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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 330

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
[Rezension]
Date
1928-05-01
Page
Seite 330 (sequence 2)
Language
German
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330 nistischen Arbeit in den letzten Jahren, die naturgemäß eintreten mußte, als die Früchte eines schwungvollen Vorstoßes in nüchterner Arbeit ausgebaut werden sollten, diese Mühseligkeit hat die alten Gegensätze in neuer Form aufleben lassen. Es sind — ich spreche hier nicht von den Flügelparteien, deren Besonderheit auf Einflüssen sozialistischer und religiöser Weltanschauung beruhen, sondern nur von der inneren Entwicklung des zionistischen Gedankens — der Revisionismus, die radikale Partei und die kleine tschechoslowakische Gruppe der Realisten. Ihnen gegenüber, und von ihnen ergriffen, steht die namenlose Partei der Majorität. Sie hat sich bisher nicht nur um keinen Namen, sondern auch nicht um eine Verlautbarung eines Spezialprogramms bemüht, wie es die gegnerischen Richtungen getan haben, offenbar im vollen Gefühle der verantwortlichen Arbeit, die auf programmatische Proklamationen verzichten darf. Es scheint freilich, daß es vom Standpunkt der innerzionistischen Auseinandersetzung für die Majoritätspartei günstig wäre, ein klares Spezialprogramm deutlich vor Augen zu stellen und sich nicht lediglich mit der Abwehr des Oppositionsprogramms zu bemühen. In diesem Sinn ist ein Büchlein zu begrüßen, das vor einiger Zeit erschienen ist, und in dem sich eine solche klare und eindeutige Fassung und Darstellung jenes Zionismus befindet, den man gewiß nicht einfach als den Zionismus der Majorität hinstellen kann, aber immerhin als den Zionismus einer wichtigen Kerntruppe der Majorität oder zumindest als jenen Zionismus, der von der Opposition besonders bekämpft wird. Es ist das Büchlein „Zionistische Politik" von Hans Kohn und Robert Weltsch, eine Zusammenstellung von Artikeln und Abhandlungen zu theoretischen und praktischen Fragen des Zionismus, welche in ihrer Gesamtheit einen überzeugend einheitlichen Eindruck machen. Die historischen Artikel Hans Kohns zeigen klar, wer die Väter dieses Zionismus, 'wie er hier vertreten wird, sind: Moses Heß und vor allem Achad Haam. Und die Artikel beider Autoren zeigen klar, worin das Wesen dieses Zionismus besteht: Es ist ein Zionismus, der, mag er auch eine politische Bewegung sein, nie vergessen will, daß er vor allem eine sittliche Bewegung ist; der sich daher mit äußerster Gewissenhaftigkeit von allen Uebeln der Politik fernhalten will: von Gewalt- und Machtpolitik, von Demagogie und Illusionismus; so daß man als seine beiden Grundpfeiler bezeichnen kann: Sittlichkeit und Realismus, wobei dieser Begriff etwa im Sinne des Masarykschen Realismus gebraucht wird, als das Bestreben also, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist; und als die Kraft, auch in der Politik, trotz aller gegensätzlichen Verlockungen, die auf diesem Gebiet besonders stark sind, nüchtern, objektiv und wahr zu sein. Diese zionistische Politik, wie sie in diesem Buch vertreten wird, kann und will den Zionismus nicht anders sehen, als eine in erster Reihe sittliche Bewegung, die sich von den höchsten und besten Zielen der heutigen Menschheit, von den Idealen der Gerechtigkeit und der Sittlichkeit auch in der Politik, um keinen Preis entfernen will. Oder, wie es Robert Weltsch ausführt: »Für unsere zionistische Vorstellung war Zion nicht ein Teil der absterbenden, sondern ein Teil der neuerstehenden Welt. Für uns war der Zionismus untrennbar verknüpft mit dem Glauben'an den Sieg menschlicher Ideen, der Idee der Gerechtigkeit, der Idee einer wahren lebenverbundenen Gemeinschaft. Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist ohne diese Ideen undenkbar . ..« Darum will dieser sittliche Zionismus nicht Macht, sondern Gerechtigkeit, nicht Krieg, sondern Frieden, nicht rohe Gewalt, sondern Geist, nicht Illusionismus, sondern Wahrheit, nicht Rückschritt, sondern Fortschritt, nicht kurzsichtige Politik, sondern Politik auf lange Sicht. Die Anwendung dieser Grundsätze auf unsere zionistische Politik ergibt dann jenes Programm, das Robert Weltsch in der Jüdischen Rundschau verficht und das beide Autoren in diesem Buch vertreten, jenes Programm, das nicht nur von den Oppositionsparteien, sondern auch von manchem Teile der Majorität als ein defaitistisches hingestellt worden ist. Das Buch von Kohn und Weltsch zeigt, wie dieses Programm aus den Grundgedanken dieser Politik hervorgewachsen ist, wie es im Grunde auf Achad Haam zurückgeht, und wie es eben einfach nichts anderes ist, als: der Engoaß zwischen den Erfordernissen der Politik und den Gesetzen der Sittlichkeit; das Ergebnis des Kampfes zwischen Egoismus und Gewissen; der schöpferische Ausweg, der sich zeigt, wenn man mit höchster Kraft entschlossen ist, die als notwendig erkannten Lebensbedürfnisse des zu sich selbst erwachenden jüdischen Volkes zu befriedigen, ohne die Gerechtigkeit und das sittliche Gebot der friedlichen Auseinandersetzung zu verletzen. Es ist jene Politik, die sich mit aller Entschiedenheit gegen den Legionsgedanken wendet, welche bestrebt ist, das neue jüdische Palästina in die zukünftige Bewegung des aufwachsenden Orients friedlich einzugliedern, jene Politik, welche das Churchillsche Weißbuch begrüßt hat, welche die starre Form des Judenstaat-Gedankens zugunsten fortgeschrittenerer, schmiegsamerer, politischer Formen, welche einem Volke voll-

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