Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 361 (sequence 8)
- Language
- German
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361 Stellen zu stauen und das Wasser durch offene Gräben auf die Felder zu leiten. In anderen Fällen wird sich eine fahrbare Motorpumpe, deren Motor im Sommer zu anderen Arbeiten verwendet werden kann, praktischer erweisen; das muß eben an Ort und Stelle, je nach den besonderen Bedingungen, entschieden werden. Wo aus bestimmten Gründen die Ueberstauung, die gleichzeitig einen düngenden Zweck hat, nicht möglich ist, muß man sich auf die Zusatzbewässerung beschränken, um lediglich dem Boden eine Feuchtigkeitsreserve zu geben. Dazu kommen die Ueberflutung, die Furchenbewässerung oder, je nach den besonderen Bedingungen, andere, an späterer Stelle zu besprechende Bewässerungsarten in Frage. Die Ueberstauung ist nicht angängig bei zu abhängigen Böden, wo Terrassierung zu kostspielig ist, oder aus anderen Gründen nicht geschehen kann; ferner bei noch in Vegetation befindlichen Kulturen, wie Getreide, Klee, Oliven etc. Durch stehendes Wasser wird nämlich das für die Pflanzen sehr wichtige Bakterienleben unterbunden — die Wurzeln können nicht atmen und es tritt ein Stillstand im Wachstum der Pflanzen ein, der bald zur Fäulnis führt. Bei diesen Kulturen kommt nur die Zusatzbewässerung in Frage, wofür natürlich Getreide und Klee von Anfang an in Tiefbeete gesät werden müssen. Eine Ueberstauung ist dagegen möglich bei allen Sommerkulturen, die erst im Frühjahr gepflanzt werden, wie Mais, Durrha, Melonen, Tabak etc. und bei allen Pflanzungen, deren Vegetation währendder Wintermonate stillsteht, wie Wein, Aprikosen, Mandeln etc. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, welche Bedeutung die Zusatzbewässerung und Ueberstauung der Felder für die palästinensische Landwirtschaft gewinnen können. Mindestens die Hälfte aller Kulturboden wird auch bei Ausnützung sämtlicher Bewässerungsmöglichkeiten trocken bearbeitet werden müssen. Die vorgeschlagenen Methoden garantieren bei geringen Mehrkosten reiche und sichere Ernten. Es ist wohl keine Frage, daß die Zusatzbewässerung, die beinahe überall möglich ist, dem von anderer Seite propagierten Dryfarmingsystem, das auf eine Produktionsminderung hinausläuft und in keiner Weise den Boden an Nährstoffen anreichern kann, bei weitem vorzuziehen ist. Es ist deshalb zu wünschen, daß in Palästina bald mit Zusatzbewässerungsversuchen begonnen wird, die ganz gewiß dort denselben großen Erfolg haben werden, wie in allen Ländern, wo man sie bereits anwendet. (Weitere Artikel folgen.) Zur Frage der Boden gesefzgebiing in Palästina, Von Dr, A, Granovsky, Jerusalem. Palästina ist in jeder Hinsicht ein Land der Gegensätze. Mittelalter und Moderne stoßen hier zusammen und ergeben ein eigenartiges, nur im Orient anzutreffendes Gebilde. Dies trifft nicht nur auf die wirtschaftlichen oder kulturellen Dinge zu, sondern auch auf Fragen der Gesetzgebung. Man findet nebeneinander Einrichtungen aus den verschiedensten Epochen, die fortgeschrittensten Methoden neben den primitivsten. Hier sieht man neben dem vervollkommneten amerikanischen Traktor den jahrtausendealten primitiven arabischen Pflug, nejbejn /dem modernsten Institutionen des sozialen Lebens der neueingewanderten