Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Was ist biblisch an der heutigen jüdischen Arbeit in Palästina? Daß die heilige Begeisterung jüdischer Arbeiter für ein Ideal darbt und blutet, das unsere Vorfahren durch Jahrtausende in sich getragen haben. Wir verleugnen Europa nicht. Also es soll auch der europäische christliche Wissenschaftler unser Gegenwartsleben in Palästina gar sehr mit in Betracht ziehen. Es ist volkstümlich, es ist mit dem Lande verbunden und enthält älteste Traditionen. So manches, was dem Verfasser noch unverständlich ist, werden wir ihm aus unserer noch immer lebendigen Tradition erklären können, denn unsere Brauche sind oft in der Diaspora ganz unversehrt erhalten geblieben. Es ist nur natürlich, daß die RückÜbertragung der jüdischen Sitte nach Palästina nicht übergangen werden darf, es ist nur natürlich, daß die Arbeitsweise des modernen Juden in Palästina mit tausend Fäden gleichzeitig sich wieder mit der Landesnatur verknüpft, ohne doch jene jüdische Eigenart, die in Europa ausgebildet wurde und die sich vor allem auf die soziale Kultur bezieht, zu verleugnen. Der jüdische Arbeiter, in seinem reinen nationalen Sozialismus lebendig, palästinensisch, jüdisch, kann sich mit der Artung der arabischen Marranen wohl messen. Und es wird sich ja bald erweisen, daß wir Juden diese Menschen besser verstehen, als der europäische Christ, dessen Freundschaft zu den palästinensischen Arabern durch Glaubensfragen und Romantik verkünstelt ist. Unser Interesse an Palästina ist ein natürliches und so lehnen wir eine Darstellung, die unnatürlich ist, ab- Darum wollen wir Dalman bei aller Wertschätzung seiner wissenschaftlichen Gründlichkeit auf die Aufgabe des christlichen Gelehrten im gegenwärtigen Stadium des Palästinaaufbaues hinweisen. Wenn der Politiker, wenn Reisende und Beobachter das heutige jüdische Leben in Palästina zu deuten wissen, so wird wohl, gelinde gesagt, auch die nach heutigen Methoden arbeitende biblisch-archäologische Forschung von uns Notiz nehmen dürfen. Dies hat schon der alte Seher Bileam tun müssen. Biblisches Leben heißt doch so leben, wie die Menschen der Bibel lebten. Die Bibel ist kein Buch, sondern drei Jahrtausende Judentum und Menschentum. Arbeit und Sitte in Palästina ist nicht nur unverfälscht im arabischen Marranen Palästinas vorhanden. Wir Juden /haben die palästinensische Tradition in uns* Wir hoffen, durch den Wiederaufbau Palästinas eine Antwort auf die Frage zu geben, indem wir die islamischen und christlichen Palästinenser in unser Werk einbeziehen werden. Uns wohnt die Ueberzeugung inne, daß dies unsere Aufgabe ist, die uns gelingen wird. Aber ein europäischer christlicher Wissenschaftler soll es nicht versuchen dürfen, unsere Motive und unsere tatsächliche Tradition an palästinensischer Sitte zu unterschätzen, und die arabisch-marranische in einem scheinbar wissenschaftlich begründeten Vordergrund zu schieben. Ganz im Gegenteil lehrt das Judentum, daß der Messias kommt, wenn die Entfremdungvon Vätern und Söhnen aufs höchste gestiegen und Gottes Erbarmen am nächsten - ist. Wir erwarten von dem christlichen Gelehrten Europas eine verständnisvolle Darstellung der palästinensischen Gegenwart und hoffen, daß dieses Buch sich nicht in die archäologische Objektivität verkrusten wird. Bisher sind hin und wieder sephardische und palästinensisch-jüdische Landessitfen erwähnt, doch ist die moderne jüdische Lebensweise nur an zwei Stellen, Seite VL und S. 73, in je einer kurzen Bemerkung kaum gestreift. Dr. H. Glanz-Sohar, Wien. Zeitschrift des Deutschen Palästmavereines, Bd. 51, Heft 1. Diese jetzt von Prof. Dr. C. Steuernagel geleitete Zeitschrift trat heuer in ihr 50. Jahr, Die erste Nummer wurde im Juni 1878 unter Redaktion des bestbekannten Palästinaforschers Guthe herausgegeben. Wir sprechen dieser vornehmen wissenschaftlichen Revue unsere besten Glückwünsche aus. Die vorliegende Nummer enthält eine ausführliche wissenschaftliche Arbeit; Zur Geologie der Kischonebene von Dr. Leo Picard, der die betreffende Untersuchung im Auftrag der Zionistischen Exekutive ausgeführt hat, die mit zahlreichen Abbildungen und einer Karte versehen ist und auch einen kurzen archäologischen Bericht erstattet. Prof. Steuernagel gibt die übliche kurze Uebersicht über die wirtschaftliche und politische Entwicklung Palästinas vom August bis Dezember 1927. Obzwar einige Daten von späterer Zeit (März 1928) gegeben werden, fehlen gerade sehr wichtige, wie das neue jüdische Gemeindegesetz, die Gesetzentwürfe für Werkoreform, Bodenaufnahme usw. Ferner ist noch von der Nichtwiederöffnung der Schulen die Rede, die zwar verspätet, aber doch alle noch im Herbst 1927 eröffnet worden sind. Die hebräischen Lehrer haben nicht, wie es im Bericht heißt, ihre Gehalte durch Verschulden der Zionistischen Exekutive nicht voll bekommen — denn diese hat ihren Anteil voll bezahlt — sondern weil der Jischuw seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist. Man kann auch nicht von einer ^Krise der Zionistischen Exekutive infolge der Wirtschaftskrise" sprechen. Die Zionistische Exekutive hatte durch diese vermehrte Ausgaben (Arbeitslosenunterstützung), denen sie nachkam, trotz rückgängiger Einnahmen. Dieser Rückgang ist aber durchaus nicht mit der Wirtschaftskrise in Palästina im Zusammenhang, sondern der Grund für sie ist die Nichteinhaltung der