Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 283 (sequence 2)
- Language
- German
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283 Punkt bezogen. Die Haltung der Regierung hat sich, wie schon erwähnt, zusehends gebessert. Die Schicksalsverknüpftheit des britischen Mandates mit dem zionistischen Werke wurde gerade in den Zeiten der Gefahr fühlbar. Anläßlich des zehnten Jahrestages der Balfour-Deklaration hat B a 1 f o u r selbst auf einem Festbankett in London eine neue Erklärung verlesen, worin gesagt wird, die Regierung bereite Maßnahmen insbesondere auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung vor, um die jüdische Kolonisation positiv zu fördern. Obwohl diese Erklärung vor allem eine moralische und keine unmittelbare praktische Bedeutung hatte, wurde sie doch als Symptom einer veränderten Stellungnahme der Regierung gewertet. Denn bisher hat die Regierung — wie insbesondere in ihren Aeußerungen vor der Mandatskommission des Völkerbundes zum Ausdruck kam — ihre Rolle als die eines neutralen Beschützers aufgefaßt, der nur für Ruhe und Ordnung zu sorgen hat, damit die Juden selbst ihre Arbeit leisten können. Nunmehr bekannte sich die Regierung zur Pflicht aktiver Mitwirkung beim Aufbau des Nationalheims. Die in Aussicht gestellte Steuerreform ist inzwischen zum Teil erfolgt. Es handelte sich, wie in dieser Zeitschrift bereits ausführlich berichtet, einerseits um eine Ablösung des Oscher durch einen für fünf Jahre zu fixierenden Durchschnittsbetrag, andererseits um die Umwandlung der städtischen Grundsteuer (Werko) in eine Ertragssteuer. Weiters hat die Regierung den durch die Jewish Agency vorgebrachten Wünschen bezüglich der Zollreform weitgehend Rechnung getragen. Der Handelsvertrag mit Syrien, gegen den sich die palästinensische Industrie wehrte, wurde vertagt, nachdem der Präsident der Jewish Agency, Dr. Weizmann, . gelegentlich seines Besuches in Palästina im Herbst 1927, persönlich in dieser Sache interveniert hatte. Auch auf anderen Gebieten hat sich die Beziehung der Regierung zur Exekutive . inniger gestaltet. Die Subvention der Regierung für das Erziehungswesen wurde erhöht, wobei die Regierung die pünktliche Auszahlung der Lehrergehälter zur Bedingung stellte und sich auch sonst einen gewissen Einfluß auf die Verwaltung und Teilnahme am Waad Hachinuch vorbehielt. Die Reorganisation des Erziehungswesens war nächst der Arbeitslosigkeit das schwierigste Problem, mit dem die Palästina-Exekutive zu tun hatte. Die Verkleinerung des zionistischen Beitrages zum Erziehungsbudget machte eine Verkleinerung des Schulnetzes notwendig. Eine Anzahl Lehrer mußte entlassen, Klassen und Kindergärten geschlossen werden. Die Lehrerschaft wehrte sich einmütig gegen diese Maßnahmen, ergriff die Partei der entlassenen Kollegen und erklärte sich zu Opfern bereit, falls das Schulwerk unversehrt bleiben würde. Dank der Hilfe der Regierung und einer Spende Baron Rothschilds von 4000 Pfund gelang es schließlich, zu einer Lösung zu kommen, die alle Teile befriedigte. Ein Teil der entlassenen Lehrer wurde wieder angestellt, die Verkleinerung der Zahl der Klassen ist unwesentlich. Die Zahl der Schüler blieb gegenüber dem Vorjahr ungefähr gleich. Zum Direktor des zionistischen Erziehungsdepartements wurde Dr. Berkson aus Amerika ernannt. Die Palästina-Exekutive hat in ihrem Wirkungskreis direkte Ersparnisse durch, V e rw a 11 u n g s r e fo r m e n und Entlassung von Beamten durchgeführt, um ihre Ausgaben dem vom Kongreß verkleinerten Budget anzupassen. Dieser Prozeß der Reorganisation ist allerdings noch nicht beendet. Manche Maßnahmen haben in der Oeffentlichkeit Widerspruch hervorgerufen, wie denn überhaupt kaum ein Schritt der Exekutive nicht lebhaft umkämpft worden ist. Die Exekutive war in einer schweren Lage vor allem darum, weil die Einnahmen des Keren Hajes so d im ersten Halbjahr hinter den Voranschlägen zurückblieben. Zwar hat das Direktorium des Keren Hajessod durch verschiedene Kreditoperationen den Ausfall decken können, aber diese bedeuten eine Verpfändung künftiger Einnahmen und damit neue Unsicherheit. Trotzdem hat die Exekutive ihre Schulden um zirka 50.000 Pfund verringert und ihren Kredit wieder befestigt. Die Ausfälle des Keren Hajessod sind auf die geringeren Ueberweisungen aus A m e r i k a zurückzuführen. Die amerikanischen Zionisten haben in den Monaten nach dem Kongreß die von ihnen übernommene monatliche Quote nicht eingehalten, da die Kampagne des United Palestine Appeal erst im Jänner begann; aber auch nach Eröffnung der Kampagne vermochten sie die Zahlungen nicht wesentlich zu erhöhen, vor allem nicht den Rückstand zu begleichen. Einer der Gründe dieses Mißerfolges liegt in den internen Verhältnissen der amerikanischen Landesorganisation. Diese sind gegenwärtig das am meisten besorgniserregende Moment der zionistischen Lage. Schon seit einem Jahre sind die internen Konflikte im amerikanischen Zionismus erkennbar. Die letzte Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten, die Konvention in Atlantic City im Juli 1927, stand bereits in ihrem Zeichen. Es ist aber nicht leicht, die verschiedenen Motive, die dabei eine Rolle spielen, auseinanderzuhalten. Einer der Hauptgründe ist zweifellos die Spannung zwischen den westjüdischen und den ostjüdischen Elementen. Die gegenwärtige Leitung ist von ostjüdischen Kreisen beherrscht, wogegen das westliche Element in der Frauenorganisation