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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 295

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann.
Date
1928-05-01
Page
Seite 295 (sequence 2)
Language
German
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295 Dorflehrer. Die Fellachen scheinen zu finden, daß von diesen Schulen ein Segen ausgeht. Jedenfalls sind die Eltern, die doch selbst Analphabeten sind, eifrig bemüht, ihren Kindern diesen Vorteil zu sichern, die Baukosten werden gern übernommen, das Gebäude jedem Fremden mit Stolz gezeigt aimd die Kindler werden von den Eltern sehr regelmäßig in die Schmie geschickt. Kommien hingegen Verstöße vor, so> schließt die Regierung die Schulen und stets hat diese Maßnahme die gewünschte Wirkung. Die Mädchenbildung setzt sich unter der meist muselmanischen Bevölkerung relativ langsam durch. Es fehlt auch sehr an Lehrerinnen. Die Regierung unterhält eine Lehrerinnenbildungsanstalt mit Internat. Es ist gelungen, eine größere Zahl von Lehrerinnen heranzubilden, aber es fehlt noch immer an Lehrerinnen für das Dorf. Die ausgebildeten Mädchen tendieren meist nach der Stadt und außerdem ist die Zahl der Muselmaninnen unter ihnen relativ klein und man kann in die von Moslems bewohnten Dörfer keine Christinnen schicken. Man hat schon verschiedene Maßnahmen erwogen, diese Verhältnisse zu bessern und besonders der »Landflucht« Einhalt zu tun, jedoch ist das Problem vorläufig noch ungelöst. Der Regierungsbericht beschäftigt sich auch eingehend mit den unter Regierungsaufsicht stehenden Privatschulen, so auch mit den zionistischen. Man legt an sie einen anderen Maßstab an als an die arabischen Schulen und hat sie wohl mehr an den englischen gemessen. Nur so erklärt sich der Tadel gegen »kontinentale« Methoden des Unterrichts in den zionistischen Schulen, d. h. eine allzu theoretische Lehrweise ohne Heranziehung der Schüler zur Mitarbeit, Es wird auch mangelnde Gründlichkeit und mangelnde Erziehung zur Akkuratesse hervorgehoben, aber auch betont, daß die zionistischen Schulen den Gesichtskreis der Schüler erheblich weiten und ihnen große Interessengebiete erschließen. Das Heft enthält auch sehr erhebliches und detailliertes statistisches Material. Es gibt etwa 67.000 Schüler in Palästina, mehr als ein Drittel von ihnen, 27.000, sind Juden, während die Juden noch nicht ein Sechstel der Bevölkerung bilden. Das größte einheitliche Schulwerk ist das der Regierung mit seinen 20.000 Schülern,, unter denen die Moslems, in deren Interesse dieses Schulwerk ja auch gegründet wurde, bei weitem überwiegen (88%)'. Fast ebenso groß ist das zionistische Schulwerk mit fast 18.000 Schülern. Sonst ist das Schulwerk ziemlich zersplittert; so verteilen sich die übrigen 8000 jüdischen Schüler auf 12 Organisationen, die 15.000 christlichen auf 33, und die 4500 mohammedanischen, die nicht von der Regierung abhängig sind, auf 4 Organisationen. In bezug auf die Lehrerzahl ist die Regierung relativ am ungünstigsten gestellt, es kommen zirka 27 Schüler auf einen Lehrer, während es bei den Juden nur 20, bei den Christen gar nur 15 sind. Solche Ziffern sind aber, an europäischen Verhältnissen gemessen, durchwegs sehr günstig zu nennen. Die Bildung der Mohammedaner bleibt vorläufig eine äußerst primitive, fast alle Kinder befinden sich in den untersten Klassen, während die höheren nur schwach besucht sind. Interessant ist auch das Verhältnis der Geschlechter. Bei den Juden überwiegt die Zahl der Knaben nur um ein geringes, was um so weniger bedeutet, als auch die Zahl der geborenen Knaben in Palästina etwas größer ist. Bei den Christen sind die Mädchen fast die Hälfte der Gesamtschülerschaft, bei den Mohammedanern aber weniger als ein Fünftel. Trotzdem ändern sich, wie aus den Jahrestabellen hervorgeht, auch diese Verhältnisse zum Guten. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß sich zwar die jüdische Schülerzahl seit der englischen Okkupation um zwei Drittel vergrößert hat, daß sich aber in demselben Zeitabschnitte auch die jüdische Bevölkerungszahl verdoppelte. In derselben Zeit hat sich aber auch die Zahl der arabischen Schüler (nicht nur in den Regierungsschulen!) fast verdoppelt sie stieg von 25.000 auf 40.000, während sich die arabische Bevölkerung nur im Verhältnis der natürlichen Vermehrungszahl vergrößert hat. Interessant ist die absolute Getrenntheit zwischen Juden und Arabern im Schulwesen. Es würde vielleicht bei dem noch mangelhaften Ausbau des Schulnetzes naheliegen, daß in Orten mit kleinen Minoritäten die Schule gemeinsam wäre. Jedoch ist die Fremdheit und der kulturelle Abstand noch zu groß. Es sind wohl 543 jüdische Kinder ausgewiesen, welche nichtjüdische Schulen besuchen, aber darunter sind 520 (!) in den eigens für Juden errichteten Missionsschulen. Nur 46 nichtjüdische Kinder haben in jüdischen Schulen Aufnahme gefunden. Dies bei 67.000 Schulkindern die es in Palästina gibt. Kurze Nachrichten: (Teilweise von uns schon gebracht. — Die Red.) Die Regierung hat einen Gesetzentwurf erlassen, welcher die Bildung lokaler Komitees für Schulangelegenheiten in >den einzelnen Orten vorsieht, welche auch die Schulbeiträge der Lokalbevölkerung einzuheben haben werden. — Für die jüdischen Schulen bedeutet die neu erlassene Gemeindeordnung, welche eine Gesamtorganisatiön der Juden Palästinas schafft, ein wichtiges Ereignis. Der Waad Leumi, nunmehr mit 19*

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