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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 331

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-05-01
Page
Seite 331 (sequence 3)
Language
German
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331 kommene Autonomie und ungestörte kulturelle Entwicklung ermöglichen, verwirft, eine Politik, welche daher auch auf die Schaffung einer jüdischen Majorität in Palästina nicht das wesentliche Gewicht legt und sich das künftige Palästina selbst als einen binationalen Staat vorstellt, in welchem Araber und Juden friedlich nebeneinander ihr Nationalheim haben. In einem ausführlichen Artikel legt Hans Kohn im Detail die politische Form auseinander, wie er sich einen solchen Staat vorstellen würde. Betrachtet man diese Folgerungen, so ist klar, daß dies nicht der Herzl'sche Zionismus in seinem ursprünglichen Sinne ist, gewiß vertreten diesen viel eindeutiger die Revisionisten; freilich auch viel starrer. Die Revisionisten hallten an der ursprünglichen Konzeption fest und wollen weder von einer inneren gedanklichen Entwicklung im Sinne der neuen Menschheitsideen etwas wissen, noch von einer Entwicklung, welche sich der politischen Situation anpaßt, um sich in ihr durchzusetzen. Es ist übrigens interessant, daß die Namen aller oppositionellen Richtungen weit eher auf diesen von ihnen angegriffenen Zionismus passen, als auf sich selbst. Der Jabotinsky'sche Zionismus bedeutet, wie eben ausgeführt, keine Revision, sondern eine Erstarrung der ursprünglichen Konzeption, weit eher ist der besprochene Zionismus von Kohn und Weltsch revisionistisch, im üblichen Sinne dieses Wortes, er ist aber auch, wie schon ausgeführt, in Wahrheit realistisch, denn er kämpft gegen den Illusionismus und gegen den Bluff; man kann diesen Zionismus aber auch mit Recht als radikal bezeichnen, denn er will mit äußerster Auswägung aller realen Möglichkeiten das verwirklichen, was die wahre Wurzel des Zionismus ist, die sittliche Regeneration des jüdischen Volkes. Er hat nur einen großen Fehler: Er verzichtet auf die wehende Fahne und auf das große Wort; er ist bescheiden, nüchtern, streng, gewissenhaft und verspricht wenig, weniger als das Volk will und braucht. Und darum hat er, quantitativ gesehen, die geringere Zugkraft als etwa der Revisionismus; qualitativ freilich ist er stärker; er vermag sich an die geistigen Menschen unter allen Juden und an die sittlichen Individuen der ganzen Menschheit zu wenden. Und das scheint ihm offenbar wichtiger und auch gegenüber den Massen eines so wachen und individualistischen Volkes, wie es die Juden sind, wirkungsvoller — als Fahne und Schlagwort. Und das ist vielleicht die einzige Illusion, der sich diese nüchterne und ehrliche zionistische Politik schuldig macht. Dr. Felix Weltsch, Prag. Vorgeschichte des Zionismus, Judenstaatsprojekte 1696—1845, von Dr. N. M. Gelber, Phaidonverlag, Wien. — Der bekannte Historiker des Zionismus bringt in diesem über 300 Seiten starken Bande eine große Anzahl der interessantesten Projekte ans Licht, von denen sehr viele bisher gar nicht, andere nur in großen Zügen bekannt waren. Es beginnt mit jenem eines merkwürdigen dänisch-christlichen Kaufmannes, Hilger Pauli vom Jahre 1696, dem die sabbatianische Bewegung bekannt war und der die damalige Souveraine unablässig wegen seines Projektes haranguierte. Ein weiteres Projekt eines Unbekannten ist deshalb von besonderem Interesse, weil der Philosoph und Literat Moses Mendelsohn, dem es mitgeteilt wurde, soviel politischen Instinkt bewies, zu äußern, daß ein Judenstaatsprojekt nur dann ausgeführt werden könnte, wenn die Großmächte Europas in einen allgemeinen Krieg verwickelt sein würden. Die Gesellschaft der Projektemacher ist übrigens eine sehr gemischte. Neben Juden finden sich unter ihnen der Fürst de Ligue, Napoleon I., christliche Theologen, Dekabristen, englische Politiker und Schriftsteller, ein Pole und viele andere. Man verdankt dieser Quellensammlung Dr. Gelbers die Einsicht, daß der zionistische Gedanke schon lange vor seiner endgültigen Verwirklichung internationales Gemeingut war. Sein Auftauchen bei allen Nationen und bei Leuten, die den verschiedensten Gesellschaftssphären angehörten, dokumentiert, daß er keine willkürliche Erfindung ist. Die größte Aufmerksamkeit von allen Projekten verdient zweifellos der bekannte Versuch Mordechai Immanuel Noahs, einen Judenstaat wirklich zu gründen, über den Dr. Gelber in ausführlicher Weise berichtet. Am 15. September 1825 hat Noah den Grundstein des Judenstaates »Ararat« in Buffalo gelegt. Es kamen aber auf seinen Aufruf keine Einwanderer, die Rabbiner, an die sich Noah wendete, nannten ihn einen Gotteslästerer. Er ließ aber nicht nach und propagierte später die Rückkehr der Juden nach Palästina. Er erkannte die Wichtigkeit einer Position im Lande für England und glaubte, daß die Juden Palästina wieder zur Blüte bringen werden. Nur sie seien dazu imstande. Ueber die wichtige Periode der mit der Eroberung durch Mehmed Ali (1838) in Verbindung stehenden Bewegung in englischen politischen Kreisen zur Schaffung eines jüdischen Palästina, gibt der Autor eine umfassende Darstellung. Das Schicksal Palästinas und besonders Jerusalems wurde in den Londoner Verhandlungen der Mächte 1840—41 eingehend diskutiert. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Dr. Gelber geht im Anschluß daran auf die große Rolle ein, die Sir Moses Montefiore in der Vorgeschichte des Zionismus gespielt hat. Er war schon 1838 in Palästina gewesen und

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