Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Aufbauarbeit in Palästina in den nächsten zehn Jahren
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
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342 Existenzquellen nicht solche Beschäftigungen angesehen werden, die nur durch Ausnutzung einer besonderen Konjunktur ein Einkommen ergeben, z. B. Bodenspekulation. Ebenso gehört hieher derjenige Handel, der nicht eine wirtschaftlich notwendige Funktion erfüllt, sondern durch Einschiebung von immer neuen Zwischengliedern zwischen Produzenten und Konsinnenten die Waren verteuert. b) Die Existenzquellen müssen dauernd sein. Eine vorübergehende Existenzmöglichkeit, z. B. bei öffentlichen Arbeiten, die nach kurzer Zeit den Juden wieder ohne Existenz läßt, ist für die wirtschaftliche Verwurzelung wertlos, sobald die Zahl der mit vorübergehender Arbeit Beschäftigten über diejenige Zahl hinausgeht, die normalerweise dauernd für solche Arbeit erforderlich ist. Diese Zahl kann immer nur eine relativ kleine sein. c) Die Existenzquellen müssen solche für Juden sein. Je weniger Juden eine von einem Juden geschaffene Existenzquelle proportionell zu dem investierten Kapital beschäftigt, um so geringer ist ihr Wert für unser Ziel. Die wertvollsten Unternehmungen sind für uns diejenigen, in denen mit dem relativ geringsten Kapital pro Kopf möglichst viel Juden dauernd beschäftigt werden. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber in Wirklichkeit ergeben sich hieraus große Konflikte zwischen den wirtschaftlichen und nationalen Interessen des Unternehmers. Diese Schwierigkeiten sind in den verschiedenartigen Lebensbedingungen des aus Europa einwandernden Juden und des eingeborenen Arabers begründet; sie sind oft dargelegt worden, daß sie als bekannt vorausgesetzt werden können. Es ist nicht in allen Fällen leicht, die Linie zwischen den nationalen und den privatwirtschaftlichen Interessen gerecht zu ziehen. Es wäre ebenso verkehrt, ein Unternehmen als national wertlos zu bezeichnen, weil es nicht ausschließlich Juden beschäftigt, wie es verkehrt ist, ein Unternehmen, das viele Nichtjuden, aber keinen oder nur sehr wenig Juden beschäftigt, als nationales Aktivum zu begrüßen, weil der Unternehmer ein Jude ist. Hier, wie übrigens so vielfach in Palästina, kann nicht ein Urteil nach der Schablone, sondern nur die Beurteilung nach der Proportion, nach Zahl und Maß, zu einem richtigen Urteil führen. d) Die Existenzquellen müssen derart sein, daß durch sie Palästina imstande ist, eine ständig wachsende Zahl von Juden aufzunehmen. Ich meine hiermit, daß die Existenzbedingungen in Palästina für jüdische Einwanderer aus Europa erträglich sein müssen. Palästina ist ein an Naturschätzen armes Land und wir können deshalb den jüdischen Einwanderern hier kein bequemes Leben versprechen. Im Gegenteil, wir müssen sie auf ein entbehrungsreiches Leben vorbereiten. Aber es gibt ein Minimum, der Lebenshaltung, das europäische Juden in der Regel nicht unterschreiten können, ohne körperlich und geistig zusammenzubrechen. Wenn die Einwanderer nicht die Möglichkeit haben, sich selbst und ihre Familie gegen Krankheit, klimatische Unbilden und Hunger zu schützen, ihre Kinder in Schulen zu schicken und in ihrem Geiste zu erziehen, so werden sie bei größtem Enthusiasmus nicht nach Palästina kommen oder Palästina wieder verlassen. Deshalb würde es uns nicht weiterführen, wenn wir die Juden in Palästina zwingen wollten, durch Herabsetzung ihres Standard of life auf das jetzige Niveau der arabischen Bevölkerung deren Konkurrenz zu unterbieten. Das käme in der Wirklichkeit einer Sperre für neue Einwanderer gleich. Dazu kommt noch,