daß man vor Rückschlägen und Mißerfolgen in der Landwirtschaft noch weniger sicher ist als in irgend einem, anderen Wirtschaftszweig. Eine große Plage hat das Land heuer verschont: Die Heuschrecken. Nach dem biologischen Zyklus dieser Insekten mußte man für das Jahr 1928 von ihnen einen Generalangriff auf die östlichen Mittelmeerländer erwarten. Aber die Bekämpfungsmethoden der Gegenwart haben dem gefährlichen Feind schon vor den Grenzen Palästinas starken Abbruch getan und jene Schwärme, welche die Grenze überschritten, wurden durch geeignete Maßnahmen schnell vernichtet, ohne daß sie irgendwo nennenswerten Schaden hätten verursachen können. Diese Tatsache kann nicht genug hoch eingeschätzt werden. Denn aus den Berichten des letzten Heuschreckenjahres, 1915, weiß man, welche Verheerung durch die Lokusten angerichtet werden kann. Ob damit diese Gefahr für immer von Palästina abgewendet ist, wie viele gerne annehmen möchten, kann noch dahingestellt bleiben. Das Ergebnis der Getreide-Ernte war nicht in allen Teilen des Landes befriedigend. Der winterliche Regenfall, der hierfür so ausschlaggebend ist, hat in manchen Distrikten vollkommen versagt. Das Jordantal, der Ostteil des Emek, das untere Galil hatten so schwache Niederschläge, daß die Winterung nicht genug Bodenfeuchtigkeit fand, um Körner zu entwickeln, geschweige denn, daß man an den Anbau von unbewässerter Sommerung hätte denken können, Dementsprechend mußte ein großer Teil des Wintergetreides vorzeitig geschnitten werden, um zu Heu verarbeitet, wenigstens noch einen gewissen Ertrag zu sichern. Viele Felder lohnten nicht einmal die Kosten einer solchen Verwertung und konnten höchstens als Weide genutzt werden. Hingegen hatte der Westteil des Emek und die Küstenebene eine mittelgute bis gute Ernte aufzuweisen. Auch in den anderen Teilen des Landes, mit Ausnahme des Süddistriktes, der in der vorigen Saison eine völlige Mißernte, in dieser außergewöhnlich hohe Erträge hatte, war das Ergebnis des Drusches untermittel bis höchstens gut. Die Sommerfrüchte ließen auch hier zu wünschen übrig und besonders der Ertrag an Wassermelonen, die ein wichtiges Ausfuhrprodukt der palästinensischen Landwirtschaft sind, war schlecht. Im Gegensatz zu den großzügigen Maßnahmen, mit denen die Regierung im Vorjahre den Fellachen und Beduinen des von Dürre heimgesuchten Süddistriktes zu Hilfe kam, zeigt sie sich heuer gegenüber den Bittgesuchen der jüdischen und arabischen Landwirte im Galil saumseliger. Es wurde nur eine Kommission ernannt, welche die Lage der einzelnen Dörfer prüfen soll. (Inzwischen versprach Luke den betroffenen Bauern, die Steuern für das heurige Jahr zu erlassen, sowie eine Hilfeleistung für die Saatgutversorgung; siehe »Nachrichten und Daten« Landwirtschaft. — Die Red.) Im Gartenbau ist bemerkenswert, daß heuer ohne Versuch einer Versendung nach Europa die Wintergemüse im Inland oder auf syrischen Märkten einen Absatz zu guten Preisen fanden. Vor allem gilt dies vom Blumenkohl. Eine geschickte Verkaufsorganisation ermöglichte eine Verteilung des Gemüses nach dem jeweiligen Bedarf in den einzelnen Städten, so daß die Ueberfüllung eines einzelnen Marktes vermieden wurde, ferner gelang es, auch arabische Städte, wie Nazareth, Jenin, Nablus, dem Produkt der jüdischen Siedlungen im Emek zu erschließen. Nachdem Damaskus schon seit Jahren ein Abnehmer von Frühgemüse der Wirtschaften am Tiberiassee ist, erwies es sich, daß auch Beyruth erfolgreich mit palästinensischem Gemüse beliefert werden kann. Ein Ausbau der Verkehrswege in dieser Richtung wird sicherlich diese Entwicklung noch fördern. Auch sonst macht sich immer stärker die Tendenz bemerkbar, daß der arabische Bevölkerungsteil nicht nur landwirtschaftliche Produkte an die Juden verkauft, wie dies z, B. in Tel-Aviv so augenfällig ist, sondern auch umgekehrt als Käufer für jüdische Produkte auftritt. Oft kommen kleine Händler mit ihren Eseln in die jüdischen Wirtschaften und kaufen dort am Platz Gemüse oder Obst, um es, manchmal Tagereisen weit, zum Markte zu bringen. Es ist jedenfalls ein nicht uninteressantes Phänomen, daß der Jude, sonst überall auf der Welt der Waren vermittler, hier als Urproduzent sich eine Stellung in der Volkswirtschaft zu schaffen beginnt und die Funktion des Händlers der anderen Nation zufällt. Daß es auch in der Orangenkultur eine ähnliche Erscheinung gibt, ist ja bekannt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Ernte aus jüdischen Pflanzungen wird alljährlich von arabischen Händlern zur Verwertung erworben. Auf dem Gebiete der Traubenkultur ist heuer wiederum ein Versuch gemacht worden, Tafeltrauben nach England zu transportieren. (Vgl. Nr. 5/7, S. 309.J Ueber diese Probesendung von 500 Kisten liegt noch kein genauer Bericht vor, doch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.