Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Politik. Von Dr. Hans Kohn, Jerusalem.
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
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282 Punkte, darunter die Verteidigung der Kommunikationen des britischen Reiches in Aegypten, den Schutz der Sicherheit der Interessen der in Aegypten lebenden Fremden und die Verwaltung des Sudan ausschließlich seinem eigenen Gutdünken bis zur Regelung dieser Fragen durch einen Vertrag vorbehalten hat. Diese gegensätzliche Auffassung des Status, in dem sich Aegypten heute befindet, muß notwendigerweise zu Konflikten in der nahen Zukunft zwischen der ägyptischen Nation und Großbritannienführen. So bietet die Lage in den Ländern rings um Palästina gerade jetzt das Bild einer reichen Bewegtheit. Es ist Pflicht der zionistischen Oeffentlichkeit, der Entwicklung des Umgestaltungsprozesses, der heute auf allen Gebieten des politischen, sozialen und kulturellen Lebens im Oriente und auch im islamischen Oriente vor sich geht, mit Aufmerksamkeit zu folgen. Jewistl AgertCy. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin, Nach dem XV. Zionistenkongreß, der eine neue Palästina-Exekutive wählte, war es die wichtigste Aufgabe der Zionistischen Organisation, ihre eigenen Verhältnisse in Palästina in Ordnung zu bringen. Im vergangenen Jahr war das Defizit der Exekutive vor allem durch die Ausgaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu bedrohlicher Höhe angewachsen. Der Kongreß hat bei Aufstellung; des neuen Budgets mit diesem Defizit gerechnet, aber es war klar, daß nicht finanzielle Operationen allein eine Sanierung herbeiführen könnten, sondern daß es vor allem darauf ankäme, die Ursache des Defizits zu beseitigen. Die Hauptursache war die Arbeitslosigkeit. Die Zionistische Organisation als Jewish Agency hat der Regierung gegenüber die Verantwortung für die Einwanderer übernommen, die auf Grund eines von der Zionistischen Organisation ausgestellten Zertifikates eingewandert sind. Die neue Exekutive untersuchte zunächst die Frage, wie sie sich von dieser Last befreien könnte. Solange nicht die Ansiedlung der Arbeitslosen möglich war, und da ein Abtransport mit dem zionistischen Empfinden unvereinbar gewesen wäre, schien es nur zwei Wege zu geben, um die Auszahlung von Arbeitslosenunterstützungen einstellen zu können: entweder Durchführung von Notstandsarbeiten, die ^sämtliche Arbeitslosen aufnehmen konnten, öder Uebergabe der Verantwortung an die Regierung. Den ersten Weg schlug die Arbeiterorganisation vor, die zu diesem Zweck ein detailliertes Programm ausgearbeitet hatte; die Exekutive jedoch, die hierfür einen Betrag von etwa 50.000 Pfund hätte aussetzen müssen, über den sie nicht verfügte, neigte zu dem zweiten Weg. Es kam zu leidenschaftlichen Auseinandersetzungen und Konflikten, da die Exekutive, die bei ihrer Zusammensetzung keine direkte Fühlung mit dem Jischuw hatte, kurzerhand die Arbeitslosenunterstützung herabsetzen und allmählich gänzlich einstellen wollte. Im Laufe der Entwicklung gelang es jedoch, einen Ausgleich zu finden, indem nämlich durch Mithilfe der Regierung die Durchführung der vorgeschlagenen Arbeiten möglich wurde. Die Palästina-Exekutive hatte mehrere Konferenzen mit dem Oberkommissär Lord Plumer und mit den leitenden Beamten der Regierung und legte diesen rückhaltlos die Situation dar. Es wurde geltend gemacht, daß die Regierung die Ueberschüsse, die sie in den vorhergehenden Jahren dank der jüdischen Einwanderung gehabt hat, wenigstens zum Teil der Bekämpfung der durch dieselbe Einwanderung entstandenen Arbeitslosigkeit widmen müsse. Die Regierung wurde darüber aufgeklärt, daß die Exekutive finanziell zusammenbrechen müßte, wenn sie weiterhin die Last allein trüge; dies jedoch würde eine schwere Schädigung des ganzen Palästinawerkes und des Mandatswerkes bedeuten. Lord Plumer setzte sich mit Entschiedenheit für eine aktive Regierungspolitik ein und . erhielt die Zustimmung der Londoner Regierung. In einem' Rundschreiben an die Bezirksgouverneure und Regierungsdepartements wurde die Weisung erteilt, jüdische Arbeiter nach Möglichkeit zu beschäftigen. (Im Artikel von Frumkin sowie unter »Nachrichten und Daten« in der vorliegenden Nummer ist ausführlich mitgeteilt, wie die Arbeitslosigkeit behoben wurde.) Es ist freilich zu berücksichtigen, daß die bei Notstandsarbeiten Beschäftigten nach Abschluß dieser Arbeiten wieder zurückströmen dürften. Die Exekutive steht auf dem Standpunkt, daß die Auszahlung von Unterstützungen auf keinen Fall erneuert werden darf. Man hofft auf eine weitere natürliche Absorption durch bevorstehende Unternehmungen, z. B. den Bau des Hafens in Haifa, verschiedene Eisenbahn- und Wegbauten, zum Teil auch die ständig neu entstehenden Pflanzungen. Sollte es gelingen» die geplante größere Anleihe des Jüdischen Nationalfonds,, über die mit einem Bankenkonsortium in Amerika verhandelt wird, zustandezubringen, so würden die auf den Ländereien des Nationalfonds durchgeführten Ameliorationen gleichfalls Anforderungen an den Arbeitsmarkt stellen. . Das erste Halbjahr der Amtsführung der neuen Exekutive stand beinahe ausschließlich im Zeichen des Problems der Arbeitslosigkeit. Eng verknüpft damit sind die politischen Beziehungen zur Regierung, da alle Verhandlungen sich hauptsächlich auf diesen