Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Die natürliche Bevölkerungsbewegung Palästinas
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 266 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379871-2386455--07039-2386790- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
266 Die natürliche Bevölkerungsbewegung Palästinas. Von Dr. Leo Goldhammer, Wien. Der Professor für Statistik an der Genfer Universität, Dr. Liebmann-Hersch, bemüht sich, wie er mit Stolz hervorhebt, »seit eineinhalb Jahren auf Grund der Statistik der Wanderungen und der natürlichen Bevölkerungsbewegung Palästinas, die Unmöglichkeit der Lösung des zionistischen Problems zu beweisen«. (Prof. L. H e r s c h, Die natürliche Bewegung der Bevölkerung Palästinas im Jahre 1926, in »Unsere Zeit«» sozialistische Monatsschrift Nr. 1, Warschau, 15. Jänner 1928.) Die vom Gesundheitsamt der Palästinaregierung für das Jahr 1926 publizierten Daten der Bevölkerungsbewegung hält Prof. Hersch nunmehr für geeignet, die von ihm auf Grund seiner »antizionistischen Einstellung« gemachten Voraüssagungen nicht nur zu bekräftigen, sondern vielmehr noch zu bezeugen, daß seine auf Grund der früher »festgestellten Tatsachen« (so nennt er seine Prophezeiungen) gewonnene pessimistische Ansicht über den Zionismus noch übertroffen wird. Wir wollen im nachfolgenden den Versuch machen, die Behauptungen Professor Hersch's auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, ohne uns jedoch auf gewagte Prophezeiungen einzulassen. Zunächst geben wir das tatsächliche Material wieder. Tabelle L Geburten Todesfälle Zuwachs im Jahre Juden Nichtjuden Juden Nichtjuden Juden Nichtjuden 1923 3.276 28.126 1.130 15.684 1.966 12.442 1924 3.623 31.332 1.196 16.476 2.427 14.856 1925 4.000 31.479 1.817 17.794 2.183 13.685 1926 5.299 25.442 1.782 16.838 3.517 18.604 Wir sehen, absolut genommen, ein stetiges Anwachsen der Gebürtigkeit bei den Juden und bei den Nichtjuden, das in folgenden Prozentzahlen deutlicher zum Ausdruck kommt. Es stieg nämlich die Geburtenzahl bei den Juden um bei den Nichtjuden um von 1923 auf 1924 ....... 10.59% 11.39% „ 1924 „ 1925 ....... 10.43% 0.46% „ 1925 „ 1926 ....... 32.33% 12.58% Das rasche Anwachsen der jüdischen Gebürtigkeit ist vor allem darauf zurückzuführen, daß in den angeführten Jahren, speziell 1925, die Einwanderung von Juden nach Palästina besonders groß war. Der Einwanderungsülberschuiß im Jahre 1925 allein betrug 30.546 Seelen, die fast zur Gänze Juden waren, so daß also dieser ungeheure Zuwachs von 10.43% auf 32.33% hierin vor allem seine Erklärung findet. Die Tatsache, daß im Jahre 1923 die Zahl der Geburten und Todesfälle und somit auch der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle kleiner ist als in den drei folgenden Jahren, erklärt Prof. Hersch damit, daß »die Einwanderung unterdessen um ein bedeutendes die Bevölkerungszahl der Juden vergrößert hat, während bei den Arabern mit einer genaueren Registrierung der Geburten und Todesfälle erst später begonnen wurde. Wir müssen uns daher nur auf die Angaben der letzten Jahre stützen. Um zu günstigeren Resultaten für die arabische und zu pessimistischen für die jüdische Bevölkerung zu kommen, übersieht also Prof. Hersch absichtlich die ihm wohlbekannte Tatsache, daß nicht nur bei den nomadisierenden Beduinen die Registrierung der Geburten und Todesfälle äußerst schwierig ist, sondern daß auch die russischen und polnischen Juden noch an ihren alten Gepflogenheiten festhalten, die Mädchengeburten nicht anzumelden.