Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die Frage der Kwuzoth und der Selbstarbeit
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379871-2386457--07047-2386794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
270 darüber nur einige Bemerkungen machen: Zwei Faktoren nehmen am Aufbau teil. Der eine spendet einen Teil seines Vermögens, der andere opfert alles, was er hat, und mit Hilfe dieser beiden Faktoren wurde das Unternehmen zu einem nationalen, das in den Besitz des ganzen Volkes übergebt. Ich will nicht beurteilen, wessen Anteil an dieser Gemeinschaft größer ist; wenn ich aber behaupte, daß beide zumindest gleichwertig sind, so glaube ich, daß selbst der größte Materialist dem zustimmen wird. Die Kwuzah hat in der jüdischen Jugend großen Anhang. Sie hat großes jüdisches Können offenbart, dessen Echo weit hinausreicht. Nur deshalb, weil sie eine jüdischnationale Schöpfung ist, und nicht weil die Nation ihr das Geld vorgestreckt hat, muß man ihre positiven und negativen Seiten öffentlich kritisieren. Wäre der Autor von diesem Aspekt ausgegangen, so wäre er nicht zu der Annahme gelangt, daß im vorhinein zwischen dem Betrieb und dem Leben in der Kwuzah ein Trennungsstrich zu ziehen möglich sei und hätte nicht in bezug auf Administration und Leitung der Kwuzah alte Vorschläge erneuert In der Kwuzah kann unmöglich zwischen Betrieb und innerem Leben unterschieden werden. Beide sind aneinander geknüpft und nur durch diesen inneren Zusammenhang wird die Kwuzah zu einem Ganzen, das lebt. Eine Trennung beider hebt ihren Wert auf. Die Tätigkeit der Organisierung der Arbeit in der Kwuzah bedeutet Vorsorge für jeden Zweig, mag es Küche, Kinderfürsorge, Gemüse- oder Getreidebau sein. Das betreffende Organ sorgt dafür, daß ein Gleichgewicht hergestellt werde zwischen allen Arbeiten und daß sie in der richtigen Zeit durchgeführt werden. Es gibt Fälle, in denen man von den dringendsten Feldarbeiten — wenn Notwendigkeit dafür besteht, weil jemand erkrankt ist — Leute .abzieht und in die Küche oder zur Kinderfürsorge delegiert, oder auch umgekehrt. Ein Leiter, der nur für den Betrieb bestellt wäre, könnte unmöglich für alle Zweige der Tätigkeit das Gleichgewicht herstellen, möge er auch der Fähigste sein; was der Mensch selbst tut, ist ihm immer leichter zu ertragen, als was ihm die anderen antun. Dies führt zu Reibungen auf Schritt und Tritt und die Folgen kann man ja voraussehen. Die Demokratie in der Kwuzah ist keine von außen hereingetragene Sache. Demokratie und völlige Gleichheit sind vielmehr die lebendigen Glieder, sind der Impuls, welcher die Kwuzah einigt und ihr die Kraft und die Selbsterhaltung gewährt. Nimm ihr all dies und du hast ihr ihre Seele genommen. Sie wird dann zu einem Arbeitsort werden, an dem Arbeiter beschäftigt sind, aber keine Kwuzah. Der Verfasser ist, wie viele andere Kritiker, an der Oberfläche haften geblieben, ohne tiefer in die Seele des arbeitenden Menschen überhaupt und hauptsächlich des Juden im Lande einzudringen, der die Arbeit nicht als Erbe bekommen hat, sondern bei dem sie zu einem Teil seines Wesens geworden ist dank nationaili-menschliicher Faktoren. Er hat vergessen, daß all das, was sich im Gewebe des Kwuzahlebens vorfindet, nicht eine Notwendigkeit des Lebens ist, und daß nicht das Suchen nach einem Stückchen Brot die Menschen zu diesem Leben gebracht hat. Hier ist eine freie Wahl erfolgt aus einem Willen heraus, daß zugleich neben der schweren Arbeit eine Form geschaffen werde, die dem Geist eines Menschen entspricht, welcher den Spuren des menschlichsozialen Fortschrittes folgt. Das Leben ist schwer und kompliziert und ergreift den ganzen Menschen, wenn er weiß, daß er der Schmied seines eigenen Glückes ist, daß er derjenige ist, der das Werk schafft. Er ist dann bereit, das schwere Joch zu tragen. In dem Zeitpunkt, in dem der Leiter nicht an den Beschluß der Mitglieder gebunden ist und in allen diesen Dingen so verfährt, wie in der eigenen Sache, wird der Arbeiter zu einer Schachfigur und ist nicht in der Lage, das zu ertragen, was er jetzt erträgt und was für die Entwicklung der Kwuzah förderlich ist. Das Tragen der Verantwortung ist ein sehr wichtiger Faktor. Und nicht gerade nur bei der Kwuzah zieht der Arbeiter eine Arbeit unter eigener Verantwortung einer Tagesarbeit vor, selbst wenn die erstere zuweilen schwieriger ist. Die Unabhängigkeit und das Tragen der Verantwortung wirken in jeder Hinsicht Wunder, erhöhen die Pro-